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Hausbau: Nina bedeckt das Grundgerüst des neuen Unterschlupfs mit frischen Palmwedeln und verknotet alles gut. Foto: Adrian Hoffmann
Es liegt mal wieder eine Portion Arbeit vor uns, aber das Vorhaben lohnt sich. Dicke, drei Meter hohe Astgabeln habe ich bereits aus dem Busch herangeschleppt, und eine Ansammlung junger Kokosnusspalmen, wo ich später Palmwedel abschlagen werde, ist auch gefunden. Wir bauen uns eine Hütte am anderen Ende unserer Insel – nach Vorbild eines tongaischen „Fale“. Eine Art Sommerresidenz. Das hatten wir schon monatelang vor, aber immer wieder vertagt.
Mit einer schweren Metallstange stoßen wir zunächst Löcher in die sandige Erde, damit die hohen Astgabeln einen guten Stand haben. Obenauf kommen gerade gewachsene Querhölzer, die wir zusätzlich mit Winden von Schlingpflanzen festbinden. Zum Schluss wird alles mit ineinander verflochtenen Palmwedeln bedeckt.
Nächste Folge
In der nächsten Kolumne, die im Juli erscheinen soll, geht es einmal rund herum um Ninas und Adrians Trauminsel. Die beiden Bewohner beschreiben, was wo zu entdecken ist und wie die Tierwelt auf diesem abgelegenen und überschaubaren Fleckchen Land aussieht.
Das Projekt hat für uns einen nützlichen Hintergrund: An dieser Stelle der Insel, an der breiten Sandspitze im Südosten, verbringen wir immer öfter Tage und Nächte. Es geht hier immer eine kühle Brise, und es ist definitiv der beste Platz zum Fischen. Da ich vorwiegend bei Dämmerung auf die Jagd gehe, bietet es sich an, die Fische gleich vor Ort auszunehmen und zu grillen. Meist ist es nämlich schon dunkel. Und mit der Taschenlampe den Kilometer zurück ans andere Ende der Insel zu laufen, wo unser eigentliches Heim steht, ist uns zu lästig.
Um einen geeigneten, beständigen Grill zu bauen, haben wir Backsteine und etwas Wellblech (was Einheimische statt Alufolie verwenden) an unseren Lieblingsstrand geschleppt, das Feuerholz decken wir mit einer Plane ab, die an den Ecken mit Steinen beschwert werden. Fertig!
Hat man den besten Platz zum Fischen einmal gefunden, läuft es im wahrsten Sinne des Wortes wie am Schnürchen. Tief muss es sein und strömungsreich, und ein Fischfilet nach dem anderen hüpft mir auf den Wellblech-Grill. Bei kommender Flut ist der Fischzug in der Regel am erfolgreichsten. Auf dem nachmittäglichen Weg dorthin spaziere ich erst mal zehn Minuten durch unseren selbst frei geschlagenen Inselpfad und sammle Köder ein – kleine Einsiedlerkrebse. Alternativ dazu kann ich auch kleine, rote Gummifische verwenden, die durch ihre auffällige Farbe und Geglitzer unter Wasser Makrelen anlocken.
In meinem „Fisch-Eimer“ findet sich alles, was ich brauche. Angelhaken in verschiedenen Größen, Leinen in verschiedener Dicke, Gewicht, spezielle Handspulen und auch Plastikflaschen, um die ich einfach Leine wickeln und sie dann auch als eine Art Angel verwenden kann. Einen Köder am Angelhaken werfe ich etwa zehn Meter weit in die Wellen, anschließend warte ich. Aber meist nicht sonderlich lange.
Die meisten Fische sind etwa ein bis zwei Kilo schwer, also ganz nette Portionen. Wenn ich auf größere aus bin, muss ich die Leine wechseln, damit sie durch die Kraft des Fisches nicht gleich reißt. Wenn uns Verwandte aus Deutschland über das Satellitentelefon anrufen, stellen sie gerne die Frage: Und, was gibt‘s Neues? Wir antworten stets mit dem Fang des Tages, Art und Größe – und jedes Mal wirken die Anrufer etwas gelangweilt. Wahrscheinlich entwickelt man auf einer einsamen Insel einfach andere Vorstellungen davon, was einem wichtig ist und was nicht.
Was mich zum Thema Fischen nebenbei auch noch brennend interessieren würde: Wie kann ich Weißspitzen- und Schwarzspitzenriffhaie von meinen besten Ködern fernhalten? Regelmäßig kommen nach wenigen Minuten schwarze Schatten herangeschnellt und zwingen mich dazu, die Leine wieder einzuholen. Dabei habe ich es nur auf Makrelen abgesehen oder mit viel Glück auf einen Barrakuda. Haie will ich nicht fischen. Nicht nur, weil das Fleisch nicht besonders gut schmecken soll. Nein, Aberglaube ist es. Wer einen Hai tötet, der wird irgendwann selbst von einem Hai getötet – so hieß es während unserer Zeit in Fidschi jedenfalls. In Tonga hat das noch keiner behauptet, nur fesselt mich diese Vorstellung nach wie vor zu sehr. Vor allem, weil mir die Haie gelegentlich besonders nahe kommen, wenn ich im Wasser wate.
An der Stelle, an der unser neues Palmdach entsteht, haben wir jetzt schon einmal vorsorglich für die ersten Sonnenuntergang-Partys eine Grillzange bereitgelegt. Außerdem natürlich Knoblauchzehen und einen Salzstreuer, es soll ja nichts fehlen. Der Fisch wird dann auf Bananenblättern serviert, stilecht. Und glücklicherweise ist unser Vorrat an Rum so groß, dass wir uns dort gelegentlich sogar einen Cocktail dazu gönnen können – wie es sich auf einer Insel gehört, meist Pina Colada mit selbst gemachter Kokosnusscreme. Danach, welch Überraschung, leuchten die Sterne am Südseehimmel doppelt so hell.
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