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23. September 2011  | Von Norbert Bartnik

Reise-Tipp: Wellnessurlaub in der Steiermark

Bad Waltersdorf: Der Ort in der Steiermark lockt mit Thermalbädern und speziellen steirischen Wellnessanwendungen – Reizvolle Touren durch die Hügellandschaft der Umgebung

 
| Vergrößern | Heiße Luft und heißes Wasser: Bad Waltersdorf ist auch für sein Ballonzentrum überregional bekannt. An Silvester wird alljährlich die „Nacht der Ballone“ gefeiert. Foto: Heiltherme


Eigentlich hatte man auf Erdöl gehofft. Aber bei den Bohrungen, die in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts in der östlichen Steiermark durchgeführt wurden, sprudelte nur heißes Wasser an die Oberfläche. Schon bald erkannten findige Ortspolitiker und Unternehmer, dass sich auch dieser Bodenschatz gut vermarkten lässt. Die Idee vom „Steirischen Thermenland“ war geboren: An vielen zuvor kaum bekannten Orten entstanden Schwimmbäder, Wellnesseinrichtungen und Unterkünfte aller Art – von einfachen Ferienwohnungen bis zu Fünf-Sterne-Hotels.
So wurde aus der kaum bekannten Ortschaft Waltersdorf das umtriebige Bad Waltersdorf, in dem sich nicht nur Thermalbadegäste treffen, sondern auch Spitzenteams des europäischen Fußballs. Unter anderem bereiten sich die Kicker von Arsenal London und Werder Bremen hier regelmäßig auf die Saison vor und erquicken sich nach dem Training im wohlig warmen Wasser.

Bad Waltersdorf

Bad Waltersdorf liegt etwa 65 Kilometer östlich von Graz und ist mit dem Auto über Salzburg und die Autobahn A9 Richtung Graz und weiter über die A2 Richtung Wien zu erreichen. Informationen über die Angebote in der Heiltherme über Telefon 0043 3333 5001 und im Internet unter www.heiltherme.at. Hinweise zum Besuch der „Weltmaschine“ in Kaag unter www.weltmaschine.at.


