Viele Krimis wie die der James-Bond-Reihe leben von atemberaubenden Verfolgungsjagden per Auto, nach denen die Helden wundersam unversehrt ihren schrottreifen Karren entsteigen. Wohltuend anders sind die meisten Tatort-Folgen, vor allem die aus Münster.
Axel Prahl alias Hauptkommissar Frank Thiel ist vorwiegend per Rad unterwegs, und falls es doch einmal ein wenig schneller gehen muss, hüpft er zu Rechtsmediziner Börner in dessen Luxuskarosse.
Der witzige westfälische Tatort trägt zweimal im Jahr zur Entschleunigung des Wochenendes bei. Thiel ist ein geduldiger Ermittler, der stets nach dem Motto handelt: Kommt Zeit, kommt Rad, pardon, Rat.
Der Drahtesel gehört zu Münster wie die Bikini-Schönheit zu James Bond. In der Universitätsstadt sind Fahrraddiebstähle das häufigste Delikt, daher wurde im Polizeipräsidium schon vor Jahren eine Sonderkommission (Soko) „Speiche“ eingerichtet.
Nicht nur die 50 000 Studenten, nein, ganz Münster ist mit dem Rad unterwegs. Kein Wunder, dass der ADAC dort weit weniger gefragt ist als mobile Fahrradwerkstätten. Kein Wunder, dass sich am Hauptbahnhof Deutschlands größtes Rad-Parkhaus befindet. Es hat 3300 Abstellplätze.
Wer tatsächlich in der 270 000-Einwohner-Stadt keinen passenden Job gefunden hat und beispielsweise ins Ruhrgebiet pendeln muss, der kann sein Gefährt für 70 Euro pro Jahr in jener „Radstation“ abstellen. Für drei zusätzliche Euro schiebt es ein Angestellter auf Wunsch sogar durch die Waschanlage.
Es versteht sich fast von selbst, dass die alte Bischofs- und Hansestadt ebenso wie das ganze Münsterland ein Paradies für Radurlauber ist.
Das Wegenetz zwischen Ruhrpott, Holland und Teutoburger Wald sucht hierzulande seinesgleichen: Rund 4500 km einheitlich ausgeschilderte Radwege sowie einige Themenrouten warten auf bewegungsfreudige Touristen.
Wobei die münsterländische Parklandschaft keine besondere Kondition erfordert. Die Strecken sind meist eben, nur hin und wieder wird's etwas hügelig.
Wer seine Entdeckungsreise durch den Norden Westfalens mit ein wenig Kultur und Weiterbildung würzen möchte, dem sei die 100-Schlösser-Route ans Herz gelegt. Insgesamt ist sie zwar stolze 960 Kilometer lang, doch sie ist in vier (miteinander verbundene) Rundkurse aufgeteilt.
Ganz selten nur geht es entlang verkehrsreicher Straßen, meist ist der Urlauber auf alten Wirtschafts- oder eigens angelegten Radwegen mit sich und der Natur allein.
Auch wenn prunkvolle Anlagen wie das Schloss Nordkirchen, von den Einheimischen auch „westfälisches Versailles“ genannt, oder eine Vielzahl beeindruckender Wasserschlösser angesteuert werden, so hat das Münsterland freilich keine 100 Schlösser zu bieten.
Die Route führt auch zu Herrensitzen und Burgen, die aber durch die Bank sehenswert sind. In Lüdinghausen befindet sich mit der Burg Vischering eine besonders trutzige Festung, deren Kern bereits aus dem 13. Jahrhundert stammt.
Nach dem Besuch der Wehrburg lohnt ein Abstecher in die Innenstadt von Lüdinghausen , die mit etlichen hübschen Kneipen und schmucken Geschäften aufwartet.
Angesichts des originellen Sortiments in den Läden bedauert man rasch, dass die prall gefüllten Satteltaschen keine größeren Einkäufe mehr zulassen.
Auch viele andere Kommunen auf der 100-Schlösser-Route gefallen allein aufgrund der Tatsache, dass die Filialen der großen Ketten fehlen und die Stadtbilder dadurch wohltuend unterschiedlich sind.


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