Es ist ein Ringen um jeden Satz. Seit mehr als 60 Jahren beschäftigt sich Swetlana Geier mit den Möglichkeiten und Grenzen literarischer Übersetzungen vom Russischen ins Deutsche. Akribisch dröselt sie die Texte auf, prüft jedes Wort, wägt ab. Sie übersetzt nicht von links nach rechts, sondern ,,mit der Nase hoch", was bedeuten soll, dass sie sich den Text verinnerlicht, so lange bis sie nicht mehr die einzelnen Sätze, sondern den Charakter des ganzen Buches erfasst hat. Man muss diesen Film gesehen haben, um eine Ahnung von diesem Prozess zu bekommen, von der unerhörten Leidenschaft, mit der sich die Fünfundachtzigjährige an die Arbeit macht.Geiers besondere Liebe gilt Dostojewski, dessen Klassiker sie ihre ,,5 Elefanten" nennt. Einer davon, einst unter ,,Schuld und Sühne" geführt, trägt nach Geiers profunder Arbeit, den Titel ,,Verbrechen und Strafe". Vadim Jen dreyko erzählt von dem schicksalhaften Leben dieser Frau, ist mit der Kamera dabei, wenn sie sich die Texte vorlesen lässt, um den Klang besser zu erspüren, und begleitet sie auf einer Reise in ihre ukrainische Heimat. Seit 1943, als sie Kiew mit den deutschen Truppen verließ, war sie in dieses Land nicht mehr zurückgekehrt. Für den Film hat sie sich doch noch einmal dorthin aufgemacht. Kindheit und Jugend sind von Stalinismus und Nationalsozialismus geprägt, von Entbehrungen und Vertreibung. Swetlana Geier hat aber auch Glück im Unglück: Weil sie die deutsche Sprache beherrscht, wird sie während Hitlers Besetzung als Dolmetscherin eingesetzt. Sie geht mit den Deutschen, studiert und heiratet. Nach der Scheidung zieht sie alleine zwei Kinder groß, führt ein für die Sechziger selten unabhängiges Leben als Frau. Die Aufnahmen sind sehr persönlich, zeigen die Furchen des Lebens, viel Schmerz, aber auch Freude. Die Augen dieser faszinierenden Persönlichkeit sprühen immer noch voller Lebensfreude und Energie. Auch in Zukunft wird sie sich ihre ,,5 Elefanten" wieder vornehmen, denn ,,ausschöpfen", sagt sie, ,,kann man diese Texte nicht, selbst wenn man sie wie ich zweimal übersetzt hat. Darin liegt die hohe literarische Qualität."
Ab sechs Jahren.
Mehr dazu unter www.5elefanten.ch Mehr Videos zum Thema Kino:Trailer zu den aktuellen Filmen sowie Interviews, Filmausschnitte und mehr gibt es im Video-Center von „Echo Online“.

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