Die bittere Wahrheit vieler Großstadt-Polizeifilme lautet: Im Überlebenskampf zwischen Drogen, Geld, Gewalt und Macht bleibt niemand sauber - auch nicht die Gesetzeshüter. Und so handeln die meisten Cop-Thriller von korrupten Staatsbeamten in Uniform, die sich während ihres Dienstes auf der Straße illegal etwas hinzu verdienen, indem sie ihre Macht missbrauchen und Gesetze brechen.Regisseur Antoine Fuqua hat mit dem Überraschungserfolg ,,Training Day" (2001) bereits eine solche Geschichte erzählt. Darin lernt ein von Ethan Hawke gespielter junger Polizist an der Seite eines korrupten Kollegen auf eindringliche Weise die Schattenseiten der Polizei-Arbeit kennen, entscheidet sich aber letztlich für das Gesetz und bereitet den kriminellen Machenschaften ein Ende.
Zynisch betrachtet, kann man in dem von Hawke verkörperten Familienvater Sal in Fuquas neuem Film ,,Gesetz der Straße" eine negative Weiterentwicklung der Figur aus ,,Training Day" sehen - einen gescheiterten Cop, der seine Prinzipien und Ideale inzwischen längst über Bord geworfen hat. Als Mitglied eines New Yorker Drogen-Sonderkommandos lässt er keine Gelegenheit aus, für sich selbst etwas auf die Seite zu schaffen, und geht dabei auch über Leichen. Schließlich muss er für seine schwangere Frau (Lili Taylor) und seine Kinder ein neues Haus kaufen, das mehr Raum bietet als die schimmelverseuchte Miet-Bruchbude, in der die Familie lebt.
In einer Zwickmühle und einem Gewissenskonflikt befindet sich auch Undercover-Polizist Tango (Don Cheadle), der sich nach jahrelanger Spitzelarbeit unter Kriminellen fast selbst schon zum Verbrecher verwandelt hat und eng mit dem Gangsterboss Caz (Wesley Snipes) befreundet ist, der ihm einst das Leben rettete: Für die lange ersehnte Beförderung und einen ungefährlichen Bürojob soll er einer hartnäckigen Vorgesetzten (Ellen Barkin) Ergebnisse bringen und Caz ans Messer liefern. Der kurz vor der Pensionierung stehende desillusionierte und alkoholsüchtige Streifenpolizist Eddie (Richard Gere) geht dagegen keine unnötigen Risiken mehr ein. Seinen Ruhestand würde er gerne gemeinsam mit einer Prostituierten verbringen, deren bester Stammkunde er ist. Als er eines Abends jedoch beobachtet, wie eine als vermisst geltende junge Frau von brutalen Peinigern in einen Lieferwagen gezerrt wird, entschließt er sich, sie auf eigene Faust zu befreien.Wie sich die Wege der drei Protagonisten am Ende auf schicksalhafte Weise in einem blutigen Albtraumszenario kreuzen, gehört zu den Stärken dieses Krimis, der im Original ,,Brooklyn's Finest" heißt und damit einen unverhüllten Sarkasmus präsentiert. Obwohl weitaus mehr geschossen und gestorben wird als in ,,Training Day" und die schauspielerischen Leistungen ebenbürtig sind, schafft es Regisseur Fuqua allerdings nicht, die Spannung über die kompletten 135 Minuten kontinuierlich zu steigern. Im Gegenteil: Die durch die episodische Erzählform erzeugte Zusammenhanglosigkeit des Ganzen lässt das Finale aufgesetzt wirken. Die Summe der Teile hat daher trotz aller Bitterkeit keinen Mehrwert.Ab 16 Jahren.
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