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31. Dezember 2010 Von Jürgen Diesner

Australisches Outback per Bustour

5000 Kilometer durch das Outback von „Down under“ - Das weitgehend menschenleere Innere des Kontinents hat sich seit Urzeiten kaum verändert

 
| Vergrößern | Magische Landschaft: Uluru, bekannt als Ayers Rock, wirkt aus der Nähe wie ein Schweizer Käse – voller Löcher, Höhlungen und Abbrüche. Fotos: Jürgen Diesner


Warum der Kontinent Australien eigentlich sehr menschen-, ja lebensfeindlich ist, warum die Aborigines, die Eingeborenen dieses Kontinents, sich im Laufe der Jahrhunderte nie zu einer Nation zusammengeschlossen hatten, das erschließt sich dem Reisenden, der diesen Kontinent durchquert, rasch: Nur die Küsten sind dicht besiedelt, das Innere ist weitgehend menschenleer. Der Grund: Das Innere Australiens, das Outback, ist weitgehend trocken und mörderisch heiß im Sommer.

Abgesehen davon, wenn der Regen kommt, dann aber mit Macht: „the big wet“, wie „the wet season“ in Australien genannt wird, die fünfte, die nasse Jahreszeit. Die beste Jahreszeit, Australien zu bereisen, ist für Mitteleuropäer, wenn sie keine Sonnenfetischisten sind, der Sommer hierzulande, mitteleuropäisch gesehen. Dann ist nämlich in Australien Winter.

Um einen ersten Ein- und Überblick über Australien zu gewinnen, ist eine Pauschalreise zu empfehlen: Als Einzelreisender ist man mit einem Jeep natürlich besser dran, da man länger dort verweilen kann, wo man möchte, kürzer, wo man gerne wegwill. Aber Neulinge auf diesem Kontinent tun sich jedenfalls im Outback schwer: Wer sich nicht auskennt, ist schnell verraten und verkauft, wenn er abseits der üblichen Pisten sein Glück versucht.

Das ist ein manchmal lebensgefährliches Unterfangen: Jedes Jahr gibt es neue dramatische Berichte darüber, was selbst Einheimischen, die sich auskennen, passiert ist, als ihr Motor versagte. Sie sind recht schnell verdurstet. Wer mit dem Auto unterwegs ist, sollte sich mit seinem Reparaturset auskennen und genügend Wasser dabeihaben. Die Autowracks, die man abseits der Highways im dürren Busch liegen sieht, legen für die Gefahren, die überall lauern, beredt Zeugnis ab. Wenige dieser Highways durchziehen das riesige Land, auf denen überdimensionierte Überlandtrucks rollen, Ozeandampfer der Fernstraßen, der Rest ist Feldweg - bestenfalls.

Eine Pauschalreise hat für den, der sich rasch einen Einblick über diesen Kontinent verschaffen will, ihre Vorteile. Sie hat aber auch ihre Nachteile: Fährt man mit einem Offroader durch Australien, findet man leichter eine Übernachtungsmöglichkeit und einen Imbiss als mit einem Bus. Mit 40 und mehr Mitreisenden reduziert sich die Zahl der Übernachtungsmöglichkeiten drastisch, ebenso die Gelegenheit, zu gleicher Zeit mit den Mitreisenden einen Snack einzunehmen.
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Ein Kapitel für sich: Die Toiletten im australischen Busch sind fast immer sehr sauber. Hier eine Sammlung von Synonymen im Daly Waters Pub. Fotos: Jürgen Diesner

Das gilt nicht für die öffentlichen Toiletten, die es in Australien an fast allen öffentlichen Plätzen gibt. Wir haben ausgerechnet, dass es für die Reise durchs Outback, die wir unternahmen, alle 200 Kilometer einen Toilettenstopp gab. 5000 Kilometer mit dem Bus machen also 25 Toilettenstopps. Meist war der Toilettenstopp mit einer Besichtigung oder einer Mittagspause verbunden, mal war es auch nur ein „japanischer Toilettenstopp“: Raus aus dem Bus, die digitale Kamera in die Landschaft gehalten, hinter dem Bus den Busch gewässert - und auf dem Foto, das man sich zuhause betrachtet, sieht man später, wo man war. Irgendwo im Nirgendwo. Vor allem sollte man sich das Kleingedruckte im Reiseprospekt genau durchlesen, wo drinsteht, mit wie viel Teilnehmern man schlimmstenfalls bei der Busreise zu rechnen hat.

Die Städte sind, wie die Städte heute fast überall auf der Welt sind: globalisiert. Jede mit dem Versuch, originell zu sein, also auf Traditionelles oder Ambitioniertes zu setzen, aber mit dem Alltag globalisierter Städte: dem Immergleichen von Einkaufscentern. Sydney: die Oper, die Brücke - selbstverständlich ein Muss. Es sieht in der Tat so aus wie im Fernsehen und keinen Deut anders. Melbourne: dito.

