Wenn wir nicht Fotos von diesem Ereignis gemacht hätten, würden wir nicht glauben, dass es stattgefunden hat. Eines schönen Tages taucht auf einmal dieser weiße Fleck am hintersten Eck des Horizonts auf – und obwohl noch so klein, ist er umrahmt vom Blau des Meeres und wolkenlosem Himmel kaum zu übersehen. Wir gehen aufgeregt das Fernrohr holen und unsere Vermutung wird schnell Gewissheit: Es ist das gespannte Segel eines Katamarans, der auf uns zukommt.
Eigentlich, dachten wir bislang, ist unsere Insel doch viel zu abgelegen für Segler, die gerne eine direkte Route zwischen Tongas Inselgruppen wählen. Außerdem ist dieser Abstecher den meisten zu riskant – in unserer Nähe gibt es einige unübersichtliche Riffe, wo die Wellen so brutal aneinander schlagen, dass sie aus drei Kilometern Entfernung wie brodelnde Kochtöpfe aussehen. Wagemut und Erfahrung sollte man mitbringen. Das vor Jahren gekenterte Segelschiff, das in Einzelteile verstreut als Wrack bei uns im Dschungel liegt, ist in dieser Gegend nicht das erste Opfer des launischen Ozeans geworden. Einige Inseln weiter südlich hat es erst vergangenes Jahr ein französisches Segelboot erwischt, dessen Besatzung sich mit letzter Kraft an Land retten konnte.
Aber unsere Besucher kennen sich glücklicherweise bestens aus, wie wir wenig später erfahren. Eine Stunde dauert es, bis aus dem Punkt am Horizont ein mächtiger Katamaran geworden ist, der in unsere Lagune einbiegt. Die vier Segler, wie wir jetzt erkennen, steuern ihr Boot durch einen Eingang am Riff, den auch die Einheimischen immer nutzen, und setzen an einer ruhigen Stelle den Anker. Es ist ein wunderschönes Boot namens „Calamia“, das da nur wenige Meter vor uns aus dem Wasser ragt, blitzblank poliert und in der Sonne glänzend. Nina und ich sind etwas nervös und gehen voller Vorfreude an den Strand, von wo aus wir unseren ersten Yachties zuwinken.
Die Segler winken zurück, lassen sich aber Zeit, bis sie zum Landgang aufbrechen. Wir nutzen die Gelegenheit, um unsere im Garten frei laufenden Hühner zurück in ihr Gehege zu sperren und frische Eier aufzusammeln, um etwas anbieten zu können. Wir machen damit gerade Pfannkuchen, als die Besucher wie aus dem Nichts endlich vor uns stehen – sie sind in ihrem motorisierten Schlauchboot von uns unbemerkt an den Strand gedüst. Für Pfannkuchen lassen sie sich gleich begeistern.
Andrew, Malcolm, Meredith und Mary heißen unsere Gäste, allesamt Australier. Sie segeln nun schon seit mehreren Jahren zusammen durch die Südsee, ein Jahr sind sie schon in Tonga und wollen auch noch zwei dranhängen, bevor es sie weiter auf die Salomonen zieht. Eine verrückte Gruppe an jung gebliebenen Abenteurern, die uns aber für deutlich verrückter halten als sie sich selbst. Neugierig löchern sie uns mit Fragen über Details des Inseldaseins, über unsere Nahrung, Lektüre, Gemüseanbau, den Zyklon und wie viel Medizin wir dabei haben. Zum Glück können wir auch die Fragen nach der Medizin zu ihrer Zufriedenheit beantworten, denn es sind immerhin zwei Ärzte und eine Krankenschwester, die vor uns sitzen.
Überraschender Besuch vom Festland
Südsee (10): Überraschender Besuch auf der Insel: Ein Katamaran mit vier Australiern an Bord legt am Strand der Insel an – Übernachtung inklusive
Bevor wir überhaupt zum Luft holen kommen, ist es auch schon dunkel – und wir gestehen uns ein, wie sehr wir es genossen haben, mal wieder lange zu erzählen. Die Australier beschließen, über Nacht in der Lagune zu bleiben und sich am nächsten Tag von uns die Insel zeigen zu lassen. Zuerst allerdings wird uns die Yacht gezeigt. Andrew holt uns am Morgen bei Ebbe ab und wir staunen nicht schlecht, als wir die „Calamia“ von Nahem sehen. Erstens haben wir noch nie ein solch gepflegtes Segelboot gesehen, zweitens ist es beeindruckend, wie groß ein Katamaran von innen sein kann. Mit leistungsstarken Solarmodulen werden alle Gerätschaften an Bord betrieben, inklusive Kühlschrank. Die Segler haben sich um den kompletten Innenausbau selbst gekümmert, sechs Jahre harte Arbeit vor Beginn ihrer großen Reise. So macht auch der Name der Yacht einen Sinn: „Calamia“ ist ein Wort aus der Sprache der Aborigines und bedeutet Leidenschaft.
