19. Dezember 2008 | Norbert Bartnik
Australien
Von der Savanne zum Korallenriff

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Einer von vielen Traumstränden: Horseshoe Bay auf Magnetic Island an der australischen Ostküste. Fotos: Norbert Bartnik
Wahrscheinlich liegt es am Jetlag, an der tage- und nächtelangen Anreise ohne richtigen Schlaf. In den ersten Nächten am anderen Ende der Welt sind die Träume so intensiv, dass es schwer fällt, sie von der Wirklichkeit zu unterscheiden.
Im Morgengrauen wacht man auf und hat das Gefühl, in einem weiteren Traum gelandet zu sein. Die Umgebung ist ein Eisenbahnwaggon aus dem frühen 20. Jahrhundert mit lederbezogenen Sitzbänken und einer alten Notbremse über dem Fenster.
Aber der Zug fährt nicht, kann auch gar nicht fahren, weil weder Gleise noch eine Lokomotive vorhanden sind, wie einem langsam bewusst wird, während man schlaftrunken aus dem Abteil nach draußen wankt.
Wenige Schritte entfernt sitzt eine Wallaby-Mutter mit ihrem Baby unter einem Baum, schaut neugierig hinüber und hüpft dann gleichmütig weiter.
Spätestens jetzt kommt die Erinnerung an das zurück, was Mark Schmidt, Sales Manager der Undara Experience Lodge, am Vorabend erzählt hat.
Wie Campbesitzer Gerry Collins die seit Jahren nicht mehr benutzten Waggons am Rande einer Nebenstrecke bei Mareeba entdeckte und auf die Idee kam, sie als Herberge zu nutzen.
Seit 1990 bildet der Traumzug das Kernstück der Undara-Lodge, die etwa 300 Kilometer von Cairns entfernt im Undara Volcanic Nationalpark liegt.
300 Kilometer sind für australische Verhältnisse eine lächerliche Distanz, dennoch hat man hier das Gefühl, weit draußen in der Wildnis zu sein. „The accessible Outback“, der leicht erreichbare Outback, lautet denn auch der Werbeslogan der Lodge.
Berühmt ist die Gegend für die Lava Röhren, ungewöhnliche Höhlensysteme, die bei Vulkanausbrüchen vor 190000 Jahren entstanden sind. Es ist eine kuriose Landschaft mit starken Kontrasten.
Während sich an der Oberwelt die Savanne erstreckt, gibt es in den eingebrochenen Höhlen eine üppige Vegetation.
Ein gigantischer Banyan-Feigenbaum hat sein Wurzelsystem bis weit in eine Lavahöhle verzweigt, die die Besucher auf einem gut ausgebauten Weg erkunden können.
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Endstation: Ein umgebauter Zug dient in der Undara Lodge in Northern Queensland als ungewöhnliche Unterkunft.
Bei Eintritt der Dämmerung kann man die Fledermausschwärme beobachten, die die Höhle verlassen, um sich auf Insektenjagd zu begeben.
Einer der Guides ist Levi Barnes. Er trägt eine Rangeruniform, steuert den Kleinbus über die Hoppelpiste und macht spielerisch Jagd auf Kaninchen – „mein Beitrag zur Erhaltung des ökologischen Gleichgewichts“.
Vor einer Felsformation steigen die Besucher aus und erklimmen die Anhöhe. Von oben bietet sich ein weiter Blick über die Savanne. Dazu wird Wein ausgeschenkt – der obligatorische Sundowner.
Barnes erzählt von der Landschaft, den Tieren und den Touristen. „Die Leute kommen nach Australien, um die Wildnis zu sehen und sie aufzuessen, schon etwas seltsam.“
Kängurufleisch gibt es auch abends beim Büfett in der Lodge. Danach versammeln sich die Gäste am Lagerfeuer, wo einer der Guides „Bush Poetry“ vorträgt, Gedichte über das Leben in der Wildnis, die gar nicht mehr so wild ist.
Da geht es zum Beispiel auch um die spaßig als „Grey Nomads“ bezeichneten Caravanfahrer, ergraute Ehepaare, die das ganze Jahr über kreuz und quer durch Australien reisen.
Undara ist eine der vielen Attraktionen im Norden des australischen Bundesstaates Queensland. Die Küste bietet so viele Reize, dass man allein in Ferienorten wie Port Douglas, Kewarra Beach und Palm Cove mehrere Wochen verbringen könnte.
