Clowns eignen sich durchaus auch als Horrorgestalten. Man denke nur an Stephen Kings Roman „Es“ oder an Batmans Gegenspieler „Joker“. In Alex de la Iglesias Polit-Groteske „Mad Circus“, die im faschistischen Spanien der Franco-Zeit zwischen 1937 und 1973 spielt, stehen ebenfalls zwei Clowns im Mittelpunkt, die alles andere als lustig sind.
Der traurige Harlekin-„Weißclown“ Javier (Carlos Areces) verliebt sich in die nymphomane Trapezkünstlerin Natalia (Carolina Bang), die von ihrem Mann, dem Clown Sergio (Antonio de la Torre), einem gewalttätigen Psychopathen, regelmäßig verprügelt wird. Javier, dessen Vater ebenfalls Clown war, sich als Zwangsrekrutierter mit Macheten durch Francos Truppen metzeln musste und später zur Strafe als Zwangsarbeiter kaputtschuftete, ist durch seine Familiengeschichte traumatisiert. Das für ihn desaströs endende Zusammentreffen mit dem Sadisten Sergio lässt ihn vollends in die Psychose abgleiten: Er entstellt sich selbst, mutiert zum irren Rache-Clown im Bischofskostüm und startet schwer bewaffnet einen Amoklauf zur Befreiung von Natalia.
„Mad Circus“, der Parallelen zu Tod Brownings „Freaks“ und Alejandro Jodorowskys „Santa Sangre“ aufweist, heißt in Anspielung auf einen 1971 gedrehten spanischen Clown-Film im Original „Balada triste de Trompeta“ – eine Schlüsselszene daraus ist auch bei de la Iglesia zu sehen – und ist tatsächlich auf makabre Weise traurig. Er wurde beim Filmfestival in Venedig unter dem Vorsitz von Quentin Tarantino für die beste Regie und das beste Drehbuch ausgezeichnet.
Der ernste historische Hintergrund will zwar nicht so ganz zur trashig-schrillen Inszenierung passen, die mit derben Splatterszenen, allerlei grotesken Details und einem an „King Kong“ erinnernden Showdown auf Francos von Zwangsarbeitern zwischen 1940 und 1958 errichtetem „Nationalmonument des Heiligen Kreuzes im Tal der Gefallenen“ aufwartet. Andererseits ist dies aber vielleicht auch gerade eine adäquate Form, um sich am Faschismus abzuarbeiten – indem man ihn als absurde Karnevalsveranstaltung mit fratzenhaft-entstellten Protagonisten und einem bösen Ende brandmarkt.
Ab 18 Jahren.
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„Mad Circus“
Clowns eignen sich durchaus auch als Horrorgestalten
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