Akademia Platanos heißt der Athener Stadtteil: Platons Akademie. In den Ohren eines Touristen klingt das nach großen Denkern und alten Denkmälern. Doch der kleine Platz, auf dem Kioskbesitzer Stavros und seine drei Kumpel bis zum Geschäftsschluss hocken, verrät nichts vom großen Erbe der Griechen. Das nörgelnde Quartett wirkt eher wie ein Mahnmal der Selbstzufriedenheit, und der Film des in Berlin lebenden Griechen Filippos Tsitos kommt daher wie die Tragikomödie zur Lage einer Nation in der Krise.Als alt gewordene Rebellen schwadronieren Stavros, Nikos, Argyris und Thymios über Rock, reißen Bauzäune ein, bolzen in der Straße und dösen immer wieder ein. Als Krämer ohne Kundschaft staunen sie über die wuseligen Chinesen, die vis-à-vis italienische Mode verkaufen wollen. Als selbstständige Arbeitslose verhöhnen sie die albanischen Gastarbeiter, die jede Arbeit annehmen und nun auch noch mitten auf dem kleinen Platz ein Denkmal der interkulturellen Solidarität errichten. Das geht den vier Nichtsnutzen gegen den Nationalstolz.Diese holzschnittartige Farce bildet den satirischen Hintergrund für eine griechische Identitätskrise, deren Schwermut so lakonisch daherkommt, als hätte es Aki Kaurismäki ins trostlose Athen verschlagen. Antonis Kafetzopoulos würde mit seiner halblangen Mähne und der kauzigen Verbitterung denn auch gut einen traurigen Finnen abgeben: Verlassen von seiner Frau pflegt der schlaflose Stavros seine geistig umnachtete Mutter (Titika Saringouli), die ihn bisweilen mit Figuren aus ihrer türkischen Lieblingssoap verwechselt. Als aber eines Tages der albanische Gastarbeiter Marengelen (Anastas Kozdine) in der Tür steht, erwacht die dämmrige Dame zu neuem Leben, spricht plötzlich fließend Albanisch und begrüßt den Fremden als verlorenen Sohn. Mag sein, dass Stavros nun einen Bruder gewonnen hat, zugleich aber droht er als verkappter Albaner, seine Heimat zu verlieren. Filippos Tsitos spürt diesem Dilemma in einer Mischung aus Mitleid und Missbilligung so verhalten nach, dass man ihm einen kräftigeren Zugriff wünscht. Doch es ist allein der kesse Witz der Greisin, der das Denkmal einer Krise sanft erschüttert. Dabei bilden sich feine Risse in der versteinerten Schwermut dieser Griechen.
Ohne Altersbeschränkung. Mehr dazu unter www.kleinewunderinathen.de. Mehr Videos zum Thema Kino:Trailer zu den aktuellen Filmen sowie Interviews, Filmausschnitte und mehr gibt es im Video-Center von ,,Echo Online".

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