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Wind- und Blickfang: Die Mühle von Ditzum an der Emsmündung. Foto: Norbert Bartnik
In der Zeit, als der SV Meppen in der Zweiten Fußball-Bundesliga spielte, versuchten die Trainer von abstiegsbedrohten Erstligisten ihre Spieler mit einer schaurigen Perspektive zu letzten Anstrengungen zu motivieren: „Wenn ihr jetzt nicht noch mal richtig Gas gebt, spielt ihr in der nächsten Saison nicht mehr in München oder Hamburg, sondern in Meppen.“
Das war für die Stadt zwar nicht gerade imagefördernd, aber zumindest schauten sich viele Menschen einmal auf der Karte an, wo die Stadt liegt. Im Emsland nämlich, in einer scheinbar etwas weltabgewandten Gegend im westlichen Niedersachsen. Was Fußballprofis schrecken mag, ist für Radfahrer von besonderem Reiz. Während es auf den gängigen Touristenrouten an Main, Altmühl und Donau in der Hauptsaison bisweilen sehr eng wird, ist auf dem Ems-Radweg viel Platz zum Fahren.
Tipps für die Tour durch das Emsland
Hinweise zu Übernachtungsmöglichkeiten und Kataloge über Touren durch das Emsland gibt es bei der Emsland Touristik GmbH, Ordeniederung 1, 49716 Meppen, Telefon 05931 442266, E-Mail info@emsland.com, Internet www.emsland-touristik.de.
In dem Bikeline-Führer „Ems-Radweg“ (Esterbauer Verlag, ISBN 978-3-85000-041-3, 11,90 Euro) werden die verschiedenen Routen mit Karten und Hinweisen zu Sehenswürdigkeiten eingehend beschrieben. Neben der Strecke von den Quellen der Ems bis zur Mündung bei Emden wird auch die Route am Dortmund-Ems-Kanal vorgestellt.
Ein Radwanderführer speziell über die „Emsland-Route“ zwischen Rheine und Papenburg ist im Bielefelder Verlag erschienen (ISBN 978-3-87073-468-8, 9,95 Euro).
Für die Rückfahrt von Emden nach Münster bietet sich die Fahrt mit der Regionalbahn an. Die hat in jedem Waggon ein Fahrradabteil. Wer das Gequetsche in den Fahrradwaggons südhessischer Regionalbahnen kennt, ist ganz erstaunt, dass es bei der Bahn auch anders geht. Warum aber nur im Norden?
Und während einem in manchen südlichen Kulturstädten angesichts all der historischen Monumente die Augen übergehen, hat man hier den Raum zum Schauen. Wer stundenlang durch eine weite Wiesenlandschaft gefahren ist, dem fallen die alten Gutshöfe, die Dorfkirchen, die Windmühlen und das Wechselspiel der Wolken um so stärker auf.
Es gibt viele Varianten für Radtouren durchs Emsland. Fluss-Sammler werden den Emsradweg von der Quelle im Teutoburger Wald in der Nähe von Paderborn bis zur Mündung in die Nordsee bei Emden abfahren, wer weniger Zeit hat, nimmt sich einzelne Streckenabschnitte vor, die allerdings nur selten direkt am Fluss entlangführen. Das ist zu verschmerzen. Die Ems bietet keinen sonderlich berauschenden Anblick: Ein weitgehend eingedeichter Fluss, der in vielen Windungen ruhig dahinfließt. Deshalb kann es auf einigen Routenabschnitten reizvoller sein, am parallel verlaufenden Ems-Kanal entlangzufahren – hier verläuft der Radweg meist direkt am Ufer entlang.
Eine von vielen Emsland-Radtouren führt in vier Tagen von Münster nach Emden. Start ist am Hauptbahnhof in Münster, wo eine Stadtrundfahrt auf dem Programm steht, natürlich mit dem Fahrrad. Die rund um den Stadtkern verlaufenden Promenade auf der alten Wallanlage ist der Cityring für Radfahrer – von hier aus kann man einen Abstecher zu den historischen Bauten im Zentrum unternehmen.
Die erste Tagestour führt über Greven und Emsdetten nach Rheine. Besuchenswert sind das nördlich von Rheine gelegene Schloss Bentlage mit einer Gemäldegalerie westfälischer Künstler und die restaurierte Saline Gottesgabe mit Gradierwerk und Salzsiedehaus.
