Wer nette Nachbarn hat, braucht keine Feinde mehr. Der freundliche Hinweis auf die unansehnliche Hausfassade, der Zaun, der die Grundstücksgrenze überschreitet, das Straßenfest, das gruppendynamisch gefeiert werden will - da kann jederzeit ein Krieg ausbrechen. Dennoch würde nicht jeder Spießer soweit gehen wie Mister Spencer: Der junge Ehemann von nebenan sieht in seinen Nachbarn Mörder, die es auf ihn abgesehen haben. Diese Paranoia ist eine Berufskrankheit, denn Spencer war selbst jahrelang Auftragskiller, bis er Jen geheiratet hat, die wiederum von seinem Vorleben nichts weiß Die Geschichte von Autor Bob de Rosa hat das Zeug zu einer scharfen Suburbia-Satire. Doch diese Herausforderung ignoriert Regisseur Robert Luketic in seiner Komödie ,,Kiss and Kill" über weite Strecken, beschränkt sich auf eine kleine Vorgarten-Rallye und Geballer zwischen Wohn- und Schlafzimmer. Zwar müssen einige Nachbarn sterben, doch zielt der Witz nicht auf die Biedermänner. Die Action ist hier nur ein Knalleffekt für die Romanze.Jen, goldige Tochter aus reichem Haus, trifft Spencer, den Mörder mit Modelfigur beim Urlaub in Nizza: Sie hat ihre Eltern im Genick, er hat kein Oberteil an. Ein Hollywood-Traumpaar aus der zweiten Reihe: Katherine Heigl (,,Grey's Anatomy") soll als neue Julia Roberts vermarktet werden, wirkt hier aber eher wie die Doris Day von morgen: blond, brav und von hausbackenem Liebreiz. Ashton Kutcher trägt gerne das Handtuch dekorativ um die Hüfte und wirkt ansonsten als schwer bewaffneter Schwiegermutterschwarm wie James Bonds netter Neffe. Spätestens beim ersten Ehestreit geraten Heigl und Kutcher an ihre schauspielerischen Grenzen. Mit Veteranen der Geschlechterkampfkomödie wie Spencer Tracy und Katharine Hepburn können sie es nicht aufnehmen, und den Glamour des Superstarpaars Brangelina als Agenten unter der Haube in ,,Mr und Mrs Smith" verstrahlen sie auch nicht. Mit Tom Cruise und Cameron Diaz jedoch, die ihren Action-Flirt zurzeit unter dem Titel ,,Knight and Day" parallel im Kino aufführen, können sich Heigl und Kutcher allemal messen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sie Verstärkung von Tom Selleck (,,Magnum") und Catherine O'Hara erhalten: Er gibt Jens grummeligen Vater mit Schrotflinte und Marines-Ausbildung, sie die Mutter als lustige Alkoholikerin. Recht spät werden die paramilitärischen Schläfer in der Nachbarschaft geweckt. Bis dahin setzen die Schwiegereltern dem jungen Paar mit fürsorglicher Neugier zu, was der größere Spaß ist.Das Familienleben ist eben ein ganz besonderer Nahkampf, für den Killer nicht ausgebildet sind. Bezeichnend für den Sexappeal dieses Lustspiels aus dem bürgerlichen Heldenleben ist es denn auch, dass es Spencers größte Husarenstück bleibt, die beschwipste Jen mit dem Messer aus ihrem atemberaubenden Abendkleid herauszuschneiden, woraufhin das Fräulein so dankbar einschläft, als wäre der Killer ein Liebestöter. Ab zwölf Jahren. Mehr dazu unter www.kisskill.kinowelt.de
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