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15. Juli 2010 Von Dirk Henninger

,,Eclipse: Biss zum Abendrot"

Im dritten Teil der ,,Twilight"-Saga zieht die Spannung an

| Vergrößern | Nur schwärmen, nicht fummeln: Bella (Kristen Stewart) liebt Edward (Robert Pattinson) noch immer sehr keusch. Foto: Concorde


Das Verruchte, Triebhafte und Böse kam einst in Gestalt eines Vampirs aus dem alten Europa mit den Kolonialmächten in die neue Welt nach Amerika. Und nun lebt es in einer europäischen Vampirsippe sowie in bösen Teenie-Blutsaugern aus dem amerikanischen Sündenpfuhl Seattle weiter. Dort hat schließlich der schmutzige Grunge-Rock seinen Ursprung, und es ist auch die Heimat der aufsässigsten Jugendlichen in den USA.

Im Gegensatz dazu ist der bleiche Cullen-Vampirclan, der sich nur von Tierblut ernährt und das Leben einer amerikanischen Vorzeige-Familie führt, über jeden Zweifel erhaben. Und deswegen kann deren altmodisch-romantischer Spross Edward (Robert Pattinson) auch problemlos eine Liebesbeziehung mit dem normalen Mädchen Bella (Kristen Stewart) eingehen.

Dass das Ganze dann doch nicht so reibungslos funktioniert, wird in vier Teenager-Romanen von Stephenie Meyers und in bisher zwei Verfilmungen erzählt, die als ,,Twilight"-Saga weltweit erfolgreich sind. Vor allem der knackige Naturbursche Jacob (Taylor Lautner), der einem indianischen Werwolf-Clan angehört, der seit Jahrhunderten einen Krieg gegen die Vampire führt, steht der Romanze mit Edward im Weg, weil es auch bei ihm gefunkt hat und er Bella für sich beansprucht.

Im neuen Film von David Slade geht es nun um Bellas endgültige Entscheidung zwischen Vampir und Werwolf, um eine Zusammenarbeit beider Clans gegen gemeinsame Feinde - und natürlich auch wieder darum, vorehelichen Teenager-Sex möglichst lange hinauszuzögern. Zur unkeuschesten Annäherung kommt es, als sich Jacob immerhin oberkörperfrei zu seiner Angebeteten in den Daunenschlafsack gesellt. Allerdings geschieht dies nur, weil ihr untoter Vampirfreund keine Körperwärme zu bieten hat und Bella in einem eisig-winterlichen Versteck auf einem Berggipfel vor lauter Gefröstel nicht einschlafen kann. Aber da sie dort in voller Bekleidung und mit Strickmütze nächtigt, bleibt auch diesmal alles nur auf der Knuddel-Ebene.

Da sind die innigen Küsse zwischen Edward und Bella in deren Schlafgemach schon heißer. Aber als beide dann endlich zur Sache kommen wollen, besinnen sie sich schnell wieder, denn ,,es ist gefährlich". Gemeint ist zwar, dass der vampirische Durst auf Menschenblut beim Liebesspiel außer Kontrolle gerät, doch der Subtext könnte kaum direkter formuliert sein. Zumal sich beide auch noch darauf einigen, die Vampirwerdung von Bella nicht ohne eine vorherige Hochzeit anzugehen.

Der Höhepunkt der Peinlichkeiten ist indes erreicht, wenn die von unbeholfenen Aufklärungsversuchen ihres besorgten Vaters genervte Tochter ihm versichert, auf jeden Fall noch Jungfrau zu sein. Da quillt die erzkonservative christliche Ideologie der Mormonin Stephenie Meyers zwischen den Filmbildern hervor wie das Blut aus den Vampiropfern.

Was sich im zweiten Teil noch als melancholisch dramatisiertes Pubertäts-Geschmachte fast unerträglich lange hinzog, läuft nun aber wenigstens recht zielstrebig auf Entscheidungen hinaus: Bella muss zwischen Jacob und Edward wählen und als frischgebackene Highschool-Absolventin die Weichen für ihr zukünftiges Leben stellen. Die äußere Bedrohung durch eine blutrünstig-unkontrollierte Vampir-Armee aus Seattle sorgt derweilen beim Zuschauer für genug Spannung, um den kitschigen Gefühlsreigen ohne Nickerchen durchzustehen. Und vor allem für die männlichen Kinogänger gibt es am Ende auch noch eine zünftige Schlacht, in der die Köpfe der bösen Vampire nur so rollen.

Immerhin da merkt man, dass Regisseur Slade zuvor auch schon den knallhart-blutigen Vampir-Thriller ,,30 Days of Night" inszeniert hat. Echte Vampirfans sollten das Ganze aber trotzdem meiden wie Graf Dracula das Weihwasser - weil ,,Eclipse" und die komplette ,,Twilight"-Saga schlichtweg ein Holzpflock im Herzen des Genres ist.


Ab zwölf Jahren.

Mehr dazu unter http://eclipse.twilight-filme.de

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