Die Zeitschleuse in die glamouröse Vergangenheit liegt im Untergeschoss der Dorfkirche: der Fundus für historische Garderobe. Mit den neuen, alten Kleidern am Leib grüßen sich die Menschen auf der Straße plötzlich, es wird gelächelt und genickt, Hüte werden gelüftet. „Die Stimmung der Kandersteger ist in der Belle-Époque-Woche besonders gut, die Leute sind offener und entspannter“, erzählt Paul Breitschmid vom Organisationskomitee. „Sie scheinen plötzlich alle Zeit der Welt zu haben.“
Die Idee zur Belle-Époque-Woche kam Jerun Vils, als er das ewige „früher, das waren noch Zeiten!“ wieder einmal hörte. „Na, dann machen wir es eben wie früher“, beschloss der Tourismusdirektor von Kandersteg.
Anreise: Mit dem Auto erreicht man Kandersteg über die Autobahn von Bern in Richtung Thun-Spiez, dann auf der Nationalstraße bis nach Kandersteg.
Veranstaltung: Die nächste Belle-Èpoque-Woche findet vom 22. bis zum 29. Januar 2012 statt. Als Vorbereitung für die zwei Bälle werden in der Woche Tanzkurse angeboten. Es empfiehlt sich, das eigene Kostüm mitzubringen, vor allem die Ballgarderobe. Für das historische Bobrennen können sich noch Teams anmelden.
Informationen: Schweiz Tourismus, Rossmarkt 23, 60311 Frankfurt, Telefon 069 25600131, E-Mail info@myswitzerland.com). Kandersteg Tourismus, Hauptstraße, 3718 Kandersteg, Telefon 0041 33 6758080, E-Mail info@kandersteg.ch.
Der Begriff Belle Époque bezeichnet die Zeit vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs 1914. Vor allem Briten reisten damals in die Schweiz und hielten sich oft wochenlang in den Bergen auf.
Die Zeit drängt. Gleich beginnt das Nostalgie-Bobrennen. Seit etwa 1900 gibt es in Kandersteg eine Naturbobbahn. Auf einem Bob sitzen vier Personen eng aneinander gedrängt. „Damals war das für Männer eine der wenigen Möglichkeiten, mit fremden Frauen unverfänglich auf Tuchfühlung zu gehen“, erzählt Marcus Schmid vom Oldiebob-Club Bivio schmunzelnd.
Die Gäste von heute folgen dem damaligen Tagesablauf. Dazu gehört vormittags eine Curlingpartie unter freiem Himmel mit den Originalsteinen aus der alten Zeit. Das sportliche Vergnügen mit der nachhaltigsten Wirkung, das von den Briten importiert wurde, war aber sicherlich das Skifahren. „Es begann damit, dass ein Engländer seinem Bergführer ein Paar Ski schenkte“, erzählt Vreni Agostini, die Dorfführungen macht.
In der Nostalgiewoche schnallen sich auch Urlauber die alten Holzbrettern unter die Füße. Viel Lust auf Nostalgie ist nötig, um sich damit auf das kleine Skigebiet beim Oeschinen-See zu wagen. „Bremsen ohne Stahlkanten ist schwer“, berichtet Adrian von Känel, der zum ersten Mal auf uralten Skiern steht oder das zumindest versucht. „Die Notbremsung findet also auf dem Hinterteil statt.“

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