Die Heiltherme Bad Waltersdorf, die am Hang etwas außerhalb des Ortes liegt, wurde 1985 erbaut und wirkt vergleichsweise traditionell. Andere Bäder,die erst in jüngster Zeit entstanden sind, weisen mehr Rundungen, mehr Sprudeleffekte und eine dem Zeitgeist entsprechende Architektur auf – zum Beispiel die 1997 errichtete Rogner-Therme im benachbarten Bad Blumau mit ihrem Hundertwasser-Design. Damit kann man Bad Waltersdorf nicht mithalten – und will es auch nicht. Zu vergleichsweise mäßigen Preisen und in unaffektierter Atmosphäre wird dort ein Pauschalurlaub mit Hotelübernachtung, Halbpension und freiem Zugang zum Bade- und Saunabereich angeboten. Vor einem Jahr wurde die gesamte Anlage generalüberholt und ausgebaut.
Sieben Thermalbecken und zwölf Saunen bieten genug Abwechslung für ein Verwöhnwochenende. Gäste des direkt neben der Therme errichteten Quellenhotels können jetzt zusätzlich einen eigenen Wellnessbereich mit Saunaanlagen und einem Naturteich nutzen. Das künstliche Gewässer, das vor einem Jahr eingeweiht wurde, wird durch einen bepflanzten Bereich auf natürliche Weise gereinigt. Am Teichrand sieht man an warmen Tagen Frösche in der Sonne sitzen, auch eine harmlose Schlange wurde schon im Schilfgebiet gesichtet. Mit 22 Grad ist die Temperatur relativ niedrig, in einem direkt daneben installierten Rundpool kann man sich aber bei 32 Grad aufwärmen.
„Nach ein paar Tagen ist der Akku wieder aufgeladen“, erzählt eine Wienerin, die gemeinsam mit zwei Freundinnen mehrmals im Jahr für einen Kurzurlaub nach Bad Waltersdorf kommt. „Früher hat man immer gesagt, in Bad Waltersdorf da gehen nur die alten Leute hin, da wird schon das Wasser rostig“, erinnert sich die Besucherin. „Aber das hat sich sehr geändert.“
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Reiche Ernte: Die Steiermark ist berühmt für ihre Kürbisfelder. Foto: Norbert Bartnik
Inzwischen ist das Publikum altersmäßig bunt gemischt. Viele Gäste genießen die Wellnessanwendungen unter dem Markenzeichen TSM (Traditionelle Steirische Medizin). Dabei werden Produkte aus der Region genutzt, zum Beispiel bei der Kürbiskernölmassage, der Apfel-Entschlackungsmassage und der Specksteinmassage mit Honig-Kräuteröl. Abends können die Gäste dann beim „Agilando“, einer Kombination von Tanz und Gymnastik, über das Parkett wirbeln oder Volkstänze wie Kreuzpolka, Eiswalzer und Figurenlandler erlernen.
Gäste mit Sinn für Esoterik lassen sich im Seminarraum „Kamille“ von Rudi Pichler über „Taoistische Selbstheilung“ und die „Öffnung der sieben Energiezentren“ informieren. In der Tagespostille „Die Quelle“, die die Hotelgäste auf ihrem Frühstückstisch vorfinden, wird jeweils auch der Mondkalender erwähnt, der offenbar sehr praktischen Nutzen hat. „Abnehmender Mond im Stier. Günstig für die Behandlung und Entfernung von Hühneraugen“, liest man da.
Auch die Golfer, die in Bad Waltersdorf ihr Handicap verbessern wollen, bekommen esoterische Unterstützung: Die 18-Loch-Anlage ist mit „Feng-Shui-Kraftpunkten“ ausgestattet. An einem „Keltischen Baumkreis“ werden die Energien getankt, die für den perfekten Schwung nötig sind. Das klappt natürlich nur, wenn auch der entsprechende Glaube vorhanden ist.
Wer mehr Abenteuer sucht, ist in der neuen „H2O-Therme“ im benachbarten Sebersdorf am richtigen Platz. Hier wird reichlich Bespaßung für ein – so die Zielgruppenbeschreibung – „junges, erlebnisorientiertes Ppublikum“ geboten. Zum Beispiel auf dem „Blauen Blitz“, angeblich die breiteste Doppelreifenrutsche Österreichs, oder an der Poolbar, wo man im warmen Wasser sitzend diverse Cocktails probieren kann.
Auch deutsche Gäste genießen das steirische Thermenleben. Angesichts der langen Anreise lohnt sich das aber nur, wenn man außerdem die Umgebung erkundet. Da die Hügellandschaft hier eher sanft ist, kommt man auch gut mit dem Fahrrad voran. Eine reizvolle Tour führt von Bad Waltersdorf nach Fürstenfeld, das als „Hauptstadt“ des steirischen Thermenlandes bezeichnet wird. Bekannter ist die Stadt durch den Song „Fürstenfeld“, mit dem die Gruppe STS 1984 auch in Deutschland viel Erfolg hatte. Das Loblied auf die Provinz gefällt allen, die sich im Szenetreiben der großen Städte eher unwohl fühlen: „Brauch ka große Welt, i will ham nach Fürstenfeld“.
Der Tourist lässt Fürstenfeld rasch wieder hinter sich und radelt weiter nach Loipersdorf, wo eine weitere Therme lockt, und dann – nach einer kräftigen Steigung – Richtung Unterlamm. Die Schilder, die nach links und rechts weisen, deuten an, dass es hier eine rekordverdächtige Dichte an Buschenschenken gibt. Regionale Spezialitäten sind die Kürbiscremesuppe, das Kürbiskernschnitzel und natürlich der leichte und fruchtige steirische Weißwein.
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Im barocken Stil: Bei einer Tour von Bad Waltersdorf nach Riegersburg kommt man kurz hinter Unterlamm an dieser Josefskapelle vorbei. Eine örtliche Familie ließ sie im Jahre 2010 als Dank für die Genesung ihres Sohnes errichten. Foto: Norbert Bartnik
Dermaßen gestärkt geht es weiter zu der auf einem Felssporn thronenden Riegersburg. Über Breitenfeld und Ilz führt die Rundtour wieder zurück nach Bad Waltersdorf, wo man sich am Abend – Schwimmbad und Saunen sind bis 22 Uhr geöffnet, freitags sogar bis 23 Uhr – von den Strapazen erholen kann.
Ein weiteres beliebtes Ausflugsziel in der östlichen Steiermark ist Kaag, ein unscheinbares Dorf in der Nähe von Feldbach. In dieser ländlichen Idylle hat der Landwirt Franz Gsellmann von 1958 bis kurz vor seinem Tod im Jahre 1981 eine „Weltmaschine“ geschaffen, die an die Werke von Jean Tinguely erinnert – ein gigantisches Sammelsurium von Metallteilen, die von Elektromotoren in Bewegung gehalten werden. Durch Licht- und Geräuscheffekte wird der Eindruck noch wunderlicher. 1993 wurde die Weltmaschine restauriert und kann seither auf dem Hof des Erbauers besichtigt werden. Das in sich selbst ruhende Räderwerk führt die Sinnlosigkeit so manchen großen Strebens vor Augen und Ohren.

 
 
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