Brad Pitt verkörpert den Sportmanager Billy Beane, der seit 1997 das Major-League-Baseball-Team der Oakland Athletics führt. Ende der Achtziger war ihm als Spieler der ganz große Durchbruch in der Major League nicht geglückt, als Strippenzieher aber entwickelte er vor zehn Jahren ein System, wie man mit bescheidenem Millionen-Budget auch gegen die Giganten der Branche bestehen kann. Der Sportfilm „Moneyball – Die Kunst zu gewinnen“ ist mithin vor allem ein Wirtschaftsabenteuerfilm.
Jonah Hill spielt den pummeligen Yale-Absolventen Peter Brand, der Baseball als Hirnsport betreibt. Er setzt auf unterbewertete Spieler, deren Stärken verkannt werden. Kombiniert man die Mittelmäßigen ideal, dann lässt sich ein Spitzenteam zum Schnäppchenpreis formen. Der Star ist das System. So die Theorie, für die sich Boss Beane begeistert – gegen den Widerstand von Trainer, Scouts und Beratern.
Regisseur Bennett Miller („Capote“) führt Pitt und Hill als komisches Gespann vor: Der kleine Dicke und der große Laute werden anfangs nicht für voll genommen. Doch tatsächlich gelang es 2002, nachdem Oakland mal wieder alle seine Stars an die Konkurrenz verloren hatte, ein Underdog-Team aus Losern und Nobodys zu formen, das es dank einer enormen Siegesserie bis in die Endspiele schaffte.
Michael Lewis, dessen Biografie des sozial minderbemittelten Footballspielers Michael Oher 2009 zur Vorlage des Films „The Blind Side“ wurde, schrieb bereits 2003 das Buch „Moneyball“, in dem er Beanes Erfolg analysiert. Die Drehbuchautoren Aaron Sorkin und Steven Zaillian haben diese Vorlage in ein Skript verwandelt, das der Faszination des Sports nach Zahlen nachspürt. In den USA, wo das Wesen der Sportstatistik enorm ausgeprägt ist, gewiss ein dankbares Thema.
Wem weder das Duell von Pitcher und Batter noch die US-Sporthistorie der jüngeren Vergangenheit vertraut ist, dem bleibt doch immerhin ein aufschlussreiches Porträt einer erzkapitalistisch organisierten Unterhaltungsindustrie. Brad Pitt gibt eine schillernde Figur ab als moderner Menschenhändler, der am Telefon Verträge aushandelt, wie Broker Aktien ordern. Spielerkäufe absolviert er fernmündlich in sechs Sekunden, fürs Feuern braucht er unter vier Augen zehn Sekunden. Mit den Füßen auf dem Tisch, ist er ein Business-Macho, der seinem Statistik-Adlatus fingerschnippend das Wort erteilt.
Dass er als gescheitertes Sporttalent mit seiner Spieler-Karriere hadert, erfahren wir in Rückblenden. Dass er als gescheiterter Ehemann und Vater ein weiches Herz für seine kleine Tochter hat, ist Stoff für sanfte Zwischenspiele. Und dass er Angst vor der eigenen Courage hat, merken wir daran, dass der Sportdirektor sich die Spiele seines Teams nicht live ansehen kann. Ansonsten spielt Pitt einen coolen Choleriker, der mit Schlägern und Stühlen um sich wirft. Dies macht er so überzeugend, dass all die charakterlichen Defizite stets erstaunlich vorteilhaft wirken.
Von dem Sport, den er vertritt, kann man das nicht behaupten. Wer nicht als Baseball-Fan ins Kino kommt, der mag als Baseball-Verächter herauskommen. Was muss das für eine statische Art der Leibesertüchtigung sein, die sich derart in Formeln fassen lässt? Und was ist das für eine unmenschliche Liga, wo der Athlet zur statistischen Größe schrumpft? Dieser Eindruck mag nicht im Sinne der Macher sein, aber er verleiht dem „Moneyball“-Geschäft eine abstoßende Faszination.
Ohne Altersbeschränkung.
Mehr dazu auf www.die-kunst-zu-gewinnen.de.
„Die Kunst zu gewinnen - Moneyball“
Ein Stück Sportgeschichte: Baseball-Manager formt Schnäppchen-Team
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