Wenn man ihn fragt, was er macht, antwortet er nur: „Ich fahre.“ Und so maulfaul, wie er das sagt, könnte man ihn für einen Schlafwagen-Chauffeur halten. Dabei ist der junge Kerl Stuntman in Hollywood. Aber nur nebenbei, fügt er beiläufig an. Über seinen Zweitjob schweigt er. In Teilzeit fährt der Jüngling ohne Namen Fluchtfahrzeuge. Und er steuert sie so abgebrüht an der Polizei vorbei, als wäre er ein Taxifahrer der Einbrecher und Räuber, die im Fond bei den halsbrecherischen Ausweichmanövern mit der eigenen Panik ringen. Der Driver aber kaut nur auf seinem Zahnstocher, gibt Gas und schweigt. Steve McQueen wäre stolz auf so einen Nachfolger.
Ryan Gosling spielt den Piloten als Phlegmatiker mit Babyface – ob stumpf- oder tiefsinnig, das ist schwer zu sagen. Diese scheinbare Geistesträgheit liegt anfangs auch auf der Inszenierung von Nicolas Winding Refn. Dabei holt hier einer nur tief Luft, um dann einen ganz langen Atem zu entwickeln. Es ist die perfekte Tarnung für einen Film, der untertourig anrollt, um auf halber Strecke ein wahrhaft mörderisches Tempo anzuschlagen. Der Driver muss im Hauptberuf Killer sein, so hart und abgebrüht schlägt er zu.
Dabei lernen wird ihn zunächst als braven Automechaniker und schüchternen Junggesellen kennen. Seine liebliche Nachbarin Irene (Carey Mulligan), die mit kleinem Kind auf die Rückkehr ihres Mannes Standard (Oscar Isaac) aus dem Knast wartet, ist bei der ersten Begegnung nicht minder verlegen. Zu mehr als Händchendrücken kommt es nicht, dann wird der reuige Gangstergatte schon wegen guter Führung entlassen. Viel Zeit zur Eifersucht hat auch Standard nicht, denn Schutzgeld-Eintreiber prügeln ihn mit dem Baseballschläger zu einem Raubüberfall auf ein Pfandleihhaus. Driver bietet seine Hilfe an, doch der Coup gerät zum Desaster.
So wie Nicolas Winding Refn in der Romanze die Entdeckung der Langsamkeit betreibt, so zündet er jede Gewaltszene wie eine neue Raketenstufe. Wie der Driver das Steuer herumreißt, von der dramaturgischen Kriechspur auf die Überholspur des Genres wechselt, das ist mitreißend unkonventionell.
Bis es soweit ist, hat der dänische Regisseur die Großstadtkulisse von Los Angeles perfekt eingerichtet für unterkühlte Neo-Noir-Action: Bryan Cranston spielt den humpelnden Werkstattleiter, dem die Mafia einst das Becken gebrochen hat. Albert Brooks ist der ehemalige Filmproduzent, der kriminell reich geworden ist, Ron Perlman ein Italo-Gangster mit grotesk großer Klappe. Zunächst scheinen sie sich alle nur für schnelle Autos zu interessieren. Wie gefährlich all diese Figuren sind und leben, das zeigt Nicolas Winding Refn auf den zweiten Blick mit lakonischem Gestus und ökonomischer Dramaturgie.
Einen Führerschein hat der Däne nach eigenem Bekunden nicht. Und wenn er so fährt, wie er inszeniert, dann will man auch lieber nicht in seinen Wagen steigen. In seinem Kino jedenfalls muss man sich anschnallen.
Ab 18 Jahren.
Mehr dazu auf www.drive-movie.com.
Mehr Videos zum Thema Kino:
Trailer zu den aktuellen Filmen sowie Interviews, Filmausschnitte und mehr gibt es im Video-Center von „Echo Online“.

Merken
|


















