Herr Fuchs hat's geschafft. Aus dem Hühnerdieb ist ein Zeitungskolumnist geworden, sein Erdloch hat er gegen ein Haus im Baum getauscht. Herr Fuchs trägt jetzt Jackett und Krawatte, doch manchmal kommt ihm immer noch die Natur. Dann fällt er über das Federvieh her, und in dem nostalgisch anmutenden Trickfilm flackert für Sekunden der Horror des ungezähmten Lebens auf.
Der texanische Autorenfilmer Wes Anderson, bekannt für skurrile Familiendramen wie ,,Die Royal Tenenbaums" und ,,Darjeeling Limited", hat in seinem ersten Animationsfilm nach einem Kinderbuch des walisischen Autors Roald Dahl das gute alte Stop-Motion-Verfahren verwendet: Bild für Bild wird eine Figur leicht verändert, bis eine Bewegung entsteht. Es ist ein Trick so alt wie das Kino selbst, entsprechend eckig wandeln die Puppen durchs Bild, entsprechend seltsam flirrt nicht nur das Fell des Fuchses. Man könnte das heute am Computer viel geschmeidiger gestalten, doch gerade das Unvollkommene macht den Reiz dieser Methode aus. Anderson hat mit englischen Trickspezialisten gearbeitet, die bereits mit Tim Burton ,,Corpse Bride" und ,,Coraline" gedreht haben. Anders als in diesen surreal schimmernden Gothic-Märchen kommt die Fabel vom fantastischen Fuchs vor einem gelb-braunstichigen Panorama ohne Grüntöne daher wie ein Artefakt aus den Fünfzigern. Es sind Landschaften und Städtchen, durch die auch die Knetfiguren Wallace und Gromit brausen könnten. Wes Anderson und Ko-Autor Noah Baumbach (,,Greenberg") haben die dünne Vorlage aus dem Jahr 1970 weiterentwickelt, erzählen nun auch von den Rissen in der Familie Fuchs. Der Vater ist ein smarter Aufsteiger, Sohn Ash ein trotziger Außenseiter ohne Selbstvertrauen, Neffe Kristofferson ein forsches Füchslein nach dem Geschmack von Papa Fox. Beraten von einem Dachs und begleitet von einer Beutelratte, plündern die Tiere die Höfe von drei Bauern, bis es zum Krieg der Farmer gegen die Räuber kommt. Die Tiere gehen in den Untergrund, was ein beredtes Bild ist für den Existenzkampf von Kreaturen, die als zivilisierte Kulturfolger letztlich doch ihren Trieben gehorchen. Wes Anderson hat für Roald Dahls Figuren die richtige Technik und den passenden Stil gewählt.So lieblich das alles ausschaut, so verstörend ist es doch auch.
Ab sechs Jahren.
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