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02. Juli 2011  | Von Jens Etzelsberger

Mit dem E-Bike ins Gebirge

Steiermark: In der Region Schladming-Dachstein stehen jetzt Mountainbikes mit Elektrounterstützung zum Verleih bereit – Dennoch muss man kräftig in die Pedale treten

 
| Vergrößern | Aufwärts: Bergregionen, die bisher Mountainbikern mit besonders guter Kondition vorbehalten waren, stehen mit dem E-Bike auch weniger gut trainierten Menschen offen. Foto: Jens Etzelsberger


Brandalmwirtin Erika Schrempf hat für alle Gäste etwas parat. Der hungrige Radler freut sich auf der 1600 Meter hoch gelegenen Hütte im Dachsteingebirge über eine köstliche „Kaspressknödelsuppe“, für den Drahtesel, der vor der Tür parkt, gibt es zwölf Amperestunden elektrische Energie.
Während das Kontrollinstrument des E-Bikes sofort wieder einen vollen Stromtank anzeigt, braucht der Radler etwas länger, bis seine Akkus wieder aufgeladen sind. Zwar wurde der letzte Anstieg zur Hütte, knapp fünf Kilometer lang und dabei rund 500 Höhenmeter überwindend, mit Hilfe von 250 Watt Motorleistung gemeistert, doch ein Kinderspiel ist die Geschichte dennoch nicht.

Auskünfte und Anreise

Zimmerinformationen und Buchungen telefonisch unter 0043 3687 23310, E-Mail info@schladming-dachstein.at. Weitere Hinweise im Internet unter www.schladming-dachstein.at, www.pichlmayrgut.at, www.movelo.com und www.sommercard.info.
Mit dem Auto ist Schladming über die Autobahn München-Salzburg, die Tauernautobahn (A 10) bis zum Knoten Ennstal und die Bundesstraße B 320 zu erreichen. Eine weitere Route führt über Nürnberg und Regensburg sowie Passau bis zum Voralpenkreuz nach Wels. Von dort geht es weiter über die Pyhrnautobahn (A 9) bis zum Knoten Selzthal und weiter über die Bundesstraße 320 nach Schladming. Der nächstgelegene Flughafen ist Salzburg (90 Kilometer entfernt). Von dort aus geht es per Taxi zum Bahnhof und mit dem Zug nach Schladming. Auch per Zug ist Schladming aus dem Rhein-Main-Gebiet aus gut zu erreichen.


