,,Frieden schaffen ohne Waffen", dieser Slogan der deutschen Ökopaxe klang ziemlich naiv. Aber was die US-Armee ausprobiert haben soll, mutet völlig irre an: Krieg führen ohne Waffen. Oder um ein englisches Motto zu prägen: Make war with love! Der walisische Journalist Jon Ronson hat derartige Bestrebungen 2004 in seinem Sachbuch ,,Männer, die auf Ziegen starren" beschrieben und eine Verbindung zwischen paranormalen Praktiken im Militär der Achtziger und Psychofolter von heute gezogen.
Regisseur Grant Heslov und Drehbuchautor Peter Straughan haben diese anekdotische Interview-Vorlage mit ihrer komisch-krausen Mischung aus Fakten und Fiktion als Anlass für eine satirische Parabel genommen, die den Angriff der Gegenwart auf die Ideale der 68er glossiert. Das macht diesen kurzweiligen Film im Schlussdrittel ein wenig besinnlich, in der ersten Stunde aber ist es eine kurios krachende Komödie, die den kriegerischen Bogen zwischen Viet nam und Irak mit Aberwitz aus Absurdistan spannt.Aus dem Briten Jon Ronson wird im Film der Amerikaner Bob Wilton (Ewan McGregor), der als Journalist in den Krieg zieht, weil sein Verleger ihm die Frau ausgespannt hat. In Kuwait trifft er auf den vermeintlichen Geschäftsmann Lyn Cassady (George Clooney), der sich als Ex-Mitglied der geheimen Esoterik-Einheit New Earth Army entpuppt. Entlang einer Piste nach Irgendwo, wo Geiselnehmer warten, Minen detonieren und Sicherheitsdienste ballern, erzählen Rückblenden die Geschichte dieser Hippie-Truppe, die militärische Stärke aus spiritueller Sanftmut ziehen will. Wie Jeff Bridges als Vietnam-Veteran Bill Django den bezopften Schamanen in Uniform spielt, wie er seiner Spezialeinheit Disko statt Drill verordnet, das ist hinreißend komisch irgendwo zwischen ,,Dr. Seltsam" und ,,The Big Lebowski". George Clooney setzt zu seinem Schnurrbart einen stechenden Blick auf und erinnert dabei an den guten alten Comichelden ,,Mandra, der Magier", wobei dieser Lyn Cassady immer gleichzeitig Scharlatan und Medium, Blender und Büßer ist: Er kann mit einem Blick Ziegen töten, doch er hypnotisiert lieber Wolken. Kevin Spacey, der vierte Star in diesem aufgekratzten Ensemble, darf den Spaßverderber spielen: Sein Larry Hooper war einst der Spalter der New-Age-Armee und ist nun der Leiter eines Psychoterrorkommandos, das mit Psyc abgekürzt wird, was sich im Englischen so ähnlich wie ,,sick", krank, anhört. Und tatsächlich betreibt Hooper für die US-Armee Folter mit Stroboskoplicht und Dauermusikberieselung. Die Truppe um den stets auch politisch aktiven Clooney zielt in die Realität, auf Folter-Gefängnisse wie Abu Ghraib und schlägt dabei mit Ironie noch einmal die Schlacht der Blumenkinder. Angesichts der betrüblichen Gegenwart vergeht dem Film gegen Ende die lustige Nostalgie. Bushs Krieg gegen den Terror hat die Ideale der 68er pervertiert, lautet die Anklage. Der Film wehrt sich clever mit den Mitteln der Komödie und setzt auf psychedelische Kriegsführung, treibt die Wüstenkrieger mit LSD zur Kapitulation vor der Lächerlichkeit. Ein schöner kleiner Triumph.Ab zwölf Jahren.
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