Am nächsten Tag geht es zunächst nach Emsbüren, wo das Freilichtmuseum Heimathof über das bäuerliche Leben vergangener Jahrhunderte informiert und in „Enkings Mühle“ die traditionelle Pumpernickelbäckerei besichtigt werden kann. Die Mittagsrast erfolgt dann in einem Straßenlokal im historischen Zentrum von Lingen. Auf Landwirtschaftswegen geht es weiter nach Meppen, der nächsten Übernachtungsstation. Ein Bummel führt durch die Altstadt mit dem prachtvollen Rathaus aus dem Jahre 1408 und zum Flüsschen Hase, das hier in die Ems mündet.
In den örtlichen Hotels sind Radreisende gern gesehene Gäste. „Wenn vor 40 Jahren jemand mit dem Fahrrad ankam, dann hat meine Mutter immer gesagt, ob der wohl auch zahlen kann“, erinnert sich der Seniorchef des Hotels „Schmidt“ am Markt. Heute präsentiert sich das Haus als „Bett & Bike Hotel“, bietet eine Fahrradgarage und viel Informationsmaterial zu Touren in die Umgebung.
Am nächsten Tag lohnt ein Stopp in dem Städtchen Haren, in dem die wuchtige St. Martinus-Kirche auffällt, die als „Emsland-Dom“ bezeichnet wird. Im Schifffahrtsmuseum am Kanal wird die Geschichte der Stadt erzählt.
Papenburg, das Ziel des nächsten Radeltages, ist besonders durch die Meyer Werft berühmt, in der regelmäßig gigantische Kreuzfahrtschiffe vom Stapel laufen. Eine interaktive Ausstellung über die Stadtgeschichte bietet der „Zeitspeicher“ auf dem alten Werftgelände. Da erfährt man, wie die Kanäle zum Torfabbau ins Moor getrieben wurden und die sogenannten Fehnkolonien entstanden. Aber natürlich geht es auch um den Schiffsbau. Dabei wird auch der Darmstädter Industrielle Ludwig Barth erwähnt. Zwar stammte er aus einer Stadt, die angesichts ihrer Lage abseits schiffbarer Flüsse wenig Inspiration für Seefahrerträume liefert, bei der Neugründung der Meyer-Werft im Jahre 1872 spielte er aber als Teilhaber eine wichtige Rolle. Im Hauptkanal, der sich quer durch Papenburg zieht, liegen viele alte Schiffe und ihre Nachbauten vor Anker und können zum Teil besichtigt werden.
Eine der schönsten Städte an der Ems ist Leer. In den verwinkelten Gassen mit den restaurierten Handelshäusern und am kleinen Museumshafen ist die Geschichte lebendig. Vor der Weiterfahrt nach Emden sollte man den Zeitplan überdenken. Der offizielle Radweg verläuft am westlichen Ufer der Ems nach Ditzum, von wo man mit der Fähre nach Petkum übersetzen muss, um nach Emden zu gelangen. Die letzte Überfahrt ist um 18.30 Uhr. Wer die Fähre verpasst, muss noch eine Nacht in Ditzum bleiben, was aber auch seinen Reiz hat. In dem Fischerort fühlt man sich in alte Zeiten versetzt. Und in dem Fischladen im Fährhaus gibt es die besten Fischbrötchen der Region.
In einer Zeit, in der die Windkraft neu entdeckt wird, geraten auch die traditionellen Windmühlen wieder in den Blickpunkt. Die Ditzumer Mühle ist sorgfältig restauriert worden, die Mühle von Jengum – ein Ort, den man zuvor auf dem Weg nach Norden passiert – ist sogar noch gelegentlich in Betrieb. Die 1756 erbaute Mühle ist seit 1955 im Besitz von Knut und Adele Hetzke, die dafür gesorgt haben, dass das Mahlwerk funktionsfähig blieb. „Ab und zu wird bei uns noch Viehfutter geschrotet“, erzählt Adele Hetzke. Besucher können über diverse Leitern die Innenwelt der Mühle erkunden und von weit oben den Blick in die Landschaft genießen. In kleinen Café gibt es Milchprodukte und Ostfriesentee.
Am Ziel in Emden steht man dann vor der Wahl Hochkultur oder Spaßkultur. Die eine wird in der von Henri Nannen begründeten Kunsthalle präsentiert, die andere im Otto-Haus. Vielleicht entscheidet man sich auch für beides: Möglicherweise besteht zwischen den expressionistischen Tiergestalten und den Ottifanten sogar eine geheime Beziehung.
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