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13. November 2009 Von Jenny Kim Geyer

„Kapitalismus – Eine Liebesgeschichte“

Mit faulen Tricks zum Wachstum – Michael Moore prangert dieWirtschaft an

| Vergrößern | In einer Szene des Films 'Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte' erklaert Michael Moore die New Yorker Boerse zum Tatort Foto: concorde film


Seinen neuen Film kündigt der Filmemacher Michael Moore fulminant als Höhepunkt und Summe seiner bisherigen Arbeiten an. Er knüpft damit an seinen ersten großen Erfolg an: „Roger and me“ aus dem Jahr 1989 dokumentiert Moores drei Jahre dauernde Versuche, mit Roger Smith, dem Vorstandsvorsitzenden von General Motors (GM), einen Interviewtermin zu bekommen. Smith war in den Achtzigern für die Umstrukturierung des Konzerns und damit für die Schließung mehrerer Werke in Moores Heimatstadt Flint und für die Entlassung von tausenden Arbeitern verantwortlich. Flint erholte sich seitdem nicht mehr von der hohen Arbeitslosigkeit.

Wie ist die Situation in den USA 20 Jahre später? Auf der Suche nach der Antwort versucht sich Moore an einer Systemkritik. Und lässt die Zuschauer Zeuge von Hausent eignungen und Zwangsversteigerungen werden, die 2008 in Amerika immer groteskere Züge annahmen. Wie in seinen vorherigen Filmen wählt er den Interview- und Dokumentarstil. Vielleicht wird man auch bei diesem Streifen fragen müssen, ob alle Aufnahmen echt waren. Bemängeln kann man sicherlich seine suggestiven Fragen – am Anliegen und Potenzial des Films ändert das nichts.

Moore beginnt bei Zwangsräumungen, lässt sich den Kapitalismus erklären und landet schließlich bei der Bankenkrise. Sein unnachahmlich verständnisloser Blick, als es um dubiose Bankgeschäfte geht, verfehlt seine Wirkung nicht. Dabei schwingt im Hintegrund die Frage mit, welchen Preis Amerika für sein Wirtschaftssystem zahlt. Der Lohn ist der persönliche Profit. Und sei er noch so kurzfristig, egal ob bei Groß- oder Geringverdienenden, das ist der bittere Beigeschmack. Zwar zeigt Moore am Beispiel genossenschaftlich geführter Firmen, dass es anders geht. Doch die Geschichte einer Chicagoer Fenster- und Türenfirma spricht eine andere Sprache. Im Dezember 2008 entließ das Unternehmen seine 250 Mitarbeiter, ohne einen Cent Abfindung zu zahlen – angeblich, weil der Kreditrahmen ausgeschöpft war. Die Angestellten besetzten daraufhin den Betrieb. Bevor es zu einem größeren Aufstand kam, entschied sich die Firma mit Hilfe zweier Kreditinstitute, die beide zuvor große Summen aus dem Bankenrettungsfonds erhalten hatten, jedem Mitarbeiter 6000 Dollar zu zahlen. Damit waren die kurzfristigen Probleme der Angestellten gelöst, doch die Idee, das Werk als Genossenschaft weiterzuführen, war ebenfalls vom Tisch.

Womit sich der marxistische Grundsatz aufdrängt, dass es für eine gerechtere Wirtschaftsform doch erst den „neuen Menschen“ geben müsste. Doch soweit geht Moores Forderung freilich nicht. Immer wieder streut er provokante Aktionen ein, etwa wenn er das New Yorker Bankenviertel mit Flatterband absperrt. Ernst wird er beim Thema „Toter-Bauer-Versicherung“, die amerikanische Firmen auf den frühzeitigen Tod ihrer Angestellten abschließen. So verdiente Walmart über eine Million Dollar, als eine Mitarbeiterin starb. Die Angehörigen erhielten nichts von dem Geld und erfuhren nur zufällig von der Police.

Skandalös ist die personelle Verstrickung der Bank Goldman Sachs mit dem amerikanischen Finanzministerium, prekär die Entlohnung amerikanischer Piloten.

Moores neustes Werk ist sehenswert. Da sträuben sich die Nackenhaare, und der Zuschauer überlegt, ob er lachen oder weinen sollte. Denn eine Alternative hat auch Moore nicht parat.


Ab sechs Jahren.

Mehr dazu unter www.kapitalismus-derfilm.de

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