Die Natur in der Südsee lässt sich nicht einschüchtern. Bäume und Pflanzen auf unserer Insel sind nach dem Zyklon, der unseren Archipel heimgesucht hat, über Nacht wiederauferstanden. Überall ragen grüne Triebe in die Höhe, viele Bananenstauden und Papayas tragen schon die nächsten Früchte. Nur das Gemüse im Garten braucht etwas länger – aber immerhin, Gurken, Tomaten und Chinakohl sind fast reif zur Ernte. Besonders freut uns, dass zu unserem Gartenglück bald auch Wassermelonen beitragen, mit denen wir nicht gerechnet hätten.
Ein Überraschungsbesuch ist es, der sie uns beschert. Wir schrecken auf, als wir eines Tages in der Ferne ein Geräusch vernehmen, dass sich vom gewohnten Wellenrauschen unterscheidet. Der Motor eines Fischerbootes, das wir nur als kleinen Punkt außerhalb vom Riff erkennen.
In der nächsten Kolumne, die im Juni erscheinen soll, geht es darum, wie und wo die beiden Inselbewohner Fische fangen – ohne ein Boot ist das nicht leicht. Außerdem haben es ständig Riffhaie auf die besten Köder abgesehen.
Dorfchef Tevita steht wenige Minuten später am Strand. Er drückt mir zwei dicke Snapper in die Hand, und jene riesige, wunderschöne Wassermelone. Wir gestikulieren erfolgreich und ich bedanke mich artig. Ich frage mich allerdings, wie Tevita es wohl geschafft hat, mit einer glühenden Kippe im Mund ins Meer zu springen, durch das tiefe Wasser zu waten, seinen Fang zu überreichen, wieder zurück zu schwimmen, und mit der gleichen glühenden Kippe im Mund den Motor zu starten und die Lagune zu verlassen. Die Melone zerlegen Nina und ich gleich nach dem Snapper-Menü mit der Machete und schlingen sie in großen Stücken herunter – die Samen kommen zum Trocknen in die Sonne.
Dem Garten gilt in dieser Phase des Inseldaseins unsere ganze Aufmerksamkeit. Es geht uns wie den Hobbits: Wir mögen es, Dinge wachsen zu sehen. Als besonders wichtig stellt sich ein Sonnenschutz für die Pflänzchen heraus. Wir erinnern daran, wie die Einheimische dieses Problem beheben. Im Inseldschungel gehe ich auf Suche nach Astgabeln und Querästen, während Nina an Kokosnusspalmen die passenden Blätter auswählt, die später auf knapp halbe Meter hohe Gerüste gelegt werden und Schatten geben sollen.
Besonders ausgeklügelt ist an einem unsere Beete die dringend notwendige Wasserversorgung. Man glaubt es kaum, aber wir finden im unwirtlichen Dickicht eine kaputte Kühltruhe, die wir kurzerhand zur Wassertonne umfunktionieren. Einfach eine Plane darüber gespannt, und schon platscht der Regen hinein. Die Kühltruhe muss aus einem Segelboot stammen, denn wenige Meter weiter finden wir einen etwa 15 Meter hohen Mast. Vor zehn Jahren sollen Segler bei einem Sturm am Riff gekentert sein. Mysteriöse Sache.


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