Wer das Glück hat, am Abend in die gut 80 000 Einwohner zählende Hauptstadt der Provinz Toledo sowie der autonomen Region Kastilien-La Mancha zu kommen, wenn die Tagestouristen weg sind und die ohnehin nicht besonders quirlige Stadt noch mehr in sich ruht, der dürfte verblüfft sein, wie viele Reinigungstrupps ihm begegnen. Die Stadtväter wissen nur allzu gut, was sich für eine Kommune gehört, die vor 25 Jahren in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes aufgenommen wurde.
Bis König Philipp II. im Jahre 1561 seine Residenz nach Madrid verlegte, war Toledo fast 500 Jahre lang die Hauptstadt Spaniens. Es thront majestätisch auf einem Hügel, der vom Tajo, der knapp 1000 Kilometer weiter bei Lissabon in den Atlantik fließt, umspült wird. Schon die Römer und vor allem die Westgoten waren beeindruckt von der exzellenten Lage Toledos. Bis ins 8. Jahrhundert hinein war die Stadt Zentrum des westgotischen Reiches, ehe die Araber Einzug hielten. Viele Moscheen zeugen noch heute von der Herrschaft der Mauren. Toledo gilt als „Stadt der drei Kulturen.“ Mauren, Juden und Christen lebten jahrhundertelang friedlich neben- und miteinander. Dank der kulturellen Vielfalt entstand auch ein beeindruckender Gebäudemix.
„Wir haben 103 Baudenkmäler innerhalb weniger Kilometer Fußmarsch“, sagt Fremdenführerin Maria Gonzales mit stolzem Unterton. Wer mit ihr durch die Straßen schlendert, stellt rasch fest, dass der Toledosche Hügel aus mehreren Unterhügeln besteht, ständig geht es rauf und runter.
Der Reiseveranstalter Dertour hat mit den Hotels San Juan de los Reyes und Pintor el Greco zwei besonders empfehlenswerte kleine Herbergen in Toledo im Programm. Durch ihre Lage am Rande der Altstadt sind sie ideale Ausgangspunkte für die Erkundung der Sehenswürdigkeiten und zugleich Beispiele einer gelungenen Restaurierung. Maurische Bauelemente wurden dabei mit modernen Stilformen verknüpft. Weitere Hinweise gibt es im Dertour-Katalog „Spanien/Portugal“ sowie im Internet unter www.dertour.de.
Ins Zentrum ihrer Führung rückt Maria Gonzales die mächtige Kathedrale Santa Maria. Anfang des 13. Jahrhunderts wurde mit dem Bau des Gotteshauses begonnen, erst 250 Jahre später war es fertiggestellt. Wer sich all die Fein- und Besonderheiten der Kathedrale wie die 750 bemalten Fenster und den gewaltigen Hauptaltar mit seinen detaillierten Schnitzereien ansieht, der wundert sich nicht, dass so viele Jahrzehnte ins Land gingen, ehe Spaniens bedeutendstes gotisches Gotteshaus mit seinen fünf Kirchenschiffen und 88 Säulen in voller Pracht erstrahlte.
Zum Besichtigungsprogramm gehört auch der Alcázar von Toledo. Die gigantische Festung thront auf einem Felsen in der Oberstadt. Zwei mittelalterliche Synagogen, El Tránsito und Santa María la Blanca, wurden nach der Vertreibung der Juden im Jahre 1492 als Kirchen genutzt. Letztere, übrigens die älteste Synagoge Spaniens, wirkt recht bescheiden. Es fehlen Sitzbänke, aber mit ihren Halbbögen erinnert sie stark an die Moschee von Córdoba. Heute ist dort ein Museum.
Die Liebe für eine Stadt kann auch durch den Magen gehen, und daher sollte der Besucher zwei heimische Spezialitäten kosten – zum einen Manchego-Schafskäse, zum anderen Marzipan. Es wird vermutet, dass die Araber das Rezept für die Süßware aus Mandeln und Zucker, die im übrigen längst nicht so süß ist wie deutsches Marzipan, mit auf die Iberische Halbinsel brachten. In den Schaufenstern der zahlreichen Confiserien Toledos sind mitunter Kunstwerke aus Marzipan zu bestaunen. Sogar die Kathedrale wird nachgebildet.


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