Das Outback dagegen ist der Blick in das ursprüngliche Australien, das sich wenig verändert hat seit dem Anbeginn der Zeiten, wie der Tourist meint: Die gigantischen Termitenhügel, die rechts und links der Highways in den Himmel ragen, das harte Spinifex-Gras, das wächst, wo sonst nichts wächst, die Oasen in der ausgedörrten Mitte Australiens, in denen der Tourist Essen und Erholung tankt, die vielen Känguruh-Kadaver am Rande der Straße, die Opfer der großen Überlandtrucks geworden sind.

Und die Begegnung mit den Ureinwohnern, den Aborigines, denen mittlerweile ein paar Rechte zugestanden worden sind in den Reservaten, in denen sie leben. Auch wenn sie mittlerweile in einigen Regionen sehr viel Geld einnehmen, so hat man als Tourist nicht den Eindruck, dass sonderlich viel bei ihnen ankommt. Wenn sie in den kleinen Dörfern der Weißen, wo die Supermärkte sind, am Rande der Einfallsstraßen hocken mit den Hunden, die sie begleiten, hat man den Eindruck, arme Hunde sind eigentlich beide, Mensch und Tier. Wenn man im Lift mit ihnen fährt, riecht es meist ein wenig streng. Das liegt nicht daran, dass die Aborigines von Natur aus weniger reinlich sind, sondern an ihrer Tradition, in der man ihnen eingebläut hat, dass Wasser kostbar ist im Outback, überlebensnotwendig: Trinkwasser. Und nicht vergeudet werden darf mit dem Reinigen des Körpers.

Das Outback verbinden nicht nur Touristen mit dem Symbol dieser Region: Ayers Rock, der heute „Uluru“ heißt. Dieser den Aborigines heilige Felsen ist ein Monolith, der sich jäh aus der Wüste erhebt. Eine Farbsymphonie: Während des Tages, wenn die Sonne aufgeht und wenn sie untergeht, changieren die Farben des Felsens binnen Minuten sehr krass. Und so monolithisch, wie der Felsen auf den vielen bekannten Fotos wirkt, ist er, sieht man ihn aus der Nähe, überhaupt nicht, sondern wild zerklüftet. Und er ist todesgefährlich zu besteigen, wie schon einige Touristen erlebten, als sie entgegen dem Rat der Einheimischen den Felsen enterten. Alice Springs ist sehr zu empfehlen, schon wegen des „Alice Springs Desert Park“, bei dem man hautnah studieren kann, was die Wüstenregionen an Bewohnern hervorbringen: Schlangen, Vögel, Säugetiere.

Hat man das Outback und Coober Pedy, wo die Minenschürfer sich der Hitze wegen tief unter der Erde eingerichtet haben, hinter sich, wird Australien wieder grün. Ein Besuch auf Kangaroo Island, wo Robben, Koalas und Känguruhs leben, ist sehr empfehlenswert für den Tierfreund.
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Australiens Ufo-Hauptstadt ist das kleine Nest Wycliff Well, das 380 Kilometer nördlich von Alice Springs liegt. Hier hat es so viele Ufo-Beobachtungen gegeben wie nirgendwo sonst in Australien.

Das Great Barrier Reef im Osten Australiens ist ein Muss für den Naturinteressierten, der „Great Ocean Drive“, die große Küstenstraße am Rande des Meeres vor Melbourne im Süden Australiens, ein Muss eigentlich für alle, die Augen haben: „Down under“, wie der Kontinent für jene heißt, die in Europa auf der anderen Seite der Erdkugel wohnen, ist eine Pauschalreise wert - und für den einen oder anderen, der auf den Geschmack gekommen ist, vielleicht auch eine zweite andere Reise.

Ein Nachtrag zur Verpflegung: Rührei mit Bohnen, Speck und Würstchen ist auf Reisen gewöhnlich mein Favorit zum Frühstück. Nach der Tour durch das Outback, wo es dieses hinreißende Gericht jeden, aber auch wirklich jeden Tag zum Frühstück gab, habe ich zuhause Rührei ein halbes Jahr nicht mehr essen können.

 


Informationen:

Beispiel für eine Bus-Flugreise, zum Beispiel mit Dertour: „Australien zum Kennenlernen“. 21 Tage, 17 Nächte ab/ bis Frankfurt. Preis pro Person ab 5489 Euro. Flug nach Sydney, Flug nach Cairns, Great Barrier Reef, Regenwald in Kuranda, Flug nach Darwin, Kakadu Nationalpark, Daly Waters, Alice Springs, Ayers Rock, Coober Pedy, Adelaide, Melbourne. Die Fahrt erfolgt in klimatisierten Reisebussen. Auskünfte im Reisebüro und im Internet unter www.dertour.de.

 
 


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