Das Schicksal meint es nicht gerade gut mit Bazil (Dany Boon aus ,,Willkommen bei den Sch'tis"). Sein Vater kam durch eine Landmine ums Leben, und er selbst wird eines Tages von einem verirrten Pistolen-Projektil in den Kopf getroffen. Doch damit nicht genug: Die Kugel wird auf Anraten der Ärzte nicht herausoperiert, Bazil verliert die Wohnung und den Job als Videothekengehilfe und muss sich fortan als obdachloser Straßenkünstler verdingen.Als er Bekanntschaft mit einer kauzigen Sippe von illegalen Schrottplatz-Bewohnern macht, wendet sich jedoch das Blatt: Gemeinsam beschließen unter anderem Mademoiselle Kautschuk (Julie Ferrier), Bricábrac (Dominique Pinon) und Tambouille (Yolande Moreau), Bazil zu helfen und den französischen Waffenherstellern (einer davon wird von André Dussolier verkörpert) eine Lektion zu erteilen. Mit ,,Die fabelhafte Welt der Amélie" hat Jean-Pierre Jeunet einen Film geschaffen, der viele nicht nur aus cineastischen Gründen überzeugt, sondern auch, weil er als typisch französisch gilt und ein romantisch-poetisches Paris-Bild zeichnet. Um diese Sehnsucht nach dem touristisch verklärten Nostalgie-Image der französischen Hauptstadt abermals einzufangen, hat der deutsche Verleih Jeunets neuem Film nach einer Verschiebung des Starttermins die Unterzeile ,,Uns gehört Paris!" verpasst. Viel treffender war jedoch die vorherige Version ,,Der große Coup der kleinen Leute". Und statt Amélie bietet sich auch eher der Vergleich mit der älteren, noch zusammen mit Marc Caro inszenierten Fantasy-Groteske ,,Delicatessen" an.In ,,Micmacs" geht es nämlich auch um eine Art Parallelgesellschaft von skurrilen Außenseitern, die in ihrer eigenen bizarren Welt leben. Sie haben sich zu einer Familie zusammengetan und inmitten eines Schrottplatzes häuslich eingerichtet. Protagonist Bazil passt mit seinem Hirnschaden und seinen naiven Verhaltensweisen sehr gut zu der schrillen Truppe, deren Mitglieder näher betrachtet allesamt besondere Fähigkeiten aufweisen, die aber erst durch die verbindende Kraft der Gemeinschaft einen Sinn ergeben. Als mit Bazils Plan ein lohnenswertes Ziel auftaucht, legt die Bande denn auch so schlagkräftig los wie die Helden in ,,Ocean's Eleven" oder ,,Mission Impossible" - nur eben nicht so elegant und smart.Jean-Pierre Jeunets slapstickhafte Burleske mit ernstem Hintergrund wird von ihm selbst treffend als ,,Cartoon mit Realfiguren" bezeichnet. Die Verbindung der antikapitalistisch angehauchten Geschichte mit der für Jeunet typisch nostalgischen Recycling-Ästhetik macht ,,Micmacs" aber auch auf märchenhafte Weise subversiv. Und weil es sich dabei außerdem noch um ein romantisches Drama mit viel Warmherzigkeit für die einzelnen Figuren handelt, steht der menschliche Faktor trotz aller Skurrilitäten und Spielereien stets im Vordergrund. Von der ,,Fabelhaften Welt der Amélie" zur fabelhaften Welt der Micmacs ist es nur ein kleiner Schritt.
Ab zwölf Jahren.
Mehr dazu unter www.micmacs.kinowelt.de Mehr Videos zum Thema Kino:Trailer zu den aktuellen Filmen sowie Interviews, Filmausschnitte und mehr gibt es im Video-Center von „Echo Online“.

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