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02. Dezember 2011 Von Kirsten Liese

„Jane Eyre“

Cary Joji Fukunaga verfilmt den Romanklassiker von Charlotte Brontë mit Sinn für die poetische Sprache

| Vergrößern | Wie in einem Gemälde: Mia Wasikowska spielt Jane Eyre, eingebettet in Landschaften, die an romatische Kunst erinnern. Foto: Tobis


„Ich muss versuchen, gesund zu bleiben und nicht zu sterben“, entgegnet die kleine Jane mit ernster Miene einem verdatterten Pastor auf seine Frage, was sie tun müsse, um nicht in die Hölle zu kommen. Es ist diese spontane, couragierte, direkte Art, die nicht nur ihrem späteren Arbeitgeber Edward Rochester imponieren wird, sondern bis heute auch Leser des 1847 veröffentlichten Romans der Britin Charlotte Brontë beeindruckt.
Schon über 20 Mal wurde dieser literarische Klassiker verfilmt. Allemal respektable Adaptionen darunter gelangen 1942 Robert Stevenson nach einem Drehbuch von Aldous Huxley mit Joan Fontaine und Orson Welles in den Hauptrollen sowie 1996 Franco Zeffirelli mit Charlotte Gainsbourg. Angesichts eines solchen Überangebots kann zwar von einem Bedarf an einer weiteren Verfilmung kaum die Rede sein. Gleichwohl hat sich die Investition für die jüngste „Jane Eyre“-Produktion gelohnt, hat doch Regisseur Cary Joji Fukunaga den Lebens- und Leidensweg der Heldin mindestens so überzeugend in Szene gesetzt wie seine berühmten Vorgänger. Sehr sensibel auf unterschiedlichen Zeitebenen, die er geschickt verzahnt, erzählt er vom dornenreichen Lebensweg einer Frau, die tapfer um ihre Integrität, persönliche Freiheit und gesellschaftliche Anerkennung kämpft. Es beginnt mit einer entbehrungsreichen Jugend als Waisenkind, geprägt von fehlender Liebe, körperlichen Misshandlungen und Ungerechtigkeiten. Als junge Erwachsene tritt Jane (Mia Wasikowska) als Hauslehrerin in die Dienste des finsteren Rochester (Michael Fassbender), der sie mit seinem unberechenbaren Verhalten verwirrt. Bald scheint das Glück der Liebe in greifbare Nähe zu rücken. Doch merkwürdige Vorkommnisse im Schloss lassen ahnen, dass Edward ein dunkles Geheimnis hütet.
Ein wichtiges Qualitätsmerkmal dieses Films ist seine stilsichere Inszenierung. Fukunaga hält sich in der englischen Originalversion an den Rhythmus von Brontës poetischer Sprache. Auch ist zu spüren, dass er genauestens über die viktorianische Zeit recherchiert hat. Von überwältigender Schönheit sind auch die Bilder – verregnete, karge Landschaften, die mit ihren Weiten, dem tiefen Himmel und wechselnden Stimmungen an Gemälde des englischen Romantikers John Constable erinnern.
Vor allem aber verdienen die großartigen Schauspieler Beachtung. Der Australierin Mia Wasikowska nimmt man alle Facetten ihres vielschichtigen Charakters ab: ihren Stolz, ihr Selbstbewusstsein, ihre jugendliche Verliebtheit ebenso wie Selbstdisziplin und eine gewisse Härte gegen die eigene Person. Und der mehr und mehr zum Topstar aufsteigende Michael Fassbender verbindet auf grandiose Weise Grantigkeit mit Charisma. Schon wie die beiden es fertigbringen, es zwischen reichlich spröden Figuren knistern zu lassen, macht diese neue „Jane Eyre“ sehenswert.

Ab zwölf Jahren.


Mehr dazu auf www.janeeyre.de.





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