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13. Januar 2012 Von Dagmar Krebs

Kroatiens Nationalparks

Schiffsreise durch den Kornaten-Archipel , der einst Kulisse für Karl Mays „Schatz im Silbersee“ war

 
| Vergrößern | Inselidylle: Tagestour auf einem Ausflugsschiff durch die Welt der Kornaten. Foto: Dagmar Krebs

Der Himmel ist bewölkt, leichter Nieselregen hat eingesetzt. Das smaragdgrüne Wasser der kaskadenartig angeordneten Plitvicer Seen glitzert durch die dichten Buchen- und Tannenwälder. Von hohen Felsen stürzen Flüsse und Bäche weißschäumend und donnernd hinab, um tief unten im nächsten See wieder zur Ruhe zu kommen. Spaziergänger wandern staunend über hölzerne Stege, die sich zwischen glasklaren Teichen, plätschernden Bächen und Wasserfällen hindurch über urwaldartig vermooste Hügel winden. Als sich plötzlich die Sonne gegen die Wolken durchsetzt, verändert das Wasser seine Farbe und schimmert türkisblau. Jetzt entdeckt man die unzähligen Forellen und Schwärme von kleinen Elritzen, die elegant ihre Bahnen in dem sauberen Gewässer ziehen.

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Eindrucksvoller hätte man in Disneyworld keine künstliche Landschaft erbauen können, so unwirklich schön, fast paradiesisch anmutend empfängt die Plitvicer Seenlandschaft ihre Gäste. Aber im ältesten und berühmtesten Nationalpark Kroatiens ist alles echt, alles Natur. Seit Jahrtausenden sucht und bahnt sich das Wasser seinen Weg durch die hügelige und dicht bewaldete Karstlandschaft. Auf einer Fläche von fast 300 Quadratkilometern hat es stufenweise sechzehn große und kleinere Seen gebildet, verbunden durch rauschende Flüsse, Rinnsale und Wasserfälle. Der Untergrund der Bäche ist stark kalkhaltig; dieser Kalk wird aus dem Gestein gelöst, setzt sich jedoch wieder ab, um neue Dämme zu bilden.
Aufgrund der besonderen klimatischen Bedingungen hat sich rund um die Plitvicer Seen eine einzigartige Flora und Fauna entwickelt. „Hier leben auf 84 Hektar Urwald Wölfe, Luchse, Hirsche und sogar fünfzehn bis zwanzig Braunbären“ erzählt Parkführerin Helena Petrovíc. Die Raubtiere halten sich aber fern von Orten, an denen sich Touristen tummeln, fügt sie beruhigend hinzu. Allerdings sollten sich Spaziergänger von der Schönheit der vielen Orchideenarten nicht verführen lassen: Das Pflücken von Pflanzen wird mit Geldbußen bestraft.
Besondere Schutzmaßnahmen, die seit Gründung des Parks 1949 ergriffen wurden, haben ihren Teil zur Erhaltung des ökologischen Gleichgewichts beigetragen. Die rund eine Millionen Besucher, die jedes Jahr kommen, sollen nur wandern, staunen und fotografieren. Schwimmen, Angeln, Jagen oder Bootfahren sind streng verboten, Autos müssen vor den Parkeingängen stehen bleiben.
Für den Transport müder Wanderer innerhalb des Parks stehen Busse und Elektroboote zur Verfügung. Elf Parkranger überwachen die Einhaltung der Vorschriften. In die Natur greifen sie aber nicht ein. „Selbst wenn unter den Tieren eine Seuche ausbricht oder die Bäume von Schädlingen befallen werden, werden wir nicht aktiv. Die Natur muss sich selbst schützen“ erklärt Helena Petrovic.
Von ihr erfährt man auch, dass vor allem deutsche Touristen auf Winnetous Spuren durch die Plitvicer Wassergärten wandern. 1962 wurden hier mehrere Szenen der Karl May-Verfilmung „Der Schatz im Silbersee“ mit Pierre Brice und Lex Barker gedreht. Die Wildwest-Kulisse boten unter anderem der Kaluderovac-See sowie der größte Wasserfall des Parks, Veliki Slap, der 78 Meter in die Tiefe stürzt.
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Natürliche Wassergärten: Die Besucher wandern auf Holzstegen durch den Plitvicer Nationalpark. Foto: Dagmar Krebs
Eher wie Robinson Crusoe fühlt man sich bei einem Schiffstörn durch das Archipel der Kornaten-Inseln, nur knapp zwei Stunden Autofahrt von den Plitvicer Seen entfernt. Fast 100 sonnenhungrige Passagiere haben sich frühmorgens bei strahlendem Sonnenschein ihren Aussichtsplatz an Deck gesichert. Sobald Šime Zubotic den Joystick bewegt, gleitet das stattliche Ausflugsboot fast lautlos aus dem quirligen Hafen in Zadar aufs Meer hinaus. Der Kapitän nimmt bei ruhiger See südwestlichen Kurs und manövriert das Schiff zwischen den Inseln Ugljan und Pasman hindurch.
Als die ersten Felsinseln der Kornaten auftauchen, gerät Zubotic ins Schwärmen. „Ich war schon überall auf der Welt, auch in der Karibik, aber nirgends ist das Wasser so klar wie hier.“
Er meint die 150 Inseln, die im kroatischen Teil der Adria liegen, von denen 89 zum Nationalpark gehören. Es sind nur spärlich oder gar nicht bewachsene Kegel, S-förmige Eilande und steile Kliffs, die weit verstreut aus dem Wasser ragen und an Mondlandschaften erinnern. Zwischen Kalkfelsen blitzen ab und zu grüne Büsche hervor. Der eine oder andere einsame Ölbaum saugt das wenige Wasser aus dem karstigen Boden. Auf den Kornaten gibt es praktisch kein Oberflächenwasser, nur hin und wieder kleinere Quellen, aber weder Bäche noch Süßwasserseen und wenig fruchtbares Land. Die vereinzelten Felder gehören den Bewohnern der Insel Murter, die vor rund hundert Jahren den Adligen der Küstenstadt Zadar die Inseln als Weideland abkauften.
Die Kornaten sind eigentlich die Gipfel einer Gebirgskette aus Kalkstein, die parallel zum Velebit-Gebirge läuft und vom gestiegenen Meeresspiegel inzwischen überdeckt ist. „Die Natur ist im Einklang, es gibt keine Industrie. Hier ist der beste Platz, wo man leben kann“, sagt Zubotic. Um die Landschaft und die Reinheit des Wassers zu erhalten, kontrolliert die kroatische Umweltbehörde den 220 Quadratkilometer großen Nationalpark. Die Zufahrt zum Archipel kostenpflichtig, die Gebühr wird für den Erhalt und die Pflege des maritimen Parks verwendet.
Nur per Boot können die teils karibisch anmutenden kleinen Buchten erreicht werden. Auch die wenigen Ferienhäuser, in denen man einen urigen Robinson-Urlaub verbringen kann, sind nach strengen Bebauungsregeln errichtet worden. „Das Klima hier ist perfekt, es ist nie zu warm und nie zu kalt“ schwärmt Kapitän Zubotic, als er das Schiff an der Landestelle des Ausflugszieles, der Ladvara-Insel, andockt. Eilig verlassen die Passagiere das Schiff, um die drei Stunden Aufenthalt mit einem erfrischenden Bad in dem glasklaren Wasser der Bucht zu genießen – und vielleicht einen Blick auf einen Delfin oder einen Tintenfisch zu erhaschen.

 
 


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