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Lichter der Metropole: In Melbournes Docklands ist ein neues Stadtviertel mit Büros, Restaurants und Bars entstanden. Foto: Tourism Victoria
Am anderen Ende der Welt läuft vieles anders als gewohnt. Auf eine besondere Probe stellen den Australien-Touristen aber die Melbourner Stadtväter: Als ob der Linksverkehr nicht schwierig genug ist, haben sie sich eine reizvolle Version des Abbiegens einfallen lassen.
Wer nämlich mit seinem rechts gesteuerten Wagen eine der breiten Straßen Melbournes nach rechts überqueren will, muss sich zunächst am linken Straßenrand einordnen, den folgenden Verkehr durchfließen lassen und darf dann erst sämtliche Fahrbahnen queren.
Die kleinen Schilder, die auf diese doch recht überraschende Regel Hinweisen, werden gerne übersehen, Melbourne dürfte daher ein Albtraum für Mietwagenversicherer sein.
Eine kleine Episode, aber auch sonst grenzt sich die Hauptstadt des Bundesstaates Victoria gerne ab – vor allem von Sydney, der ewigen Konkurrentin.
Die Konkurrenz der „Sydneysiders“ und „Melbournians“ hat auf dem fünften Kontinent fast epische Ausmaße. Einwohner der beiden Städte können sich kaum treffen, ohne Witze über die andere Stadt zu machen, und beide eint eigentlich nur eines: Die Aussage, dass die Hauptstadt Canberra „sucks“, was schwer zu übersetzen, weil despektierlich ist.
War Sydney mit dem einmaligen Flair ihres Hafens die erste Stadt auf dem Kontinent, glänzte Melbourne im zwanzigsten Jahrhundert als Hauptstadt und Austragungsort der Olympischen Spiele 1956.
Der Weg dorthin war freilich steinig: 1837 erhielt die Siedlung am Yarra-River nach dem englischen Premierminister Lord Melbourne ihren Namen. Der Ort wuchs nur langsam, es drohte die Bedeutungslosigkeit. Daher wurden 1851 Prämien für die Entdeckung von Goldvorkommen ausgesetzt.
Gold fand man bald, und so stieg die Bevölkerungszahl innerhalb von 20 Jahren auf über 500 000. Die Stadt wurde am Reißbrett entworfen, ihre Architektur ist geprägt vom viktorianischen Stil des 19. Jahrhunderts.
Heute hat Melbourne 3,7 Millionen Einwohner und breitet sich am Ufer der Port Phillip Bay aus. Etwa fünf Kilometer von der Bucht entfernt ist das lebhafte, kosmopolitische Stadtzentrum, der Central Business District (CBD) in einem schnurgeraden Rechteck am Nordufer des Yarra angelegt.
Der Besucher kann sich leicht einen ersten Eindruck verschaffen: Eine historische Straßenbahn umzirkelt den CBD im Viertelstundentakt. Die Benutzung der „City Circle Tram“ ist kostenlos und bietet einen guten Überblick.
Das Zentrum um die viktorianische Flinders Station und den modern-kubistisch bebauten Federation Square zeigt die Gegensätze dieser Stadt. Melbournes britische Wurzeln mit den breiten, eleganten Boulevards, den beeindruckenden Parlaments-, Bank- und Museumspalästen sind weichgespült durch eine Vielzahl von Einflüssen europäischer Einwanderer.
Vor allem Griechen und Italiener hat es hierher gezogen, und diese Nationen haben der Stadt kulinarisch ihren Stempel aufgedrückt. In Melbourne ist man daher vor allem stolz auf den berühmten Kaffee (was in Australien etwas heißen will) und die vielen Straßencafés.
Restaurants und Bars finden sich an jeder Ecke der Stadt, und auch wegen der Weinanbaugebiete im Norden Victorias versteht man sich als kulinarische Metropole.
Wer sich die Zeit nimmt, die Stadtviertel zu erkunden, setzt sich einfach in die Tram und ruckelt in unterschiedliche Kulturen: vom Greek Quarter an der Lonsdale Street über „Little Vietnam“ entlang der Victoria Street, nach Chinatown oder zum Theaterviertel „Little Paris“ auf der Collins Street.