Von Port Douglas fahren mehrmals täglich große Motor- und Segeljachten ins Great Barrier Reef hinaus. Ein ideales Ziel für einen Tagesausflug ist Low Island, eine kleine, von Korallenriffen umgebene Trauminsel, auf der nur ein paar Mitarbeiter eines Meeresforschungsinstituts wohnen.
Faszinierendstes Erlebnis beim Schnorcheln in der bunt schillernden Korallenwelt ist die Begegnung mit den Meeresschildkröten, die hier häufig anzutreffen sind.
Auch kleine Haiarten sind zu sehen – „völlig ungefährlich“, wie der Schnorchelführer versichert, „die haben keine Zähne.“
Gefahr droht von den Box-Jellyfish, einer Quallenart, die zwischen November und Mai an der Nord- und Nordostküste Australiens anzutreffen ist. Das Gift ihrer Nesselzellen verursacht Lähmungen und kann sogar tödlich wirken.
Als Vorsichtsmaßnahme wird in der australischen Sommersaison das Tragen eines „Stinger-Suit“ aus Lycra empfohlen.
Wer das Leben in einem Korallenriff genauer verstehen will, sollte dem Reef Aquarium in Townsville einen Besuch abstatten. In dem mit 2,5 Millionen Liter Wasser gefüllten Tank wurde das größte künstliche Korallenriff geschaffen, in dem 120 Fischarten.
130 Korallenarten und viele andere Meeresbewohner unter fast natürlichen Bedingungen leben. „Das Becken ist offen für Tages- und Mondlicht, auch für Regen und Wind, genauso wie ein natürliches Riff“, betont Education Manager Fred Nucifora.
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Neugierige Blicke: Wallaby-Mutter in Undara.
Die Besucher erleben aber nicht nur die bunt schillernde Unterwasserwelt, sondern erfahren auch etwas über deren Bedrohung durch Abwassereinleitungen und andere menschliche Eingriffe.
„Wir Menschen sind, verglichen mit anderen Lebewesen, erst eine recht kurze Zeit auf der Erde“, sagt Nucifora. „Aber wir haben in dieser Zeit enorm viel Unheil angerichtet.“
Ein Leben im Einklang mit der Natur wird von den australischen Ureinwohnern im Tjapukai Aboriginal Cultural Park in der Nähe von Cairns vorgeführt. Tjapukai bedeutet Regenwald, davon sind aber nur noch wenige Reste übrig geblieben.
Tagsüber lernen die Gäste des Parks etwas über Jagdtechniken, Ernährung und Medizin der Aborigines, abends gibt es ein perfekt durchorganisiertes Showprogramm.
Während die Besucher ihr Dinner einnehmen, demonstrieren Aborigenes an einem Lagerfeuer und auf einer Bühne traditionelle Tänze und Rituale zur Abwehr von Dämonen.
Ihre durch das Vordringen der europäischen Siedler weitgehend zerstörte Kultur wird heute als Touristenspektakel wiederbelebt. Die Gäste dürfen mitsingen und an einer Feuerzeremonie mitwirken.
Der 27 Jahre alte Timothy, der jeden Tag in dem Zentrum auftritt, ist stolz darauf, auf diese Weise etwas von der Kultur seiner Vorfahren zu bewahren. „Es ist schön mit Menschen aus aller Welt zusammenzukommen und ihnen etwas von unserer Tradition zu zeigen“, sagt er.
Bis in die achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurde die Kultur der Aborigines unterdrückt. Erst in jüngster Zeit gibt es einen Wandel in der australischen Politik. „Ich hatte Glück und habe unsere Sprache schon in der Grundschule gelernt, sagt Timothy.
In vielen Orten in Northern Queensland werden Touren angeboten, bei denen einheimische Führer die Lebensweise ihrer Vorfahren demonstrieren. Unweigerlich kommt dabei auch die Sprache auf die nach wie vor bestehenden Probleme.
Viele Aborigines haben keine Arbeit und sind alkoholkrank. Das „Leben in Harmonie mit der Natur“ scheint da in weiter Ferne.
Die meisten Touristen sind in Queensland mit Mietwagen oder Wohnmobil unterwegs. Eine reizvolle Alternative dazu ist eine Fahrt mit dem „Queenslander“, einem Zug, der an der Küste zwischen Cairns und Brisbane
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Schlangen sieht man in Queensland häufig - diese Baumschlange ist ungiftig.
verkehrt.
