Wenn man sich nicht viel Mühe machen will mit einer Geschichte, dann würfelt man ein paar Figuren zusammen und wirft sie auf ein Spielfeld. In Nimrod Antals neuem Film kann man das ganz buchstäblich beobachten: Da fallen Helden vom Himmel, werden Fallschirmspringer Monstern zum Fraße vorgeworfen. ,,Predators" ist der fünfte Film mit den außerirdischen Tarnkappen-Jägern nach dem Debüt mit Arnold Schwarzenegger (1987), einer Fortsetzung mit Danny Glover im Großstadtdschungel (1990) und zwei Crossover-Keilereien der Marke ,,Alien vs. Predator" (2004 und 2007). Die Grundidee zur jüngsten Fortsetzung hatte Robert Rodriguez (,,Sin City") bereits 1994 in einem nie verwirklichten Drehbuchentwurf skizziert. Nun haben Alex Litvak und Michael Finch eine Story aufgeschrieben, die eher wie das Skript für ein Videospiel wirkt, und Rodriguez fungierte dabei als Produzent. Die Predators (auf Deutsch: Raubtiere) jagen nicht länger auf der Erde, sie haben sich einen Planeten als Wildreservat eingerichtet, wo sie paramilitärische Einzelkämpfer anderer Spezies abregnen lassen, die zunächst nicht wissen, wie ihnen geschieht. Zum Abschuss freigegeben bei dieser Söldner-Safari sind nun ein mexikanischer Drogenkiller und ein amerikanischer Serienkiller, ein afrikanischer Warlord und eine israelische Scharfschützin, ein Arzt, ein japanischer Yakuza, der zum Samurai wird, und Adrien Brody als Einzelkämpfer, der die Führung übernehmen muss. Hinzu kommt Laurence Fishburne (,,Matrix") mit einem Auftritt, der ihn für die ,,Sesamstraße" qualifizieren würde: Er spielt einen wunderlichen Einsiedler, der ständig flüstert und dabei an Schwarzhändler Lefty erinnert, der im Puppenspiel für Kinder immer Buchstaben verkaufen will. Wenn man den Film als unfreiwillige Komödie nimmt, ist das der größte Spaß in 105 Minuten. Ansonsten ist diese Fortsetzung eine einzige uninspirierte Enttäuschung. Sieht man mal davon ab, dass am Himmel über dem Dschungel dicke Planeten wie Christbaumkugeln hängen, dann mutet die Anderswelt der Aliens mit all den dekorativ verteilten Eingeweiden zwischen exotischen Topfpflanzen in der Kulisse sehr vertraut an - irgendwo zwischen Gewächshaus und Schlachthaus. Die Predatoren kommen diesmal gleich zu viert und bringen Jagdhunde mit, die wie Wildschweine mit Hirschgeweih aussehen. Ansonsten sind sie als jagende Trophäensammler noch immer der männliche Gegenentwurf zu den Muttermonstern der Marke Alien. Der Kampf Predator vs. Paramilitärs ist also auch ein Macho-Massaker. Die Söldner schleppen ihre Zimmerflak durchs Unterholz, tragen aber noch schwerer an ihren Dialogen. Es sind Oneliner wie ,,Ich bin bereit zu sterben! - Du auch?" Leider ist nur einer bereit zu schweigen, bevor er stirbt: der Japaner (Louis Ozawa Changchien), der erst einen grauen Anzug, dann ein Samuraischwert zum freien Oberkörper trägt. Gerade Hauptdarsteller Adrien Brody aber, der als Poet des Perversen auch mal Hemingway zitieren darf, scheint mehr mit dem Kampf gegen das eigene Image als empfindsamer Schmerzensmann (,,Der Pianist") als mit dem Metzgern von Monstern beschäftigt. Arnold Schwarzenegger hat das seinerzeit mit stupider Leichtigkeit erledigt. Doch Wüteriche von seinem dumpfem Schlage sind vom Aussterben bedroht. Nach diesem Film muss man dringend an Hollywood appellieren: Stoppt das sinnlose Morden, setzt eure Actionhelden auf die Rote Liste.
Ab 18 Jahren.
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