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Reizvolle Routen: Die Radwege durch das Burgund verlaufen abseits der Autostraßen. Fotos: Heide Noll
Radeln und schlemmen, das ist eine schöne Kombination. Wer tagsüber ordentlich in die Pedale tritt, muss sich wegen der zugeführten Kalorien nicht sorgen. Das gilt erst recht, wenn der Radweg durch einen Teil Frankreichs führt, in dem gutes Essen und guter Wein traditionell einen guten Ruf genießen: Burgund.
Die Region zwischen dem Jura im Osten, dem Loire-Tal im Westen, der Champagne im Norden und dem Rhônetal im Süden setzt verstärkt auf Gäste, die sich das abendliche Schlemmen vorher gerne durch gemäßigte Bewegung verdienen. In den vergangenen zehn Jahren wurden dort stillgelegte Eisenbahnstrecken sowie frühere Treidelpfade entlang der Flüsse und Kanäle asphaltiert. Kreuz und quer durch die Region führen die Trassen. Sie erlauben das gemütliche Radwandern ohne größere Steigungen durch liebliche Landschaften, häufig abseits der Autostraßen.
Überall stehen die weißen Rinder der hier heimischen Charolais-Rasse auf den sattgrünen Wiesen. Gelb leuchten die Rapsfelder, an den Hängen wächst Wein, hin und wieder fällt der Blick des Radlers auf ein Herrenhaus, ein Schloss oder einen alten Bahnhof am Wegesrand.
Einer steht bei Cluny. Ein Abstecher in das Städtchen hinein lohnt sich. Schließlich stand hier rund 400 Jahre lang die größte Kirche Europas. Viel ist davon freilich nicht mehr zu sehen. Nach der französischen Revolution diente die 187 Meter lange Kirche als Steinbruch. Nur ein Zehntel der Anlage ist erhalten, ein Querschiff mit Turm. Dort sind Sanierungsarbeiten in Gang. Noch bis 2010 wird Cluny Baustelle bleiben: Bis zum 1100. Jahrestag der Gründung des Klosters durch Abt Berno sollen Besucher den ehemaligen, gigantischen Kirchenraum besser erahnen können als heute. Zur Zeit vermittelt ein Modell im Museum den besten Eindruck von der einstigen Größe.
Einen Überblick über das 4300-Einwohner-Städtchen und die sanften Hügel der Umgebung gibt ein Besuch auf dem „Käseturm“. Wer will, kann dort sogar picknicken. Der Radverleih und Tourenorganisator „Promenades en France“ lässt auf Wunsch Wein und Wasser, die deftigen Wurstspezialitäten der Region, Carpaccio vom Charolais-Rind, Käse, Baguette und Apfelkuchen die 120 Stufen hochtragen.
„Hochtragen“ lassen sich an anderer Stelle ganze Schiffe. Am Canal du Nivernais folgt eine Schleuse auf die nächste. Da die Kanäle beliebte Routen für Hausbootfahrer und Flusstouristen sind, ergibt sich immer mal wieder ein Vorwand für eine Rast und ein Schwätzchen, während die Schleuse vollläuft und das Boot auf die nächst höhere Ebene bringt. Der Canal verbindet über das Flüsschen Yonne die Seine im Norden mit der Loire und Rhône im Süden und diente früher dem Holztransport: Über die Flüsse wurde die Metropole mit Brennholz beliefert.
Stellenweise führt der Canal sogar durch Tunnels, Gewölbe von Collancelle genannt. Ein Bootsunternehmen bietet dort im Sommer Ausflugsfahrten an. Zwischen den Tunneln ragen die Wände steil empor und werden wegen ihres üppigen Bewuchses auch „Klein-Amazonien“ genannt. Der begleitende Radweg verläuft so hoch oben, dass das Wasser des Canals auf dieser etwa vier Kilometer langen Strecke nicht zu sehen ist.
Wer die Bootstour wählt, hat dabei Gelegenheit, einen Chablis zu trinken. Das Örtchen mit den weltbekannten Weißweinlagen liegt im Norden Burgunds. Dort sind Weinproben ebenso an der Tagesordnung wie in vielen anderen Orten. In St. Bris-le-Vineux etwa kostet der Gast im Weingut Bersan Rotweine aus der Pinot-Traube, die mit der alten und nur hier heimischen Sorte César gemischt werden. Er sollte aber nicht zuviel davon schlucken: Die Weinprobe findet in einem Gewölbekeller statt, der sich durch das halbe Dorf zieht. Wer sich verläuft, findet nicht ohne weiteres wieder zurück.
Das Netz der Radwege verbindet die typischen Landschaften und reizvollen Städte der Bourgogne miteinander. Sei es Auxerre mit seinem dekorativen Panorama von Fluss, Häusern und Kathedrale, Fontenay mit seiner als Weltkulturerbe eingestuften romanischen Abtei, Ancy-le-Franc mit seinem renovierten Renaissance-Schloss oder die Regionshauptstadt Dijon: Überall verleiten prachtvolle Bauten, quirliges Leben und die vielen Restaurants und Cafés zum Anhalten, Bummeln und Genießen.
Das freilich geht auch außerhalb der Städte. Am Rande des Örtchens Bourbon-Lancy liegt ein lohnendes Etappenziel. Im „Manoir de Sornat“ schläft der Gast in großen Zimmern mit Blick auf den Park (ab 90 Euro im Doppelzimmer, Frühstück elf Euro pro Person) und speist so fürstlich wie einst der Erbauer des Landhauses im normannischen Stil. Besitzer Gérard Raymond ist zugleich Küchenchef und verwöhnt seine Gäste mit exquisiten Speisen.
Es geht aber auch einfacher. Bei „Mumu“ Murielle Gornecki beispielsweise übernachtet der Radwanderer oder Jäger am Weiher von Bazolles, mitten auf dem Land (für 55 Euro im Doppelzimmer inklusive Frühstück). Sie führt eine kleine Pension und kocht leidenschaftlich gerne. Die Übernachtungsgäste sitzen alle zusammen am großen Tisch, lassen sich von Bruno Gornecki den Wein einschenken und erfreuen sich am Leben wie Gott in Frankreich.
Tipps für das Burgund
Anreise ins Burgund mit dem Auto von Südhessen aus am besten auf der A 36 über Mulhouse und Besançon nach Dijon.
Informationen zu Reisewegen, Unterkünften, Sehenswürdigkeiten und Freizeitaktivitäten, Fahrradverleihern, Spezialitäten, Weinproben und Restaurants gibt es
beim Französischen Fremdenverkehrsamt Maison de la France, Zeppelinallee 37, 60325 Frankfurt. www.franceguide.com , Telefon 09001 570025 (49 Cent pro Minute)
sowie bei Bourgogne Tourisme, www.bourgogne-tourisme.com
Buchtipp: Baedeker Reiseführer Burgund, 348 Seiten, 19,95 Euro.