Als wir die Yacht wieder verlassen, holen die beiden Frauen auf der „Calamia“ ein Glas selbst gemachte Papayamarmelade und eine Tafel Schweizer Vollmilchschokolade aus ihrem Proviant hervor. Sie können sich gar nicht vorstellen, welche Freude sie uns damit machen – vor allem mit der Schokolade, die wir noch am gleichen Tag essen. Ein paar Stunden danach brechen wir mit den Seglern noch auf einen Schnorcheltrip außerhalb des Riffes auf, bei dem wir Korallen unterschiedlichster Arten und viele exotische Fische beobachten. So weit draußen schwimmen wir normalerweise nicht herum, wenn wir allein sind. Die Strömungen sind mitunter sehr stark.
Am Nachmittag führen wir unsere interessierten Besucher stolz auf den von uns angelegten Pfaden durch das Inseldickicht. Malcolm, der daheim in Australien eine Bananenplantage besitzt, zeigt mir voller Begeisterung, wie ich den Ertrag steigern kann und welche Bananen ich am besten gleich umhacke, damit andere besser wachsen. Mit dem Fruchtmesser ernten wir reife Papaya, bevor wir auf der anderen Seite der Insel neugierig untersuchen, was uns die jüngste Flut an den Strand gespült hat. Ein großes Bambusfloß mit einer undefinierbaren Kugel in der Mitte, durch deren Plastikgehäuse man nur ein paar winzige Solarmodule erkennen kann. Wir vermuten, dass es sich um ein Gerät handelt, mit dem die Entwicklung von Wellen und die Entstehung von Tsunamis erforscht werden soll.
Nach all den Erkundungen schafft es Nina noch, unsere schnell lieb gewonnenen Besucher zum Abendessen an Land zu halten, bevor sie am nächsten Tag die nächsten Inseln ansteuern wollen. Wir machen Reis und frisches Gemüse aus dem Inselgarten, Andrew bringt selbst gefangenen Thunfisch von der „Calamia“ mit. Drei Tage später hätte ich ihnen Makrele auftischen können, meinen bisher größten Fang auf der Insel, aber das ahne ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Unter dem Südsee-Vollmond diskutieren wir bald die Nachrichten, die die Welt erschüttern – und wie wenig doch sowohl für sie auf ihrem Katamaran als auch für uns von Belang ist. Was Andrew gleich als Überleitung nutzt, um wichtige Dinge zu besprechen. Sie wollen in zwei Monaten erneut vorbeikommen und etwas länger bleiben. Sie bringen auch wieder etwas mit, verspricht er: noch mehr Schokolade.
Als wir die Yacht wieder verlassen, holen die beiden Frauen auf der „Calamia“ ein Glas selbst gemachte Papayamarmelade und eine Tafel Schweizer Vollmilchschokolade aus ihrem Proviant hervor. Sie können sich gar nicht vorstellen, welche Freude sie uns damit machen – vor allem mit der Schokolade, die wir noch am gleichen Tag essen. Ein paar Stunden danach brechen wir mit den Seglern noch auf einen Schnorcheltrip außerhalb des Riffes auf, bei dem wir Korallen unterschiedlichster Arten und viele exotische Fische beobachten. So weit draußen schwimmen wir normalerweise nicht herum, wenn wir allein sind. Die Strömungen sind mitunter sehr stark.
Am Nachmittag führen wir unsere interessierten Besucher stolz auf den von uns angelegten Pfaden durch das Inseldickicht. Malcolm, der daheim in Australien eine Bananenplantage besitzt, zeigt mir voller Begeisterung, wie ich den Ertrag steigern kann und welche Bananen ich am besten gleich umhacke, damit andere besser wachsen. Mit dem Fruchtmesser ernten wir reife Papaya, bevor wir auf der anderen Seite der Insel neugierig untersuchen, was uns die jüngste Flut an den Strand gespült hat. Ein großes Bambusfloß mit einer undefinierbaren Kugel in der Mitte, durch deren Plastikgehäuse man nur ein paar winzige Solarmodule erkennen kann. Wir vermuten, dass es sich um ein Gerät handelt, mit dem die Entwicklung von Wellen und die Entstehung von Tsunamis erforscht werden soll.
Nach all den Erkundungen schafft es Nina noch, unsere schnell lieb gewonnenen Besucher zum Abendessen an Land zu halten, bevor sie am nächsten Tag die nächsten Inseln ansteuern wollen. Wir machen Reis und frisches Gemüse aus dem Inselgarten, Andrew bringt selbst gefangenen Thunfisch von der „Calamia“ mit. Drei Tage später hätte ich ihnen Makrele auftischen können, meinen bisher größten Fang auf der Insel, aber das ahne ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Unter dem Südsee-Vollmond diskutieren wir bald die Nachrichten, die die Welt erschüttern – und wie wenig doch sowohl für sie auf ihrem Katamaran als auch für uns von Belang ist. Was Andrew gleich als Überleitung nutzt, um wichtige Dinge zu besprechen. Sie wollen in zwei Monaten erneut vorbeikommen und etwas länger bleiben. Sie bringen auch wieder etwas mit, verspricht er: noch mehr Schokolade.
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