Der Job ist verloren, die Frau ist weg. George Smiley ist beim Secret Intelligence Service zusammen mit seinem Chef Control in den Vorruhestand geschickt worden. Jüngere kämpfen jetzt gegen die Kommunisten. Und so wie Gary Oldman dreinschaut, ist der Mann reif für das Agentengenesungswerk: Sein Name ist ein Hohn, der im Dienst ergraute Smiley zieht ein zerknittertes Magengeschwürgesicht. All die Geheimnisse haben ihn einsam gemacht, ausgelaugt, zermürbt. Und damit ist dieser scharfsinnige Grübler offensichtlich nicht allein.
Der schwedische Regisseur Tomas Alfredson (46), bekannt durch ein tieftrauriges Vampirdrama sozialer Verwahrlosung („So finster die Nacht“), erzählt eine Spionagegeschichte ohne den Glamour des Abenteuers. Die Szenen sind von milchigem Licht geflutet, Neon präpariert die Nüchternheit der Büros schäbig heraus, zeichnet die Furchen auf Wänden und Gesichtern nach. Der Kalte Krieg macht gemütskrank. So inszeniert man den Abgesang auf eine Epoche: Mehltau liegt über dem System. Und innendrin wühlt ein russischer Maulwurf im „Circus“, dem inneren Zirkel des Auslandsgeheimdienstes MI6.
Der alte Chef Control (John Hurt) hat fünf Verdächtige ausgemacht, was ihm als Berufskrankheit Paranoia ausgelegt wurde. George Smiley, selbst unter Verdacht, wird vom Ministerium reaktiviert, um die internen Ermittlungen zu übernehmen. Mit einem Agentenfilm unserer Tage hat das nichts mehr zu tun, es ist eine Geschichte aus analogen Zeiten mit staubigen Akten, klobigen Telefonen, monströsen Dechiffriermaschinen und Spionen, die Zeitungsartikel ausschneiden.
Man kann den Muff dieser Schreibtischarbeit sehen. Die Gewalt, die hinter der Bürokratie steckt, zeigt Alfredson kurz, aber schonungslos. Ein Schuss in den Kopf einer Stillenden, deren Kind noch an der Brust der Toten saugt, das Stillleben eines Schnittes durch die Gurgel, der verstörende Anblick eines Mannes, der in seinen eigenen Darmwürsten badet. So grausam es ist, so schnell ist es vorbei.
Rückblenden sorgen dafür, dass die stockenden Ermittlungen, den Fluss der Erzählung nicht gerinnen lassen. Dafür sorgen die Außendienstmitarbeiter in Action: Mark Strong als angeschossener und untergetauchter Spion in Budapest, Tom Hardy als wachsamer Kollege in Istanbul. Zwischendrin fällt die Geschichte bei all den konspirativen Treffen auch mal in sich zusammen wie ein Soufflé.
Doch was die Regie anstrebt, ist auch nur in zweiter Linie Spannung, vor allem aber nimmt Tomas Alfredson den Spionagethriller als Geheimfamilienroman, in dem britischen Agenten sentimentale und missgünstige Väter und Brüder sind. Russen und Amerikaner erscheinen wie heimlich verehrte und unheimlich verhasste Vettern. Und so feiern sie im Secret Service ihrer Majestät Weihnachten mit dem Absingen der Sowjethymne und einem Santa Lenin, der die Geschenke bringt. Danach trauern sie wieder glorreichen Feindschaften im Krieg hinterher, und jeder arbeitet wieder gegen jeden.
So ist das unter Verwandten. Viele Familien sind derart deprimierend, diese bringt dich auch noch um.
Ab zwölf Jahren.
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