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04. November 2011  | Von Michael Fritz

Seiser Alm in Südtirol mit Kindern und Pferden

Reisetipp – Die Seiser Alm gilt zu Recht als eines der familienfreundlichsten Wintersportgebiete im Alpenraum – Skifahren in unendlicher Weite und originelle Snowparks mit Rampen und Tunneln

 
| Vergrößern | Mitten im Skigebiet sind die Pferdeschlitten unterwegs. Foto: Michael Fritz

Viel schöner kann der Winter für Kinder wohl kaum sein. Meterhohe Schneeberge türmen sich neben den Häusern. Mitten auf der Skipiste galoppiert plötzlich ein Pferd und zieht schnaubend einen voll besetzen Schlitten hinter sich her. Abends geht es mit einem Pistenbully hinauf zu einer urigen Berghütte, wo schon ein Lagerfeuer lodert. Und als krönender Abschluss folgt nach dem Essen als Betthupferl eine rasante Talfahrt mit dem Schlitten – der finstere Weg wird nur vom Mond und der Stirnlampe ausgeleuchtet.
Das alles können Eltern mit ihrem Nachwuchs auf der Seiser Alm in Südtirol erleben. Europas höchst gelegene Hochalm, soviel steht fest, gilt zurecht als eines der familienfreundlichsten Wintersportgebiete im Alpenraum. Das Landschaftsschutzgebiet erstreckt sich auf 56 Quadratkilometern, deren tiefster Punkt auf 1850 Metern und deren höchster auf 2350 Metern liegt. Die Pisten reichen soweit das Auge reicht. Sie sind eingerahmt von mächtigen Dolomitengipfeln namens Schlern, Plattkofel und Langkofel. Steile Abhänge gibt nicht, dafür jede Menge Schussfahrten und etwa 20 Sessellifte mit kindersicheren Verschlussbügeln.
Natürlich ist das Skifahren auf der Seiser Alm die Hauptbeschäftigung im Winter. Damit es nicht langweilig wird, sind Snowparks mit Rampen oder Tunnels in die Landschaft modelliert. An einer Stelle gibt es auch ein Tempomessgerät: Mehr als 100 Stundenkilometer bringen Raser an dem speziell präparierten Schussstück auf die Bretter.
Da ein direkter Einstieg in die weltbekannte „Sella Ronda“ besteht, ist darüber hinaus auch ein Anschluss an jene sagenhaften 1200 Pistenkilometer des Skiverbunds „Dolomiti Superski“ vorhanden. Wenn die Kinder fit sind, werden sie begeistert sein von kilometerlangen Reisen auf Skiern. Ein Erlebnis für sich ist dabei der Reisebus, der als Lückenschluss auf einem abenteuerlichen Forstweg von der Seiser Alm zur Liftstation Richtung Piz Sella tuckert.
Doch solche Gewalttouren sind gerade für junge Familien gar nicht nötig und auch nicht unbedingt erstrebenswert. Auf der Alm haben sie ja schon alles, was sie brauchen. Und es geht allemal entspannter zu, als in manch anderen Ecken des Mega-Skizirkus. Der Urlauber befindet sich inmitten einer gewachsenen Kulturlandschaft, die noch dazu weitgehende autofrei ist. Denn die Straße zum Landschaftsschutzgebiet ist von 9 bis 17 Uhr gesperrt, Ausnahmen gibt es nur für Gäste, die direkt im Gebiet wohnen.
Die Zeiten, als sich Blechlawinen aus dem Tal bergauf quälten, sind vorbei. Jetzt kommen die Skifahrer mit einer vier Kilometer langen Gondelbahn – die Talstation liegt auf 1015 Metern, die Bergstation auf 1857 Metern. Die zum Gebiet gehörenden Dörfer Seis, Völs und Kastelruth sind mit Shuttlebussen vernetzt.

| Vergrößern |
Funpark für Kinder auf der Seiser Alm. Foto: Michael Fritz
Dass es noch knapp 400 bewirtschaftete landwirtschaftliche Hütten auf der Seiser Alm gibt, ist im Winter zwar nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Doch die bäuerliche Struktur lässt sich erahnen bei all den Pferdeschlitten, die über Wege und Pisten brettern. Für die Landwirte ist das Einspannen der Rösser ein lukratives Nebengeschäft. Sie bieten den romantischen Taxidienst zu den entlegensten Orten an. Es riecht nach Pferdemist und nicht nach Autos. Das Rad der Zeit scheint um Jahrzehnte zurückgedreht: Die vielen Winterwanderer runden das Bild ebenso ab wie die Langläufer, die auf 60 Kilometer langen Loipen huschen. Darüber hinaus sind zahlreiche Eltern mit Kleinkindern auf Rodelbahnen unterwegs.
Es gehört zu den großen Pluspunkten der Alm, dass in und vor den Skihütten nicht die Discomusik dröhnt, sondern an speziellen Aktionstagen einheimische Musiker auftreten. Auch die Speisekarte ist eher regional, besonders mit Knödelgerichten. Tradition ist Trumpf. Nur dass mitten im Skigebiet ein Wintergolf-Turnier ausgetragen wird, mutet seltsam an.
Den eigentlichen Spagat zwischen Vergangenheit und Zukunft bekommt derweil das Fünf-Sterne-Wellnesshotel „Seiser Alm Urthaler“ hin. Es ist ganz urtümlich aus Holz und Glas gebaut. Die Architekten haben beim leimfreien Bau angeblich auf jede Chemie verzichtet. „Das Holz ist vollmassiv und ohne Zwischenräume zu kompakten Elementen geschichtet.“ Die Übernachtung im „vollendeten Haus im vollkommenen Einklang mit Mensch, Natur und Technik“ ist freilich nicht ganz billig. Halbpensionspreise von 200 Euro pro Nacht und Person sollten einkalkuliert werden. Und spezielle Pakete wie „Sieben Tage Kids All Inklusive“ für Vier- bis Siebenjährige in der Nebensaison kosten 750 Euro. Allerdings sind dann auch fünf Tage Skischule samt Ausrüstung, Mittagessen und Betreuung inclusive.

Auskünfte
Seiser Alm Marketing
Telefon: 0039 0471 709 600
Internet: www.seiseralm.it
Einen Gesamtüberblick findet man unter www.dolomitisuperski.com
Hotel „Seiser Alm Urthaler“
Telefon: 0039 0471 727 919


 
 
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