Die Raumstation ist direkt bei uns auf der Sandspitze gelandet. Sie leuchtet so grell, dass wir uns ohne Sonnenbrille nicht nähern können. Wenn das jemand sehen könnte, er würde sich wohl verwundert die Augen reiben. Eine Fata Morgana auf der Insel?
Jedenfalls hat das Ding nichts mit Paranoia zu tun, die infolge unserer monatelangen Einsamkeit durchaus auftreten mag.c Gerade zieht der Duft von frisch gebackenem Brot zu mir herüber, Nina kontrolliert den aufgehenden Hefeteig im Topf auf dem Drahtgestell in der Mitte. Das Prinzip dieser grandiosen Erfindung, ursprünglich für Entwicklungshilfe konzipiert, ist im Grunde ganz einfach. Mehr als 20 kleine Aluminiumplatten, im Kreis formiert, bündeln die Sonnenenergie auf einer Fläche, wo es ziemlich zügig ziemlich heiß wird – ähnlich wie bei einer Lupe. Nach circa einer Stunde ist ein 400-Gramm-Brot fertig. Ab und zu muss die Solarkonstruktion dem Sonnenstand nachgerichtet werden.
Das einzige Problem am Kocher, den wir bei einer Firma im bayerischen Feichten bestellt haben, war für uns der Transport in die Südsee. Wir wussten, dieses Teil wollen wir haben. Und die überdimensionale Satellitenschüssel lässt sich zwar platzsparend verpacken, wiegt aber trotzdem 18 Kilo. Deshalb haben wir sie für 100 Euro Versandkosten als Paket auf den Schiffsweg geschickt – nach sechs Wochen war sie angekommen. Rechtzeitig zum Start auf die Insel.
Das zweite nützliche Solargerät ist unser Energiekoffer. Solarmodule und Batterien sind schwer und deshalb für eine Reise ans andere Ende der Welt fast ungeeignet. So kam es, dass wir entschieden haben, direkt in Tonga nach Möglichkeiten zu suchen. Ein zum Scheitern verurteiltes Vorhaben, wie sich später herausstellte. Wenn uns nicht ausgerechnet ein Solarexperte über den Weg gelaufen wäre, der als Beauftragter deutscher Solarfirmen in Ozeanien tätig ist und eine lange Vorgeschichte bei der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit hat, die Solarprojekte in der Südsee fördert.
Ernst Eidt heißt der Mann, der aus dem hessischen Schlitz stammt und in Tonga von allen Enesi genannt wird. Er installiert im Inselresort Fafa, eine halbe Stunde Bootsfahrt von Tongas Hauptinsel Tongatapu entfernt, gerade eine neue Solaranlage. „Guck mal, was ich da habe“, sagt er und läuft mit mir in die Solarschaltzentrale, wo er auf einen orangefarbenen Hartschalenkoffer zeigt. „Kannste haben.“ Plus faltbares Modul mit 55 Watt Spitzenleistung. Deutsche Wertarbeit eben.
Solarparty am weißen Strand
Südsee-Kolumne (4): Die beiden Inselbewohner nutzen die Sonnenenergie, um Brot zu backen, Wasser abzukochen und elektrische Geräte wie Laptop und Satellitentelefon zu betreiben
| mehr Bilder |
Mit dem Koffer haben Nina und ich auf der einsamen Insel alles, was wir brauchen. Über einen Adapter können wir alle Geräte mit einer maximalen Eingangsspannung von zwölf Volt anschließen. So kann ich den Laptop-Akku laden, um Zeitungskolumnen zu schreiben. Den Akku der Kamera, damit wir die Zeit hier ausreichenden dokumentieren können. Den Akku des Satellitentelefons, mit dem wir im Notfall Kontakt zur Außenwelt aufnehmen können –sehr entscheidend. Einfach nur das Panel bei Sonne an die Batterie, also den Koffer, anschließen, Plus und Minus sind idiotensicher gekennzeichnet. Eine Ladeanzeige informiert darüber, wie viel Energie noch übrig ist.
Nicht zu unterschätzen: Wir können sogar einen CD-Player nutzen, den wir wiederum mit einem Mini-Bassburger verbinden. Ein umherhüpfender Lautsprecher, der in der Abendsonne am Strand für mächtig Partystimmung sorgt. Neuseeländischer Reggae hat es uns neuerdings angetan, der passt so gut auf die Insel. Für gute Zeiten.
Nicht zu unterschätzen: Wir können sogar einen CD-Player nutzen, den wir wiederum mit einem Mini-Bassburger verbinden. Ein umherhüpfender Lautsprecher, der in der Abendsonne am Strand für mächtig Partystimmung sorgt. Neuseeländischer Reggae hat es uns neuerdings angetan, der passt so gut auf die Insel. Für gute Zeiten.
Dieses Thema kann nicht kommentiert werden.


Merken
|













