Eben war Roger Greenberg (Ben Stiller) noch Mitte zwanzig, jetzt ist er Anfang vierzig und auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Irgendwo in seinen Dreißigern muss der verhinderte Medizinstudent und gescheiterte Musikrebell das Leben verpasst haben. Nach Nervenzusammenbruch und Klinikaufenthalt kommt der Verlegenheitsschreiner von New York nach Los Angeles, um Haus und Hund seines reichen Bruders zu hüten, der wiederum seine Haushälterin angewiesen hat, Haus, Hund und Hilfs-Herrchen zu betreuen. Florence (Greta Gerwig) ist schon auf dem langen Anlauf in jene Midlife-Krise, die Roger gerade beutelt: Die große Liebe ist gescheitert, das Collegestudium war umsonst, die Singerei in leeren Bars hat keine Zukunft. Und die Männer hat sie auch nicht im Griff, sonst würde sie nicht nach kürzester Zeit verkrampft unter dem unbeholfenen Roger zu liegen kommen. Es muss Notstandssex sein: Er hatte mal wilde Träume, sie hat wohl nur noch diffuse Ängste. So bewegen sie sich mal zaghaft, mal zaudernd durch eine Handlung, die den Namen kaum verdient.Wie der New Yorker Autorenfilmer Noah Baumbach da an der amerikanischen Westküste Vertreter zweier Generationen aufeinander prallen lässt, könnte man das für eine ausgemachte Bosartigkeit halten: Florence, die nicht ,,nein" sagen kann, einen verschrobenen Nörgler als launischen Liebhaber aufzudrängen, ist eine fiese Finte des Schicksals, die dem Film schrägen Witz verleiht. Doch Baumbach meint es nur gut. Und so wie Ben Stiller, spinnert jenseits des Klamauks seiner Slapstickerfolge, und Greta Gerwig unverdrossen gegen alle Rückschläge ihre Figuren verteidigen, folgt man als Zuschauer dem willenlosen Treiben dieser romantischen Tragikomödie mit Sympathie. Eigentlich kann das nichts werden mit dem neurotischen Nörgler und dem servilen Seelchen, aber der Film tut so, als wäre die Liebe eine Form von Mathematik, wo die Multiplikation negativer Vorzeichen zu einem positiven Ergebnis führt. Als Zuschauer fühlt man sich dabei milde gestimmt wie einst der Mathelehrer, der noch Punkte für den Rechenweg vergeben hat, obwohl das Ergebnis falsch war. So macht es Noah Baumbach, der sich zu Gunsten seiner Figuren liebevoll verkalkuliert. Ab 16 Jahren.
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