In einer Hafenbar in Tongas Hauptstadt Nuku’alofa hatte uns ein Segler vor fast einem Jahr im Scherz zugeflüstert: „Ihr seid doch sicherlich verrückte Schatzsucher, oder?“ Ich hätte nicht im Traum daran gedacht, dass er so nahe dran an der Wahrheit lag.
Wir haben bloß noch keine Schatzkarte, die uns den Weg weist. Wir wissen allerdings mit ziemlicher Sicherheit, dass es auf unserer kleinen Insel etwas Bedeutendes zu finden gibt. Vermutlich kein Gold, aber einen historischen Schatz, der viel Aufschluss über die Geschichte der frühen Südseebewohner geben könnte. Unfassbar!
In der nächsten Folge, die im November erscheint, geht es um den bevorstehenden Abschied von der Insel. Ein Jahr in der Südsee neigt sich dem Ende zu.
Der Hinweis kam über das Gesuch nach einem Bootstransport in einem Tonga-Newsletter. Wir hatten inseriert, weil Freunde uns besuchen wollten. Der Besitzer eines kleinen Resorts auf der Hauptinsel Tongatapu entdeckte die Notiz und kontaktierte uns über die E-Mail-Adresse von Ninas Eltern, die gelegentlich auf unserem Satellitentelefon anrufen. Zusammen mit einem Archäologen sei er vor einiger Zeit für ein paar Tage auf unserer Insel gewesen, schrieb er – um nach Spuren aus ferner Vergangenheit zu suchen. Sie seien leider nicht fündig geworden. Aber vielleicht würden wir erfolgreich sein, so seine Hoffnung.
Was auf der Insel verborgen sein muss, sind in Stein geritzte Zeichen, sogenannte Petroglyphen. Dass sie da sein müssen, geht aus einer Überlieferung Anfang des vergangenen Jahrhunderts hervor. Zu dieser Zeit betrieben Einheimische eine Kopraplantage; der Grund dafür, warum so viele Kokosnusspalmen wachsen. Die Nüsse werden geröstet, zu Kokosraspeln und -öl verarbeitet und exportiert. Das Geschäft hat sich irgendwann nicht mehr rentiert, weil die Insel zu weit abgelegen ist, und so wurde sie wieder einsam.
Aber irgendwann zuvor hat jemand ungewöhnliche Zeichen in Felsen entdeckt. Etwa 30 Zentimeter große Symbole, darunter eine Sonne, Menschen, ein Auge, von dem drei Fingern abstehen, und einiges mehr. Die Angaben von damals sind nicht genau und auch nicht richtig dokumentiert. Der Archäologe hofft darauf, dass es vielleicht noch mehr zu finden gibt. Sehr ähnliche Zeichen hat man auch in Hawaii entdeckt. Welche Bedeutung haben solche Zeichen? Wie hängen sie zusammen? Wurden sie zur Navigation genutzt? Jedenfalls freuen wir uns darüber, dass Menschen offenbar schon vor 500 bis 1000 Jahren, so die wissenschaftliche Schätzung, hier waren. Wir sind nur noch mit Spaten und Besen unterwegs, um Sand wegzuschaufeln und wegzukehren.


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