Die Orientierung auf der Insel ist so eine Sache. Immer wieder in den ersten Monaten bin ich auf dem Weg durch den Dschungel an der gleichen Stelle rausgekommen, wo ich Stunden zuvor mit einer Machete bewaffnet losgezogen war. Dann war viel Mühe umsonst - und meine Laune gesunken. Neuerdings, seit ich auf diesen Erkundungstouren einen Kompass mitnehme, klappt es besser. Endlich bekommen wir einen wirklichen Überblick über den doch eigentlich von der Fläche her überschaubar großen Ort (30 Hektar) an dem wir immerhin seit einem halben Jahr leben.
Hinter unserer Hütte startet der hart erarbeitete Pfad, der in Schlangenlinien durch das gesamte Inselinnere bis an die auf der Südostseite gelegenen Sandspitze führt. Anfangs geht es hinauf zum höchsten Punkt, den wir erreichen können: bescheidene zehn Meter. Von dort gelangen wir zu einer Ansiedlung von Noni-Bäumen. Ungefähr jeden zweiten Tag treten wir barfuß in am Boden liegende, überreife Früchte. Die heilende Wirkung, von der manche Menschen überzeugt sein mögen, hat sich uns leider noch nicht erschlossen. Das Zeug stinkt erbärmlich und ich würde es nicht unter Zwang essen.
In der nächsten Kolumne, die im August erscheint, gibt es Abwechslung. Speerfischer kommen zu Besuch auf die Insel und bringen einen ordentlichen Fang zum Abendessen mit.
Nächste Station ist eine Lichtung, die früher von Fischern als Pandanus-Plantage genutzt wurde. Noch heute wachsen hier viele der exotischen Bäume, deren Stämme eine Art Wurzelzelt bilden und sich wild verzweigt in den Boden bohren. Die dornigen Blätter verarbeiten die Frauen in den Dörfern zu Matten.
Durch einen Wald von Kokosnusspalmen geht es zu einem längeren Strandstück, an dem wir besonders gerne innehalten. Hier haben wir schon an einigen Nachmittagen junge Mantas und Teufelsrochen beim Schwimmen beobachten können. Sie scheinen das seichte Wasser zu mögen. Watet man ihnen entgegen, kommen sie neugierig nah heran.
Die Tierwelt im Korallenriff ist faszinierend, aber ebenso auf der Insel. Gehen wir den Pfad bis ans Ende, stoßen wir auf einen etwa 20 Meter hohen Baum, an dessen Äste ungefähr 100 Flughunde hängen. Offensichtlich ihr Basislager. Die Tierchen, die einen Pelz um ihren Hals tragen, sehen wir vor allem in den Abendstunden überall umherfliegen, vor allem in der Nähe von Papayas, deren Blüten sie bestäuben.


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