Schließlich unterstützt der Motor den Radler nur in drei frei wählbaren Stufen und nimmt ihm die Anstrengung nicht völlig ab. Nur wenn der Sensor der Steuerelektronik ein Drehmoment im Tretlager spürt, wird Motorunterstützung dazu gegeben. Wer nicht kräftig in die Pedalen tritt, spürt also nichts von dem wunderbaren Schub des Elektromotors.
Die Wanderer werden sich an die ganz leise surrenden Räder in der Region Schladming-Dachstein in der Steiermark ebenso gewöhnen müssen wie die Puristen unter den Mountainbikern, die die E-Bikes manchmal spöttisch oder auch mit unverhohlener Ablehnung beäugen, wenn sie, selbst keuchend und vor Schweiß triefend, von nicht ganz so angestrengten Pedaleuren am Hang überholt werden.
Denn mit dieser Saison startet in und um Schladming ein E-Bike-Projekt mit dem Partner Movelo, das die Regionen abseits der ebenen Talstrecken auch für nicht völlig austrainierte Gäste erlebbar macht. Rund hundert E-Bikes, Modell Flyer S, des Schweizer Herstellers Biketech stehen an acht Verleihstationen zu Tagesmietpreisen ab 25 Euro bereit. Mit Federgabel, gestrecktem Diamantrahmen, Kettenschaltung und 26 Zoll-Felgen mit griffigen Nobby-Nick-Pneus sind die Räder ästhetisch schon ganz nah dran am gängigen Auftreten aktueller Mountainbikes, wenngleich bei anspruchsvollen Abfahrten dennoch kleine Kompromisse hinsichtlich Federung und Handling der gut 20 Kilogramm schweren Räder gemacht werden müssen.
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Gemütstier: Die Kuh stört es nicht, wenn Radler durch ihre Alm rollen. Foto: Jens Etzelsberger
Bei den Anstiegen wird das allerdings mehr als wettgemacht, denn die Motorunterstützung eröffnet dem Radler ganz neue Welten. Die gefühlte Topographie der Landschaft mit grünen Almen auf der einen und dem schroffen Dachsteinmassiv auf der anderen Talseite ist auf einem E-Bike eine völlig andere. Mit den Rädern wird der Berg zum Hügel gebügelt. Den völlig Untrainierten schrecken jetzt auch keine 40 Kilometer im Tal mehr, der mäßig Sportliche traut sich Anstiege zu, die er bisher nur hochgeschaut hat, der versiertere Radler pfeift auf die Seilbahn und nimmt das Rad zum Gipfel. Der Profi genießt entweder das schöne Gefühl des eingebauten Rückenwindes – oder schaltet den Motor einfach aus und radelt mit reiner Muskelkraft.
An passenden Strecken für jeden Geschmack herrscht kein Mangel. Die Region Schladming hat aktuell 20 Mountainbikerouten hervorragend ausgeschildert und bietet ein Streckennetz von 930 Kilometern mit 25 000 Höhenmetern. Bedingungen, die bisher vor allem ambitionierte Muskelradler zu schätzen wissen. Am ersten Juniwochenende maßen sich rund 400 Fahrer aus aller Welt vier Tage lang bei der Alpentour-Trophy.
Nun sollen auf ihren Spuren auch die Genussradler rollen, wenngleich 79 Kilometer und 2900 Höhenmeter wie bei der Königsetappe der Alpentour-Trophy auch mit Elektrounterstützung für den Amateur schon eine echte Ansage sind. Für den E-Biker haben die örtlichen Touristiker deshalb 200 Streckenkilometer mit 5000 Höhenmetern zu einem passenden Tourenprogramm geschnürt. Die Panoramarunde etwa gibt einen wunderbaren Überblick der Region mit schroffem Fels und grünen Almen und fordert mit knapp 60 Kilometern und rund 1300 Höhenmetern schon eine gewisse Grundkondition.
Um solche Touren mit dem E-Bike nachzuradeln, braucht es aber nicht nur Muskelschmalz, sondern auch eine ganze Menge Elektroenergie. Da die Kapazität der Akkus aber beschränkt ist und Steigungen mächtig am Stromvorrat knabbern, gibt es 22 Akkuwechselstationen in der Region.
Um die siebenhundert Höhenmeter schafft ein Akku, sagt Harald Steiner, der gemeinsam mit seiner Kollegin Birgit Stocker für Touristen individuell passende Radstrecken auswählt und begleitet. Wer die Unterstützung von Steiner und Stocker in Anspruch nimmt, kann ganz entspannt losradeln, denn die beiden kennen die Gegend wie ihre Westentasche und führen zu den schönsten Plätzen der Region.
Die Bergwiese, wo einem mit etwas Glück die Murmeltiere aus der Hand fressen gehört dann ebenso zur Tour, wie die „wilden Wasser“, wo eine wackelige Hängebrücke und atemberaubend steile Treppen dem Lauf eines Gebirgsbachs folgen.
Steiner und Stocker wissen, wo es die besten Brote mit dem krümeligen, streng schmeckenden „Steirerkas“ gibt , wo man sich die Forelle zum Abendessen noch selbst fangen kann und wo die besten Knödel in der Suppe schwimmen. Sie führen zu dem Bauernhof, der als Kulisse für die Fernsehserie „Die Bergwacht“ dient und sie machen bei Brigitte Kahr halt, die im 467 Jahre alten und perfekt sanierten Ramsbergerhof köstliche Melissenlimonade mit Ingwerstücken serviert.
Und sie erzählen, wieso das hübsche Städtchen Schladming derzeit noch an so vielen Stellen aufgehübscht wird. Im Februar 2013 wird hier die alpine Ski-WM ausgetragen Bis dahin werden rund 160 Millionen Euro investiert, darunter 26 Millionen für die Erweiterung des Bahnhofes.
Wer unsicher ist, welche Tour er sich zumuten sollte, kann vor dem Start mit dem Rad einen Stopp bei Gitti Obermoser einlegen. Die Skiläuferin und dreifache Weltcupsiegerin analysiert in ihrem Fitnessstudio die aktuelle körperliche Verfassung und gibt Hinweise zu Grenzbelastungen und Pulsbereichen.
Eine empfehlenswerte Unterkunft ist das mittlerweile zu einem veritablen Hoteldorf angewachsene Pichlmayrgut, das aufmerksamen Service mit dem Komfort eines Vier-Sterne-plus-Angebotes kombiniert. Für Radler gibt es eine Waschstation für die Räder, einen abschließbaren Fahrradkeller, sowie Wasch- und Trockenservice für die Funktionswäsche.
Für alle, die nicht nur auf dem Rad sitzen wollen, bietet die Region eine Menge zu entdecken. An erster Stelle natürlich die herrliche Landschaft, die zum Wandern einlädt, aber auch Kletterkurse, Schwimmbäder, Esel- und Ponyreiten Museen und viele Bergbahnen. Ideal zur Nutzung dieser Angebote ist die Sommercard, die bei Übernachtung in einem der rund 800 Partnerbetriebe kostenlos ausgegeben wird.
Mit der Sommercard ist die Nutzung von Berg- und Seilbahnen kostenfrei, die Dachstein-Gletscherbahn kann einmal pro Woche kostenlos genutzt werden. Mautstraßen und Linienbusse in der Region Dachstein-Schladming sind mit der Karte ebenso kostenfrei, wie Museen und das Schladminger Schwimmbad. Selbst ein Halbtageskurs Paragliding ist in der Karte enthalten. Insgesamt sind es mehr als hundert Freizeitattraktionen, die mit der Karte frei zu nutzen sind. Bei 88 weiteren Kartenpartnern gibt es bis zu 50 Prozent Ermäßigung.

 
 
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