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28. November 2009  | Von Hans Dieter Erlenbach

Zwickau: Vom Edel-Horch zum Volks-Trabi

Zwickau: In der sächsischen Stadt wird die deutsche Autogeschichte spannend in Szene gesetzt

 
| Vergrößern | Staatskarosse: Eine Horch-Limousine, wie sie die Machthaber im Dritten Reich nutzten. Foto: Hans Dieter Erlenbach

Zwickau ist für die Bewohner der ehemaligen DDR das Synonym für Automobilbau. Im dortigen volkseigenen Betrieb lief Jahrzehnte lang der Trabi vom Band, jenes Fahrzeug aus Plaste und Elaste, auf das DDR-Bürger zehn Jahre und länger warten mussten und das mit seinem tuckernden Zweitakter die Menschen mobil und glücklich, die Umwelt aber nicht gerade besser machte.

Heute ist der Trabi Geschichte, der Automobilbau in Zwickau aber nicht. Das Volkswagenwerk hat sich dort angesiedelt, während die Tradition des Automobilbaus vom August-Horch-Museum lebendig gehalten wird.

1904 gründete August Horch in Zwickau die ,,Horch & Cie. Motorwagen-Werke AG". Fünf Jahre später verließ Horch nach Differenzen mit dem Aufsichtsrat das in finanzielle Schwierigkeiten geratene Unternehmen und gründete, ebenfalls in Zwickau, die Audi Automobilwerke GmbH. Die Marke Audi wird in diesem Jahr hundert Jahre alt.

Wie kam August Horch ausgerechnet auf den Namen Audi? Da das Vorgängerunternehmen seinen Familiennamen noch trug, durfte Horch diesen nicht erneut in einen Firmennamen einfließen lassen. Deshalb machte ihm ein Lateinschüler den Vorschlag, das Wort Audi zu nehmen, das vom lateinischen ,,audire" kommt und so viel wie ,,höre" oder auch ,,horch" bedeutet.

Bis 1920 leitete August Horch das Unternehmen und wechselte dann in den Aufsichtsrat. Bis 1933 war er Kfz-Sachverständiger. Als sich Audi, Horch, Wanderer und DKW 1932 zur Auto Union zusammenschlossen, war Horch auch dort Aufsichtsratsmitglied. 1939 wurde er zum Ehrenbürger von Zwickau ernannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wirkte er an der Neugründung der Auto Union in Ingolstadt mit.

An die phänomenalen Fahrzeuge, die unter der Regie von August Horch entstanden, erinnert das Museum in Zwickau mit einer beeindruckenden Ausstellung. Auf rund 3000 Quadratmetern werden dort mehr als 100 Jahre Automobilgeschichte lebendig.
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DDR-Volkswagen: Ein Trabant- Prototyp aus den fünfziger Jahren. Fotos: Hans Dieter Erlenbach

Rund 80 Fahrzeuge werden in dem Museum im wahrsten Sinn des Wortes in Szene gesetzt. Eine typische Straßenszene mit nachgebildeten Schaufenstern damaliger Geschäfte zeigt die vielen DKW-Versionen, die dort parken, als wären sie nur mal kurz während eines Einkaufs abgestellt. Ein Stück weiter hat ein Tanta-Emma-Laden geöffnet, in dem es aussieht wie in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Mit dem riesigen Horch 830 BL ist eine Szene vor einem Nobelhotel nachgestellt, ein anderes Fahrzeug wird noch genau in dem Zustand gezeigt, wie es nach einer Bombardierung des Unternehmens im Zweiten Weltkrieg aus den Trümmern geborgen wurde. Direkt am Eingang steht ein froschgrüner Horch 12/28 PS Phaeton von 1911. Sogar eine Innenansicht der Villa des Unternehmers ist detailgetreu nachgestellt. Dass die Horch-Limousine während der Nazi-Diktatur eines der bevorzugten Fahrzeuge der braunen Machthaber war, wird in den Museum allerdings nur am Rande erwähnt. Ausführlich behandelt werden hingegen die fünfziger Jahre, als mit dem Trabant der Automobilbau in der DDR neben den Wartburg-Werken in Eisenach auch in Zwickau einen neuen Aufschwung erlebte.

Das Museum verfügt über einige Trabant-Prototypen, die nie in Serie gingen. Eine Garagenszene zeigt, dass für den Trabant die Garage nicht nur als Unterstellmöglichkeit, sondern auch als Werkstatt gebraucht wurde. Denn zu schrauben gab es an den Fahrzeugen immer etwas. Und irgendwo mussten ja die Teile gelagert werden, die man sich vorsorglich im Tauschverfahren zulegte - für den sehr wahrscheinlichen Fall, dass mal etwas kaputt gehen sollte.

Wer sich im Museum das schnittige P 70 Coupe angesehen hat, der findet den Trabant der fünfziger und sechziger Jahre vielleicht sogar hübsch und kultig. Schöner jedenfalls als die eckigen, aber praktischen Kisten, die bis zur Wende vom Band liefen, zuletzt mit einem VW-Polo-Motor.

Einige alte Maschinen, die mehrmals pro Tag angeworfen werden, sind in dem Museum ebenso zu sehen wie ein Horch-Achtzylinder-Motor auf einem Prüfstand.

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Ende der Herrlichkeit: Das Zwickauer Museum zeigt auch die Folgen des Krieges.


 
 
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