Die südlichste Metropole Australiens wirkt aber auch irgendwie nordisch, zumindest europäisch-urban. Das liegt nicht nur an den hier ausgeprägten vier Jahreszeiten, sondern am Habitus der Einwohner.
Wirkt Sydney immer ein bisschen wie ein großes, entspanntes, lustiges Strandbad, wird in Melbourne das Geld gemacht. Bankentürme, Versicherungen, Modefirmen und Hochhäuser prägen die Stadt. Der Rhythmus der Handels- und Finanzmetropole ist schneller und geschäftiger.
Überhaupt hat es der Melbournian mit Wettkampf und Geschwindigkeit. Die Stadt ist sportbesessen. Kaum einen Steinwurf von der Innenstadt erhebt sich die Rod-Laver-Tennisarena, wo alljährlich die Australian Open ausgespielt werden.
Die Halle wurde für die Weltmeisterschaft 2007 zum Schwimmstadion umgebaut. Der Olympic Park liegt nebenan, die Formel Eins dreht hier jedes Jahr ihre Runden, und rund um den kurz geschnittenen Rasen des Melbourne Cricket Ground schlagen jedes Jahr die Herzen von rund 100 000 Cricket-Fans.
Ruhigere Orte finden sich in den berühmten Royal Botanical Gardens mit dem großen Shrine of Rememberance – hier wird zentral den australischen Gefallenen der Weltkriege gedacht – und den Carlton Gardens rund um das Melbourne Museum.
Von dort ist es ein kurzer Weg zur Brunswick Street. Hier reihen sich hübsche kleine Vintage-Geschäfte und studentische Kneipen aneinander, das abendliche, alternative Zentrum für junge Leute.
Ein Ausflug lohnt sich auch nach St. Kilda, dem pittoresken Vorort an der Bay oder den großen Victoria Market mit seinen bunten Einkaufsmöglichkeiten. Das Gegenstück ist die südlich des Stadtzentrums liegende Southbank, ein umstrittener städtebaulicher Wurf der neunziger Jahre. Auf altem industriellen Niemandsland wurde hier ein neues Stadtviertel aus dem Boden gestampft.
In modernen Gebäuden und Hochhäusern finden sich das Victorian Arts Centre, die National Gallery, Gastronomie der gehobenen Preisklasse, große Einkaufsmalls, ein Entertainment-Komplex und ein Spielcasino.
Vor allem am Wochenende ziehen hier Tausende Einwohner und Touristen am Flussufer entlang, essen zu Abend oder gehen in die Clubs. Und wenn abends zur vollen Stunde entlang des eigentümlich schwarz wirkenden Yarra riesige Flammen aus großen Stelen rhythmisch zischen und Feuer in den Nachthimmel spucken, wirkt dies fast schon ein wenig zu viel, zu überdreht, wie ein Ruf der Stadt nach Aufmerksamkeit.
Aber auch das ist wohl wieder ein Teil des sportlichen Kampfes zwischen Melbourne und Sydney.
Melbourne in zwei Tagen
Die folgende Empfehlung richtet sich an Individual-Reisende, die nur wenig Zeit haben und ein Fahrzeug in Melbourne anmieten. Eine erste Übersicht bekommen sie vom Rialto Tower. Danach empfiehlt sich die Fahrt ums Stadtzentrum mit der Circle Tram.
Als Unterbrechungen bieten sich an: Der Royal Botanical Garden, der Hauptbahnhof Flinders Station mit Blick über den Yarra River zum Victorian Arts Centre, der benachbarte Federation Square, der Queen Victoria Market und ein Bummel über die Einkaufsmeile der Swanston oder Collins Street.
Am Abend lohnt sich eine kulinarische Exkursion: Die Kochkünste der Einwanderer aus Südeuropa und Südostasien wetteifern in Restaurants und Bistros, zum Beispiel in North Melbourne um die Gunst der Kunden.
Weitere Auskünfte beim Melbourne Visitor Centre (Telefon 0061 3 9658 9658) und im Internet unter www.visitmelbourne.com.