Nachts schläft man in zweckmäßig ausgestatteten Schlafwagenabteils, tagsüber genießt man den Blick auf die Landschaft und die exquisite Seafood-Menüs im Speisewagen.
„Wir sind kein Speed-Train“, sagt David Hodson, Salesmanager bei Queensland Rail. „Wir bieten unseren Passagieren die Chance zum Relaxen und Schauen. „Da sitzen im Speisewagen Gäste aus mehreren Nationen an einem Tisch und kommen ins Gespräch“.
Von Zwischenstationen wie Cardwell, Lucinda und Townsville gelangt man auf die Ferieninseln im Great Barrier Reef wie Hinchinbrook Island, Orpheus Island und Magnetic Island.
Letztere ist in etwa 20 Minuten mit dem Fährschiff von Townsville aus zu erreichen. Erkundungstouren unternimmt man entweder mit Fahrrädern oder mit Mini-Mokes, die man in der Nähe der Anlegestelle mieten kann.
Dabei handelt es sich um etwas klapprige alte Austins, die wie Jeeps im Kleinformat aussehen, nur Spitzengeschwindigkeiten von 60 km/h erreichen, vom Fahrer viel Kraft beim Einlegen der Gänge und beim Bremsen verlangt, aber einen Höllenspaß bereitet.
In wenigen Minuten geht es mit dem kuriosen Gefährt an belebte Strände wie Horseshoe Bay oder Geoffrey Bay oder an die abgelegenen Buchten von Radical und Florence Bay.
Im „Bungalow Bay Koala Village“ kann man unter dem Motto „Breakfast with the Koalas“ frühstücken und anschließend einen Vorzeigebär für ein Erinnerungsfoto kurz in den Arm nehmen.
Wer viel Glück hat, sieht Koalas auf Magnetic Island auch in ihrem natürlichen Lebensraum, allerdings nur, wenn man zu Fuß auf den gut ausgeschilderten Trails unterwegs ist.
Wer nicht nur im Eiltempo alle Attraktionen der australischen Ostküste abhaken will, sollte auf Magnetic Island unbedingt etwas länger verweilen.
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Meer und Wildnis: Northern Queensland hat viele Attraktionen.
Weite Sandstrände zum Baden, daneben rund gewaschene Felsen zum Klettern und gute Restaurants für die abendliche Einkehr bieten die Gewähr für ein paar entspannte Tage.
„Maggie“, wie die Einheimischen ihre Insel nennen, hat ein besonderes Flair. Hier findet man nichts Versnobtes oder Elitäres wie auf anderen Ferienresorts, man gibt sich locker und familiär.
Tom Barnes ist aus dem Süden Australiens hierher übergesiedelt. In seinem Buch über die Geschichte der Insel schreibt er auch warum: „Die Natur ist intakt, die Kriminalitätsrate liegt bei null Prozent, ebenso niedrig ist die Rate nerviger Menschen. Und wer doch mal jemanden nervt, wird umgehend ausgewiesen.“
Adressen und Auskünfte
Anreise:
Singapur Airlines bietet tägliche Verbindungen von Frankfurt über Singapur nach Sydney, der Flug von Singapur nach Sydney erfolgt mit dem neuen Airbus A380 (Reservationen über Telefon 0697195200, Internet www.singaporeair.de). Von Sidney gibt es tägliche mehrere Verbindungen mit Qantas Airways nach Cairns.
Undara Lodge:
Undara Experience,
Telefon 00617 40971900,
Internet www.undara.com.au.
Bootsfahrten ins Great Barrier Reef:
Quicksilver Cruises Port Douglas,
Telefon 0061740872100,
Internet www.quicksilver-cruises.com.
Tjapukai Aboriginal Cultural Park:
Telefon 00617 40429900,
Internet www.tjapukai.com.au.
Zugfahrt mit dem Sunlander:
Queensland Rail,
Telefon 006173235 1122,
Internet www.traveltrain.com.au.
Magnetic Island:
Bungalow Bay Koala Village,
Telefon 0061747785577,
Internet www.bungalowbay.com.au.
Peppers Blue in Blue Resort,
Telefon 00617 4758 2400,
Internet www.peppers.com.au.
Weitere Auskünfte
über Queensland bei Tourism Queensland Europe, c/o Aviareps Mangum,
Sonnenstraße 9,
80331 München,
Telefon 08923177177,
E-Mail info@queensland.de,
Internet www.queensland-australia.eu.
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