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Es ist vermutlich ein Fehler gewesen, Fotos von unserer Traumwelt in der Wohnung aufzuhängen. Von weißen Stränden, von Kokoscocktails unterm Palmendach, von erfolgreichen Fischzügen, von Meeresschildkröten. So blieb uns das letzte Jahr über nichts anderes übrig, als jeden Tag von Neuem erinnert zu werden. An jene Zeit, die noch gar nicht so lang vergangen war. Und an jene Zeit, die wir so sehr vermissen. Es war Anfang 2009, als meine Frau Nina und ich das erste Mal auf einer einsamen Insel in der Südsee gelebt haben, in Fidschis abgelegenem Osten. Auf der Landkarte sah sie aus wie ein Sandkorn, so winzig. 500 Meter lang, 200 Meter breit, umgeben von einer riesigen Lagune. Ein surrealer Ort.Wahrscheinlich hört sich das in den Ohren vieler Menschen an wie eine Spinnerei, Leben auf einer einsamen Insel. Ein verrücktes Abenteuer, dem man sich vielleicht mal hingeben kann, aber nur mit einer Portion jugendlichem Leichtsinn. Es war ja auch angelegt als eine Auszeit vom Job, und danach sollte es brav weitergehen mit dem deutschen Alltag. Dachten Nina und ich voller Überzeugung. Es ging schief. Die Sache ist die: Wir sitzen schon wieder in der Südsee, diesmal im Königreich Tonga. Erneut getrieben von der Idee, ein eigenes kleines Paradies zu finden, in dem wir eine Weile bleiben können. Die Motivation? Wir können es nicht erklären. Aus dem Abenteuer ist für uns eine Lebensart geworden.Von Tongas 170 Inseln ist der Großteil unbewohnt, über den ganzen Archipel verstreut gibt es einsame Inselketten, umschlossen von Korallenriffen. Allein die reine Flugdauer auf die Hauptinsel Tongatapu, über Los Angeles und Samoa, beträgt 25 Stunden. Trotzdem sind wir nach der langen Reise ans andere Ende der Welt nicht am Ziel angekommen. Manche Frauen tragen Blüten in den Haaren und am Straßenrand werden Mangos verkauft. Aber der Weg zur einsamen Insel ist noch weit, obwohl wir so nah dran sind. Wir müssen uns die Möglichkeiten in Tonga erst erschließen, und mit den richtigen Leuten in den zuständigen Behörden reden. In Fidschi wäre vieles einfacher gewesen, weil wir alles kennen. Aber im weit verstreuten Königreich an Inseln nur wenige hundert Seemeilen entfernt scheint es noch ein paar mehr unentdeckte Gebiete zu geben. Irgendwie verlockend.Als Basis für die Planungen dient uns in der nur 25.000 Einwohner zählenden Hauptstadt Nuku'alofa das Haus des neuseeländischen Kranfahrers Tony, dessen Arbeitgeber im Auftrag der Regierung einen neuen Hafen baut. Wir lernen Tony ganz zufällig kennen, als er an einem Sonntag auf der nahe gelegenen Insel Paingamotu mit Surfbrett unterm Arm unterwegs ist. Braungebrannt, Schildkappe verkehrt herum auf dem Kopf, 45 Jahre alt. »Habt Ihr schon eine Unterkunft?«, fragt er. »Dann kommt zu mir.« Ein echter Kiwi. Wir sind dankbar über dieses Fünkchen Glück und über diese unglaublich spontane Gastfreundschaft, die wir von ihm erfahren. Vieles andere läuft zunächst zäh.


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