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03. Februar 2012  | Von Tamara Krappmann

Island

In der Nebensaison hat die Atlantikinsel einen eigenen Reiz – Farbenzauber am Himmel und im Schnee

 
| Vergrößern | Eisiger Schlund: Der legendäre isländische Wasserfall Gullfoss im Winter. Fotos: Tamara Krappmann

Sieben Stunden Tageslicht – mehr gibt es nicht im isländischen Winter. In nur fünf davon steht die Sonne über dem Horizont. Im Gegenzug zu diesem Mangel zeigt sie sich allerdings von ihrer schönsten Seite: Eine Reise in den winterlichen Norden wird mit einem faszinierenden Farbenspiel belohnt.
Das beginnt bereits am frühen Morgen: Gegen acht Uhr macht sich im Osten der erste zögerliche Schimmer bemerkbar. Die eigentliche Dämmerung beginnt allerdings erst um neun. Dann färben sich Schnee und Himmel in einem Blauton, der während der folgenden Stunde immer leichter wird. Der Sonnenaufgang lässt sich Zeit. Auch Morgenmuffel kommen so in den Genuss des Farbenspiels.
Um es wirklich auskosten zu können, empfiehlt sich eine Unterkunft weitab der Lichter von Reykjavik. Einen weiten Blick über die verschneite Ebene im Süden der Insel bietet das Hotel Ragná, an einer Windung des gleichnamigen Flusses gelegen, dessen hochklassiges Restaurant auch bei den Einheimischen beliebt ist. In nordöstlicher Richtung lässt sich von dort ein spitzer Gipfel erspähen: die Hekla, einer der drei aktivsten Vulkane Islands.

Praktische Tipps

Anreise: Die isländische Fluglinie Icelandair fliegt im Winter bis zu viermal pro Woche ab Frankfurt nach Island, im Sommer täglich. Kurzreisepakete, zum Beispiel der „Superdeal“ ab 339 Euro für Flug und drei Hotelübernachtungen mit Frühstück, ergänzen das Angebot. Informationen über Flüge und Kurzaufenthalte in Island gibt es unter www.icelandair.de sowie über Telefon 069 299978 und in Reisebüros.
Unterkunft: Das Hotel Ragná bietet in der Wintersaison Zimmer ab 180 Euro pro Nacht (www.hotelranga.is).
Die Web-Seite des Café Gullfoss (www.gullfoss.is) ist größtenteils auf isländisch gehalten, Kontaktinformationen und Anfahrtstipps gibt es aber auch auf englisch.
Das Fontana Spa am Laugarvatn, das 2011 eröffnet wurde, informiert in englischer Sprache unter www.fontana.is, eine deutsche Fassung ist geplant.
Buchtipp: Der Polyglott Apa Guide „Island“ (24,95 Euro) bietet auf 452 reich bebilderten Seiten einen guten Überblick der wichtigsten Sehenswürdigkeiten und viele praktische Tipps.


Auch sie trägt manchmal ihren Teil zu den Lichterspielen bei: „Bei ihrem letzten großen Ausbruch sah die Hekla nachts aus wie Kerzen am Horizont“, erinnert sich der isländische Journalist und Übersetzer Arthúr Bollason, der damals in Sichtweite des Vulkans lebte. Seit dem Jahr 2000 verhält der sich allerdings ruhig.
Anders der südlich gelegene Eyjafjallajökull, der 2010 Berühmtheit erlangte, indem er den Flugverkehr über Nord- und Mitteleuropa tagelang lahmlegte. Der Gletscher, unter dem sich der Vulkan verbirgt, ist der sechstgrößte auf Island. Zu seinen Füßen zu stehen, ist kein schlechter Ort, wenn gegen zehn ein zarter Rosaton den Himmel färbt. 1666 Meter steigt er beinahe senkrecht aus dem flachen Land auf und wirkt damit ebenso eindrucksvoll wie vielfach höhere Alpengipfel. Genau wie sie vermag auch der Eyjafjalla-Gletscher, im Licht der Morgensonne erst rosig und dann in intensivem Goldton zu erglühen.
Zu lange sollten sich Besucher von diesem Anblick allerdings nicht verzaubern lassen, denn weiter im Landesinneren warten ebenso schöne Ziele. Etwa der „Goldenen Wasserfall“, der Gullfoss. Fällt das Sonnenlicht im richtigen Winkel ein, dann bildet sich über ihm ein prächtiger Regenbogen. Im Winter schmücken sich seine beiden elf und 21 Meter hohen Stufen zusätzlich mit Gittern aus dickem Eis. Besucher können sie entweder von einem höher gelegenen Aussichtspunkt oder von einem unterhalb gelegenen Spazierweg aus bewundern.
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Heiliger See: Blick vom Spa Fontana über den Laugarvatn. Fotos: Tamara Krappmann
Durchgefroren sind sie währen der Wintermonate anschließend in beiden Fällen. Aufwärmen können sie sich im benachbarten „Café Gullfoss“: etwa bei einer Schüssel „kjötsúpa“, traditionellem isländischen Lammeintopf, mit Blick zwar nicht auf den Wasserfall, aber möglicherweise auf ein paar Islandpferde, die nach unter dem Schnee verborgenen Grashalmen scharren.
Vom Gullfoss ist es nicht weit bis ins Tal Haukadalur, wo der Große Geysir brodelt: die heiße Springquelle, nach der alle anderen ihren Namen tragen. Als altgedienter Veteran dampft Geysir meist nur noch träge vor sich hin und überlässt den Rang des Touristenmagneten seinem Nachbarn Strokkur, dessen Fontäne alle paar Minuten hoch in den Himmel schießt.
Besonders spektakulär ist dieses Schauspiel im Winter gegen vier Uhr am Nachmittag: Dann scheinen die letzten Strahlen der Abendsonne direkt durch die Wassersäule und lassen sie in leuchtendem Gelb und flammendem Rot erglühen. Ist die Sonne hinter den Hügeln verschwunden, folgen weiches Violett und ein dunkler werdender Blauton.
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Gefährlicher Ort: Der Eyjafjalla-Gletscher bei Sonnenaufgang. Der Hof zu seinen Füßen war 2010 mit am stärksten von der niedergehenden Asche des Vulkans betroffen.
Diese blaue Stunde eignet sich ideal für einen Besuch im geothermalen Spa „Fontana“ am Ufer des Sees Laugarvatn. Der trage den Beinamen „Heiliger See“, erklärt Bollason: „Hier haben sich die isländischen Häuptlinge im Jahr 1000 christlich taufen lassen.“ Beschlossen hatten sie das auf dem 25 Kilometer entfernten Þingvellir, ihrem Versammlungsplatz. Dort gab es nur kaltes Gletscherwasser, weshalb die Nordmänner zum Empfang des Sakraments lieber an den warmen Laugarvatn ritten.
Bis zu den Schultern in einem der „Hot Pots“, den warmen Außenbecken des Spas, kann man die Häuptlinge gut verstehen. Mit etwas Glück, versichert Bollason, lassen sich vom Seeufer aus später am Abend sogar Polarlichter entdecken. Solange sie auf sich warten lassen, übernimmt der Mond die Aufgabe, einen sachten Schimmer auf den Schnee zu legen: Bei klarem Himmel ist Island ein Ort, an dem der Winter leuchtet.

 
 
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