Regisseur Ridley Scott wendet sich einem Meilenstein seiner Karriere zu und erzählt eine weitere Geschichte des Alien-Universums. „Alien“-DNA aus dem Science-Fiction-Klassiker von 1979 ist reichlich vorhanden, und auch eine gewisse Konfusion ist in „Prometheus“ spürbar. Eine Unmenge an Nebensträngen wird da angerissen, von denen manche obskur bleiben und andere sich in der Weite des Alls verlieren. Was immerhin zum Nachdenken anregt.
Die Haupthandlung lässt sich noch weitgehend stringent zusammenfassen. Die Entdeckung prähistorischer Malereien aus ganz verschiedenen Kulturen weist den Weg: Allesamt zeigen sie eine Weltraumkarte mit identischer Planetenkonstellation. In der Hoffnung, dort die Ursprünge der Menschheit, ja die Götter selbst zu finden, bricht im Jahr 2093 ein Team von Wissenschaftlern um Elizabeth Shaw (Noomi Rapace) mit dem Raumschiff „Prometheus“ zu dieser fernen Galaxie auf. Doch der Konzern Weyland Industries, Sponsor der Expedition, verfolgt in Gestalt seiner kühlen Repräsentantin Meredith Vickers (Charlize Theron) eine eigene Agenda. Und wie sich bald herausstellt, war bereits Shaws Interpretation der Malereien als „Einladung“ jener Außerirdischen ein fataler Irrtum.
Bei der Erforschung der Bauwerke auf dem Zielplaneten stoßen die Wissenschaftler auf immer mehr Befremdliches, während der Zuschauer im künstlichen Höhlensystem bereits das vertraute, deshalb aber nicht weniger ungemütliche Alien-Universum wiedererkennt. Und je weiter die Handlung fortschreitet, je übler der Besatzung der „Prometheus“ mitgespielt wird, desto mehr tritt dann auch der Alien-Phänotyp wieder zutage.
In Gestalt von Noomi Rapace macht Regisseur Ridley Scott abermals eine starke Frau zu seiner Heldin, doch anders als Sigourney Weavers Ripley wird sie nicht nur mit physischer Vernichtung bedroht, auch ein metaphysischer Abgrund tut sich für sie auf, denn anfangs glaubt sie fest an das Gute der Götter. Diese aber reagieren auf die menschliche Suche nach Rat und Zuwendung eher unwirsch.
Viele Aspekte kann man an „Prometheus“ bemängeln: seine Logiklöcher, die allzu erklärungsseligen Dialoge, die verschenkten Charaktere und Konstellationen, die oft viel zu aufdringliche Musik – oder den Unsinn, Guy Pearce einen Hundertjährigen spielen zu lassen, in so unkenntlicher wie unglaubwürdiger Maske. Trotz alledem ist „Prometheus“ ein kraftvoller und mitreißender Film, in vielem faszinierend, in manchem furchterregend. Er ist von überwältigender visueller Gestaltung und gewinnt dank weitgehend handwerklich gestalteter statt computergenerierter Sets eine geradezu greifbare Räumlichkeit, nicht nur in der 3D-Version.
Und der Film hat Humor: So gehört Michael Fassbenders Darstellung des Androiden David – so etwas wie der höfliche Hausdiener der „Prometheus“, doch mit dunklen Seiten – sicher zu den famosesten Roboterporträts der Filmgeschichte. Wie er sich etwa, begeistert vom Filmepos „Lawrence von Arabien“, Gestus und Diktion Peter O’Tooles aneignet, ist zugleich komisch und unheimlich.
Ab 16 Jahren.
Mehr dazu auf www.prometheus-derfilm.de.
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