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09. Juli 2011 Von Adrian Hoffmann

Mit dem Kompass durchs Dickicht

Südsee (8): Die zwei deutschen Insulaner erforschen das Eiland und erfreuen sich an der Schönheit der unberührten Natur

 
| Vergrößern | Tropenabenteuer: Nina erkundet eine ehemalige Pandanus-Plantage auf der Insel. Foto: Adrian Hoffmann


Die Orientierung auf der Insel ist so eine Sache. Immer wieder in den ersten Monaten bin ich auf dem Weg durch den Dschungel an der gleichen Stelle rausgekommen, wo ich Stunden zuvor mit einer Machete bewaffnet losgezogen war. Dann war viel Mühe umsonst - und meine Laune gesunken. Neuerdings, seit ich auf diesen Erkundungstouren einen Kompass mitnehme, klappt es besser. Endlich bekommen wir einen wirklichen Überblick über den doch eigentlich von der Fläche her überschaubar großen Ort (30 Hektar) an dem wir immerhin seit einem halben Jahr leben.
Hinter unserer Hütte startet der hart erarbeitete Pfad, der in Schlangenlinien durch das gesamte Inselinnere bis an die auf der Südostseite gelegenen Sandspitze führt. Anfangs geht es hinauf zum höchsten Punkt, den wir erreichen können: bescheidene zehn Meter. Von dort gelangen wir zu einer Ansiedlung von Noni-Bäumen. Ungefähr jeden zweiten Tag treten wir barfuß in am Boden liegende, überreife Früchte. Die heilende Wirkung, von der manche Menschen überzeugt sein mögen, hat sich uns leider noch nicht erschlossen. Das Zeug stinkt erbärmlich und ich würde es nicht unter Zwang essen.

Nächste Folge

In der nächsten Kolumne, die im August erscheint, gibt es Abwechslung. Speerfischer kommen zu Besuch auf die Insel und bringen einen ordentlichen Fang zum Abendessen mit.


Nächste Station ist eine Lichtung, die früher von Fischern als Pandanus-Plantage genutzt wurde. Noch heute wachsen hier viele der exotischen Bäume, deren Stämme eine Art Wurzelzelt bilden und sich wild verzweigt in den Boden bohren. Die dornigen Blätter verarbeiten die Frauen in den Dörfern zu Matten.
Durch einen Wald von Kokosnusspalmen geht es zu einem längeren Strandstück, an dem wir besonders gerne innehalten. Hier haben wir schon an einigen Nachmittagen junge Mantas und Teufelsrochen beim Schwimmen beobachten können. Sie scheinen das seichte Wasser zu mögen. Watet man ihnen entgegen, kommen sie neugierig nah heran.
Die Tierwelt im Korallenriff ist faszinierend, aber ebenso auf der Insel. Gehen wir den Pfad bis ans Ende, stoßen wir auf einen etwa 20 Meter hohen Baum, an dessen Äste ungefähr 100 Flughunde hängen. Offensichtlich ihr Basislager. Die Tierchen, die einen Pelz um ihren Hals tragen, sehen wir vor allem in den Abendstunden überall umherfliegen, vor allem in der Nähe von Papayas, deren Blüten sie bestäuben.
| Vergrößern |
Ausblick am Strand. Foto: Nina Hoffmann
Vom „Flughunde-Baum“, wie wir ihn getauft haben, ist es nur noch ein paar Schritte zur Sandspitze, an der ich gerne fische und die wir in der Zwischenzeit, weil wir uns so oft hier aufhalten, mit einigen jungen Kokospalmen bepflanzt haben. Wir wollen der Natur ein bisschen nachhelfen. Als Zyklon-Geschädigte wissen wir außerdem, wie wichtig gutes Wurzelwerk an Stränden ist, damit bei einem Sturm nicht alles von den Wassermassen davon gespült wird. Auch das Riff erholt sich glücklicherweise: In Felspools, die bei Ebbe begehbar sind, bilden sich erste Korallen nach.
Etwa in der Mitte zwischen Südost- und Nordwestspitze der Insel findet sich eine weitere Sehenswürdigkeit. Von dort haben wir erneut einen Pfad geschlagen, dieser führt etwa 100 Meter ins Dickicht hinein. Bisher noch eine Sackgasse, die uns aber an das von uns vorläufige Ziel führt: einen etwa 15 Meter hohen, mehrfach verzweigten Palmfarn. Das Gewächs, das an das Zeitalter der Dinosaurier erinnert, hat einen ungewöhnlich dicken Stamm und gefiederte Blätter. Unweit vom Stamm entfernt haben wir einige Ableger gefunden und sie gleich ausgegraben, um sie in der Nähe des Gemüsegartens zu pflanzen.
Letzter botanischer Stopp auf dem Weg zurück zur Hütte ist ein großes Taro-Feld, dass versteckt hinter Gestrüpp liegt. Die jungen Blattstiele kann man als Gemüse kochen, was wir auch schon probiert haben und was ganz gut zur Kokosnusscreme geschmeckt hat. Die breiten Taro-Blätter kann man zu einem ganz natürlichen Regenschirm umfunktionieren. Allerdings bevorzugen wir es wie die meisten Menschen in Tonga, wenn der Regen direkt auf uns herabprasselt. Ich habe noch nirgends Leute gesehen, die so begeistert klatschnass werden. Manche reiben sich bei Platzregen sogar die Haare mit Shampoo ein und gehen dann so durch Tongas Hauptstadt spazieren.

 
 


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