Es war Orson Welles' erster großer Erfolg: seine bahnbrechende Neuinszenierung von Shakespeares ,,Julius Cäsar" an dem von ihm gegründeten Mercury Theatre in New York. Heute wissen nur noch wenige etwas über diese Produktion aus dem Jahre 1937. In Erinnerung blieb uns Welles, der damals gerade 22 Jahre alt war und sich selbst als Cäsars Mörder Brutus besetzte, mit Filmklassikern wie ,,Citizen Kane", ,,Der dritte Mann" oder ,,Moby Dick". Das historische Theaterereignis bildet die Folie für Richard Linklaters Film ,,Ich & Orson Welles". Erzählt wird die fiktive Geschichte des siebzehnjährigen Schülers Richard (Zac Efron), der von einer Schauspielerkarriere träumt und durch Zufall die Chance erhält, in der kleinen Partie des Lucius engagiert zu werden. Die Proben verlaufen chaotisch, denn die meiste Zeit verbringt man wartend auf Orson, der jedem Rock hinterherjagt und keinerlei Kritik an seiner Person zulässt. Zur verhängnisvollen Wendung kommt es, als der Teenager mit dem großen Meister um die Zuneigung der schönen Regie-Assistentin Sonja (Claire Danes) konkurriert. Gegen das herrische Genie hat das unbedarfte Greenhorn schlechte Karten. Mit seinem ehrlichen, weitgehend authentischen Blick hinter die Kulissen des damaligen Theaterbetriebs und seinem markanten Porträt des großen Mimen Orson Welles ist ,,Ich & Orson Welles" zweifellos vielversprechend angelegt. Zumal der Brite Christian McKay das Original so verkörpert, wie es tatsächlich gewesen sein muss: als einen ebenso despotischen wie charmanten, geltungssüchtigen Egomanen, der seine künstlerischen Ziele auf Kosten anderer verfolgte. Doch entwickelt Linklater aus solchen Charakterschwächen kein großes Drama. Darin liegt die Schwäche dieses Films, der wenig zu erzählen hat und in den konfliktreichen Szenen zu harmlos wirkt.Am Ende läuft alles auf die banale Erkenntnis hinaus, dass die Unterhaltungsbranche viele naive Jungtalente zerrieben hat. Ab zwölf Jahren.
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