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11. Dezember 2010 Von Adrian Hoffmann

Zurück auf die Insel

Aussteiger auf Zeit: Nina und Adrian Hoffmann sind auf der Suche nach einem Paradies in der Südsee

 
| Vergrößern | Ortsbesichtigung: So könnte sie aussehen, die Trauminsel – ob sie es wird, entscheidet sich erst in den nächsten Wochen. Fotos: Adrian Hoffmann


Es ist vermutlich ein Fehler gewesen, Fotos von unserer Traumwelt in der Wohnung aufzuhängen. Von weißen Stränden, von Kokoscocktails unterm Palmendach, von erfolgreichen Fischzügen, von Meeresschildkröten. So blieb uns das letzte Jahr über nichts anderes übrig, als jeden Tag von Neuem erinnert zu werden. An jene Zeit, die noch gar nicht so lang vergangen war. Und an jene Zeit, die wir so sehr vermissen. Es war Anfang 2009, als meine Frau Nina und ich das erste Mal auf einer einsamen Insel in der Südsee gelebt haben, in Fidschis abgelegenem Osten. Auf der Landkarte sah sie aus wie ein Sandkorn, so winzig. 500 Meter lang, 200 Meter breit, umgeben von einer riesigen Lagune. Ein surrealer Ort.

Wahrscheinlich hört sich das in den Ohren vieler Menschen an wie eine Spinnerei, Leben auf einer einsamen Insel. Ein verrücktes Abenteuer, dem man sich vielleicht mal hingeben kann, aber nur mit einer Portion jugendlichem Leichtsinn. Es war ja auch angelegt als eine Auszeit vom Job, und danach sollte es brav weitergehen mit dem deutschen Alltag. Dachten Nina und ich voller Überzeugung. Es ging schief.

Die Sache ist die: Wir sitzen schon wieder in der Südsee, diesmal im Königreich Tonga. Erneut getrieben von der Idee, ein eigenes kleines Paradies zu finden, in dem wir eine Weile bleiben können. Die Motivation? Wir können es nicht erklären. Aus dem Abenteuer ist für uns eine Lebensart geworden.

Von Tongas 170 Inseln ist der Großteil unbewohnt, über den ganzen Archipel verstreut gibt es einsame Inselketten, umschlossen von Korallenriffen. Allein die reine Flugdauer auf die Hauptinsel Tongatapu, über Los Angeles und Samoa, beträgt 25 Stunden. Trotzdem sind wir nach der langen Reise ans andere Ende der Welt nicht am Ziel angekommen. Manche Frauen tragen Blüten in den Haaren und am Straßenrand werden Mangos verkauft. Aber der Weg zur einsamen Insel ist noch weit, obwohl wir so nah dran sind. Wir müssen uns die Möglichkeiten in Tonga erst erschließen, und mit den richtigen Leuten in den zuständigen Behörden reden. In Fidschi wäre vieles einfacher gewesen, weil wir alles kennen. Aber im weit verstreuten Königreich an Inseln nur wenige hundert Seemeilen entfernt scheint es noch ein paar mehr unentdeckte Gebiete zu geben. Irgendwie verlockend.

Als Basis für die Planungen dient uns in der nur 25.000 Einwohner zählenden Hauptstadt Nuku'alofa das Haus des neuseeländischen Kranfahrers Tony, dessen Arbeitgeber im Auftrag der Regierung einen neuen Hafen baut. Wir lernen Tony ganz zufällig kennen, als er an einem Sonntag auf der nahe gelegenen Insel Paingamotu mit Surfbrett unterm Arm unterwegs ist. Braungebrannt, Schildkappe verkehrt herum auf dem Kopf, 45 Jahre alt. »Habt Ihr schon eine Unterkunft?«, fragt er. »Dann kommt zu mir.« Ein echter Kiwi. Wir sind dankbar über dieses Fünkchen Glück und über diese unglaublich spontane Gastfreundschaft, die wir von ihm erfahren. Vieles andere läuft zunächst zäh.
| Vergrößern |
Grafik: Dagmar Klumb

Einige Tage nach der Ankunft in Tonga geht es ein Stück weiter, im »Ministry of Lands« stoßen wir auf exzellentes Kartenmaterial der einzelnen Inselgruppen. Während ein paar Mitarbeiter im Hinterhofbüro aus Tassen Instant-Nudelsuppe löffeln, zeigt uns Abteilungsleiter Richard stolz, was er anzubieten hat.

Er zieht Klima- und Tsunami-Karten aus Kartonrollen. »Die Leute denken immer, wir wären rückschrittlich«, sagt er fast beleidigt. Die Karten in DIN-A1-Größe sind Investitionen, die sich lohnen. 50 Pa'anga pro Stück, das entspricht 20 Euro. Fortan breiten wir jeden Abend die Karten auf dem Tisch aus, unser neuseeländischer Gastgeber plant begeistert mit. Besonders interessiert sind wir an einer Inselgruppe in der Mitte Tongas, ungefähr 150 Kilometer von der Hauptinsel Tongatapu entfernt.

Der nächste Schritt wird konkret. Nina und ich teilen uns auf, um verschiedene Inseln zu besuchen. Die Fotografien, die wir im Internet recherchiert und im Ministerium eingesehen haben, reichen nicht aus, um einen Eindruck von den Begebenheiten auf den Inseln zu bekommen.

Mittlerweile könnten acht Inseln von uns für Interesse sein, alle nicht viel größer als ein Quadratkilometer. Manche sind sehr flach und haben breite Strände. Andere haben Erhebungen von bis zu 40 Meter und teilweise schroffe Klippen. Hoffentlich finden wir eine gute Mischung. Erde wäre wichtig, um einen Garten anzubauen. Der vulkanische Boden auf manchen Inseln ist bestens geeignet. Aber auch auf den sandigeren Inseln wachsen neben Unmengen an Kokosnusspalmen auch Bananen und Papaya. Wasser werden wir wie beim letzten Mal in Fidschi mit einem Regentank sammeln und vor dem Trinken abkochen.

Es kann jetzt losgehen. Wir sollten nur dringend beachten, worauf uns Richard vom Ministerium in aller Freundlichkeit hingewiesen hat: »Pflanzt kein Marihuana an.«


 
 


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