Mit Hingabe saugt Sebastian seiner Pia am Strand das Gift eines Seeigels aus dem Fuß. Da weiß die junge Frau: Das ist der Mann fürs Leben. Er muss geheiratet werden, am besten bald. Sebastian sieht das genauso. Also organisiert das Paar (gespielt von Lisa Bitter und Marian Kindermann) die Hochzeit. Daniel (Martin Aselmann), ein Freund des Bräutigams, hält alles auf einem Hochzeitsvideo fest. Dieses ist der Film, den Erfolgsregisseur Sönke Wortmann dem Kinopublikum präsentiert: unzensiert, ungeschnitten und nur mit zwei Camcordern aufgenommen.
Der Zuschauer ist immer dabei: Beim Junggesellenabschied mit der obligatorischen Stripperin, bei der Kneipentour der Mädels, die nach einem Radikalbesäufnis auf dem Polizeirevier endet und natürlich bei der Hochzeitsfeier. Schauplatz der Feierlichkeiten ist ein ländliches Schlosshotel. Drei Tage vor der Trauung treffen sich dort Freunde und Familien. Die meisten sehen sich zum ersten Mal.
Angesichts der Hippie-Eltern der Braut bekommt die adlige Spießersippe des Bräutigams einen Schock. Pias Mutter hält ihren zukünftigen Schwiegersohn für einen „wandelnden Bausparvertrag“ und kann nicht verstehen, was ihre Tochter, die immer auf Gitarristen und Kiffer stand, an ihm findet. Dann taucht noch Pias Verflossener Carlos (Simon Eckert) auf, der als „Carlos die Keule“ Pornofilme dreht.
Das sollten genug Konflikte und Witzigkeiten für eine halbwegs gute Komödie sein. Das klappt aber nicht so ganz. Es fängt schon damit an, dass ständig Dinge wie „Das wird aber rausgeschnitten“ und „Nein, nicht vor der Kamera“ zu hören sind. Aber die Personen erzählen trotzdem weiter. Erst macht die Braut ein Geheimnis aus ihrer Ex-Beziehung zum Pornostar, dann gibt sie vor laufender Kamera die intimsten Details preis – das ist unrealistisch und nervt.
Noch mehr stören die Stilmittel, die den Film besonders machen sollten. Die Beschränkung auf zwei Perspektiven, das wackelnde Bild und die amateurhaften Schwenks machen die Handlung langsam und langweilig – trotz der vielen Verwicklungen und Peinlichkeiten. Die Charaktere sind klischeehaft, und es passiert das, was man in Filmen wie „Hangover“ oder „American Pie“ schon zig Mal gesehen hat.
Die Darsteller sind hauptsächlich unbekannte Theaterschauspieler und machen ihre Sache gut. Aber sie haben keine Chance. Sönke Wortmann muss nach Filmen wie „Das Wunder von Bern“, „Die Päpstin“ und „Deutschland. Ein Sommermärchen“ nichts mehr beweisen. Doch dieses Experiment ist schiefgegangen. Die besten Szenen hat „Das Hochzeitsvideo“ mit Pop-Sänger Sasha. Der spielt sich selbst und ist als Bekannter des Bräutigams zur Feier eingeladen. Wie er ständig mit Bully Herbig verwechselt wird, ist witzig, ironisch und sehr gelungen.
Für das Brautpaar wird am Ende jedenfalls alles gut, auch wenn der Weg dorthin kein Sommermärchen war. Aber Sönke Wortmann braucht wieder ein Wunder von Bern.
Ab zwölf Jahren.
Mehr dazu auf http://dashochzeitsvideo.com.
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