Im wahren Leben würden sich der polternde Tunichtgut Patrick und die strenge Kunsthändlerin Agathe kaum länger miteinander abgeben. Im Kino will es das Drehbuch von Nicolas Mercier und Regisseurin Anne Fontaine, dass ihre beiden Söhne sich angefreundet haben. Adrien, der Sohn aus gutem Hause, ist schön und schlicht, Tony, der uneheliche Bub, der mit seinem Vater bisweilen im Lastwagen nächtigt, hingegen unbegreiflich klug. Von Tony erhoffen sich Agathe und ihr Mann Francois einen förderlichen Einfluss auf ihren Filius, der zupackende Papa Patrick soll ihre klaffende Schlafzimmerbaustelle schließen. Das ist sinnbildlich zu nehmen: Mit dem Vorschlaghammer reißt er Wände ein und die baufällige Beziehung von Agathe und Francois gleich mit.
Das ist keine Minute überraschend und doch über weite Strecken recht unterhaltsam, weil Anne Fontaine abgegriffene Muster leichthändig anpackt, vor allem aber, weil die Figuren typgerecht und passgenau besetzt sind. Isabelle Huppert („Die Klavierspielerin“) gibt den kultivierten Kühlschrank. Ihre Agathe ist steif und blasiert, eine zickige Perfektionistin, deren Beziehung zu Francois mit Stil erkaltet ist. Während ihr freundlicher Francois (André Dussollier) es mit einem Frollein vom Wohnungsamt (Virginie Efira) versucht, braucht Agathe Alkohol und Sex, um aus ihrer Eisfalle herauszukommen. Patrick steht hierfür mit starker Leber und dicker Hose bereit.
Benoit Poelvoorde („Nichts zu verzollen“) verleiht dem potenzprotzigen Proll eine aufdringliche Fröhlichkeit. Kein Obdach, keine Perspektive – das scheint hier vor allem ein romantisches Abenteuer zu sein. Wie der burleske Banause den guten Roten von ’82 auf Ex wegkippt, Calvados pichelt und Ikea-Fleischbällchen mampft, zeugt dies von einer Gier, die den verbiesterten Kulturmenschen längst abhanden gekommen ist.
Zwischen belgischer Waschanlage mit schaumigen Gogo-Girls und Pariser Galerie mit heuchelnden Vernissage-Gästen spielt Anne Fontaine seifigen Trash gegen sterile Verkünstelung souverän aus. Zwar zünden in dieser Versuchsanordnung der Sitten alle Scherze immer genau so, wie man es erwarten darf, doch dank dieser Präzision pufft und scheppert es eben auch wohldosiert von Anfang bis Ende.
Ab zwölf Jahren.
Mehr dazu auf www.liebsteralptraum.de.
„Mein liebster Alptraum“
Komödie mit Isabelle Huppert und Benoit Poelvoorde
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