Eigentlich müsste der auf dem Mond stationierte Astronaut Sam Bell ein Held sein. Denn der Weltraum-Ingenieur gewährleistet durch seine Arbeit die Energieversorgung der Menschheit, indem er den automatisierten Abbau von ,,Helium 3" auf der dunklen Seite des Erdtrabanten überwacht und die Rohstoff-Verschickung zum Heimatplaneten beaufsichtigt. Doch Sam ist ein einfacher Angestellter mit einer durchgängigen Drei-Jahres-Schicht, der außer ein paar aufgezeichneten Grußbotschaften von seiner Frau und seiner kleinen Tochter nur Kontakt mit dem Computer ,,Gerty" (im Original mit der Stimme von Kevin Spacey) hat.Als eines Tages bei einem Außeneinsatz ein Unfall passiert und Sam erst wieder auf der Krankenstation aufwacht, kommt ihm einiges seltsam vor. Also beschließt er, die Anweisungen der Firma zu ignorieren und auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen. Dabei macht er eine Entdeckung, die sein Weltbild komplett erschüttert.Der US-Amerikaner Sam Rockwell ist nach zahlreichen markanten Auftritten als Nebendarsteller (zum Beispiel in ,,Frost/Nixon" und ,,Iron Man 2") hier in seiner ersten gewichtigen Hauptrolle zu sehen. Dem Schauspieler mit dem Faible für leicht durchgeknallte Außenseiter-Figuren gelingt es auf brillante Weise, den kompletten Film alleine zu tragen und ihm gleichzeitig seinen spezifischen Stempel aufzudrücken. Der britische Regisseur Duncan Jones hat ihm dafür das entsprechende Umfeld geschaffen, für das die verwahrlosten Hippie-Figuren aus Douglas Trumballs ,,Lautlos im Weltraum" und John Carpenters ,,2001"-Parodie ,,Dark Star" Pate standen.In Science-Fiction-Filmen, die von Raumfahrern fern der Erde handeln, geht es oft darum, dass die Ängste, Probleme und Erinnerungen mit auf die interstellare Reise gegangen sind. Das führt dann dazu, dass sich die auf sich selbst gestellten Astronauten früher oder später auch sich selbst stellen müssen. Meistens endet das im Wahnsinn oder in der Erkenntnis, dass es mehr gibt, als die menschliche Vorstellungskraft zu verstehen imstande ist. Zwei der bahnbrechendsten Werke des futuristischen Genres - Stanley Kubricks ,,2001: Odyssee im Weltraum" und Andrej Tarkowskijs ,,Solaris" - lieferten bereits vor Jahrzehnten die Grundmuster für solche philosophisch-psychologischen Raumfahrt-Dramen, die seither in unzähligen Varianten regelmäßig wiederkehren.Auch das Psycho-Kammerspiel ,,Moon" reiht sich auf den ersten Blick in diese Science-Fiction-Tradition ein, denn auf dem Kinoplakat steht: ,,400 000 Kilometer von zuhause entfernt, ist das Gefährlichste, was dir begegnen kann ... du selbst." Zunächst hat auch alles den Anschein, als ob der Protagonist halluziniert, den üblichen Weltraum-Koller bekommt und langsam durchdreht - die Hauptfigur scheint es zuweilen sogar selbst zu denken. Aber Regisseur Jones wartet am Ende mit einer ganz anderen Erklärung auf, verlässt die üblichen Bahnen der filmhistorischen Vorbilder und schafft damit eine völlig eigenständige Zukunftsvision, die auf den ausgetretenen Psycho-Pfaden des Genres wie eine Frischzellenkur wirkt und das Ganze auch wesentlich realistischer erscheinen lässt. Zudem bleiben dabei viele Fragen unbeantwortet und sorgen somit für eine starke Nachwirkung über den Kinobesuch hinaus.Jones, der als Sohn von David Bowie dessen melancholischem Raumfahrer-Hit ,,Major Tom" mit ,,Moon" alle Ehre macht, hat mit der nur fünf Millionen Dollar teuren und bereits auf mehreren Festivals ausgezeichneten Independent-Produktion zwar keine Spezialeffekt-Orgie und kein Meisterwerk wie ,,2001" oder ,,Solaris" geschaffen. Sein dennoch mehr als überzeugendes Regiedebüt bewegt sich aber auf ähnlich hohem Niveau und ist der mit Abstand beste Science-Fiction-Film seit Jahren. Ab zwölf Jahren. Mehr dazu unter www.moon-derfilm.de Mehr Videos zum Thema Kino:
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