,,Das Vaterspiel"
Zwischen Hass und Schuldgefühlen
Gewalthaltige Computerspiele helfen beim Aggressionsabbau. Zumindest auf den Wiener Langzeitstudenten Rupert Ratz (Helmut Köpping) trifft das zu. Er hat sich aus lauter Hass auf seinen Erzeuger (Christian Tramitz), einem linken Politiker, der seine Ideale verraten hat, sogar ein eigenes Egoshooter-Spiel programmiert. Damit ballert er regelmäßig virtuelle Vaterfiguren nieder, die dutzendweise wie seelenlose Zombies auf ihn zurennen.Als die fast vergessene Studienfreundin Mimi (Sabine Timoteo) aus New York anruft, um Ruperts Hilfe als Wohnungsrenovierer in Anspruch zu nehmen, ist das für den jungen Österreicher zugleich eine Chance, Verkaufsgespräche mit amerikanischen Computerspiel-Distributoren zu führen. Vor Ort wartet allerdings eine Überraschung: Die Renovierungsarbeiten dienen dazu, eine verborgene Kellerwohnung im Haus von Mimis Großmutter zu sanieren, in dem sich seit Jahrzehnten der Großvater versteckt, ein litauischer Ex-Nazi und gesuchter Kriegsverbrecher.Rupert verweigert sich jedoch nicht und lässt sich auf die Situation ein. Obwohl Angehörige seiner Familie während der Nazizeit im Konzentrationslager waren, verrät er das Versteck nicht und entwickelt sogar eine freundschaftliche Beziehung zu Mimis wortkargem Großvater, der ihm irgendwie sympathisch erscheint.Damit die Kriegsverbrechen nicht ausgeklammert werden, gibt es eine weitere Handlungsebene, die 1959 in Ludwigsburg spielt und sich um einen Mann (Ulrich Tukur) dreht, der in einem Justizgebäude seine Jugenderinnerungen aus Litauen zu Protokoll gibt. Es ist der Sohn eines Juden, der 1941 hilflos mitansehen musste, wie sein Vater von Mimis Großvater verhaftet und zu Tode geprügelt wurde.Der österreichische Regisseur Michael Glawogger, der für so unterschiedliche Filmprojekte wie die Dokumentation ,,Workingman's Death" und die Kifferkomödie ,,Contact High" verantwortlich zeichnete, hat mit ,,Das Vaterspiel" den gleichnamigen Roman von Josef Haslinger verfilmt. Die deutsche Produktion widmet sich familiären und moralischen Abgründen, ohne jedoch psychotherapeutische oder vergangenheitsbewältigende Ansätze zu bieten.Im Gegenteil: Indem Glawogger weder eine konkrete Haltung zu seinen Figuren einnimmt noch sie in irgendeiner Weise verurteilt, sondern die Geschichten auf nahezu dokumentarische Weise erzählt, kann man seinem Film vorwerfen, zu oberflächlich zu bleiben und die brisanten Themen zu verharmlosen.Gerade diese ungewöhnliche Vorgehensweise wirkt aber wie ein Verfremdungseffekt, der vermeintlich klare Positionen in Frage stellt und somit neue Denkprozesse bezüglich Themen wie Gesetz, Moral, Politik, Vergebung, Gerechtigkeit, Schuld und Sühne anregt. Außerdem wird damit gleichzeitig eine (Selbst-)Reflexion über das Verhältnis der nachgewachsenen Generationen zu Untaten aus der Vergangenheit gefördert - umso mehr, wenn sie von eigenen Familienmitgliedern begangen wurden.
Ab 16 Jahren.
Mehr dazu unter www.dasvaterspiel.de
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