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18. Februar 2012  | Von Sabine Schiner

Crans-Montana: Abfahrt mit traumhaften Perspektiven

Der Wintersportort im Schweizer Wallis bietet spektakuläre Blicke auf die Viertausender

| Vergrößern | Skifahren mit Aussicht auf den Pisten von Crans-Montana im Wallis. Foto: Sabine Schiner

Unten an der Talstation war der Himmel morgens noch bedeckt, nach der Gondelfahrt, auf knapp 3000 Meter Höhe, strahlt die Sonne. Über Nacht hat es 30 Zentimeter geschneit und die Fahrer der Pistenraupen haben zum Vergnügen der Skifahrer aufs Räumen verzichtet. Bei jedem Schwung staubt und glitzert der Schneepuder.
Zwölf Kilometer lang ist die Abfahrt vom Gletscher Plaine Morte hinunter nach Crans-Montana. Das Panorama ist wunderschön: Zu sehen sind die Zipfel von Weisshorn, Zinalrothorn, Obergabelhorn, Matterhorn und Dent-Blanche. Und als wäre das nicht genug, erhebt sich Richtung Süden noch der Mont-Blanc – mit 4810 Meter Höhe der höchste Berg der Alpen.
Skifahren auf den Hängen rund um Crans-Montana hat Tradition: Im Jahr 1903 wurde auf dem Hochplateau das weltweit erste Abfahrtsrennen durchgeführt und im Jahr 1987 die Ski-WM. Heute trainiert dort das Schweizer Abfahrt-Kader auf der Piste Nationale, die eigens dafür abgesperrt wird. Der nächste FIS-Weltcup mit Super-G und Riesenslalom ist vom 25. bis 26. Februar.

Skifahren im Wallis

Crans-Montana liegt auf 1500 Meter Höhe oberhalb von Sierre-Siders im Rhonetal. Vom dortigen Bahnhof ist der Ort in zwölf Minuten mit einer Standseilbahn zu erreichen. Das Skigebiet reicht bis auf 3000 Höhenmeter. Mit dem Auto von Darmstadt aus sind es etwa 600 Kilometer nach Crans-Montana. Man kann über Montreux und Martigny fahren, oder man fährt über Bern. Wer von Bern kommt, ist allerdings auf die Autoverladung des Lötschbergtunnels (Kandersteg – Goppenstein) angewiesen.
Im Skigebiet von Crans-Montana gibt es 17 blaue, 20 rote und vier schwarze Pisten. 28 Lifte stehen den Skifahrern zur Verfügung. Für die Kleinen gibt es zwei Winterkindergärten mit vier Teppichliften. Weitere Infos im Internet unter www.crans-montana.ch.


Solche Großveranstaltungen sind wichtig für eine Region, der der starke Franken zu schaffen macht. Im Sommer gab es einen Rückgang von fünf Prozent bei den Hotelgästen. In Crans-Montana führte dies im Herbst gar zu einer schrägen Goldrausch-Inszenierung, um Touristen anzulocken: Die Gemeinde lancierte eine Meldung, wonach ein deutscher Urlauber einen handtellergroßen Goldnugget gefunden habe. Der PR-Gag war schnell aufgeklärt und wird seither als Sonderaktion namens „33 Karat“ vermarktet. Vom 10. bis 6. April gewähren beispielsweise viele Hotels, Geschäfte, Bergbahnen und Skischulen ab vier Nächten einen Rabatt von 33 Prozent. Neben solchen Sonderaktionen setzen die Tourismusfachleute auf „Mehrwert“. Das heißt: Außer den insgesamt 140-PIstenkilometern gibt es einen Snowpark und eine Familien-Zone. Geübte Skifahrer können sich zusammen mit einem Bergführer im Freeriding abseits der Pisten erproben oder auf auf dem Gletscher eine Schneeschuh-Tour machen.
Einheimische schwören auf abendliches Skiwandern. Zweieinhalb Stunden dauert es von Crans-Montana zur Violettes-Hütte des Alpenvereins. Auf 2208 Meter Höhe serviert der Wirt abends Käsefondue und Fendant, einen Gutedel, der unten im Rhonetal angebaut wird.
Die Pisten haben längst geschlossen, wenn sich die Gäste wieder auf den Weg ins Tal machen. Dazu nehmen sie einfach die Felle von ihren Tourenskiern ab, setzen die Stirnlampen auf und lassen es gut gelaunt laufen. Ganz ungefährlich ist das nicht, warnt Marc Affolter. Abends seien zwar keine anderen Skifahrer mehr unterwegs, dafür aber die Pistenraupen. Sie sind an steilen Abhängen mit einer Seilwinde gesichert. „Da muss man achtgeben, dass man ihnen nicht im Weg steht“, sagt der Vierundzwanzigjährige, der in Crans-Montana im Tourismusbüro arbeitet.
Im Ort selbst ist auch Langlaufen möglich – auf dem Geländer der beiden Golfplätze. Dort gibt es auch ein Indoor-Trainingscenter. Es ist nach eigenen Angaben das erste ganzjährig geöffnete Höhentrainings-Zentrum für Golf in Europa. Bei Laurent Reinert kann man den perfekten biomechanischen Schwung lernen. Er war früher Trick-Skifahrer, bis er einen schweren Unfall hatte und ein Knie aus Titan bekam. Sein Arzt riet ihm daraufhin, mit dem Golfen anzufangen. Skifahren, so sagt er, sei eine gute Grundlage fürs Golfen. Wer starke Beine habe, könne die Arme mit dem Schläger besser schwingen.
Nach frustrierenden Probeschlägen unter seiner Aufsicht – aller Anfang ist schwer – lockt schnell wieder der pudrige Schnee. Eine Stunde später geht es mit der Gondel den Berg hoch und im Parallelschwung runter.

 
 
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