Einmal aussteigen auf Zeit? Alleinsein? Am liebsten in der Südsee? Adrian Hoffmann (28) wird mit seiner Ehefrau Nina ab Dezember auf einer einsamen Insel in der Südsee leben, genauer: Tonga, Ha´apei Group. Über dieses Jahr in Abgeschiedenheit - die nächste bewohnte Insel ist 40 Kilometer entfernt - schreibt der Redakteur der Heilbronner Stimme für das ECHO eine regelmäßige Kolumne über seine Abenteuer zwischen Kokosnüssen und Korallenriff. Das Ziel der Crazy Castaways, wie sie von ihren Freunden mittlerweile genannt werden, ist es, möglichst autark zu leben. Ihre Geschichten werden künftig im Reiseteil unseres SonntagsEcho zu lesen sein.
Adrian Hoffmann: Knapp daneben. Malo e Lelei sagt man hier.
ECHO: Warum überhaupt suchen Sie und Ihre Ehefrau das freiwillige Robinson-Crusoe-Leben? Und vor allem: Wie kommt man aus dem System Alltag heraus?
Hoffmann: Die Lust am Abenteuer ist es wohl. Sich selbst etwas aufzubauen. Eine kleine Hütte, einen kleinen Garten. Und das in der absoluten Abgeschiedenheit und Unberührtheit. Aus dem System Alltag kommt man nur heraus, wenn man es wirklich will. Wohnung auflösen, Auto verkaufen. Die ganzen Verträge loswerden. In Deutschland gibt es jede Menge zu kündigen, das erforderte langfristige Organisation. Wer dann zum Schluss in den Flieger steigt, hat es geschafft.
ECHO: Was nimmt man auf eine einsame Insel mit, wenn diese übliche Frage mal ernst gemeint sein darf?
Hoffmann: Es geht hier tatsächlich ums Überleben. Deshalb fallen Bücher und Süßigkeiten nicht unter die Top drei. Viel wichtiger: Wasserkanister, Regentank, Macheten, Werkzeug für Hüttenbau, Angelhaken, eine ganze Menge an Sonnenschutz. Und etwas zu Essen wäre auch noch ganz gut.
ECHO: Wie findet man sie, die Insel des Vertrauens? Und wie lässt sich auf ihr überleben? Angst vor Kokusnüssen?
Hoffmann: Am Anfang muss man sich erst einmal einen Überblick über die Inselwelt verschaffen. Mit guten Karten und einem Boot. Uns geht es bei unserer Suche vor allem um den Aspekt, möglichst weit weg von allem anderen zu sein. Ob wir überleben oder nicht, ist eine gute Frage. Man sollte Respekt vor der Natur haben und muss ja nicht jeden Tag vor einem Hai herum schwimmen oder sich direkt unter eine Palme mit reifen Kokosnüssen setzen.
ECHO: Sie hatten ja zusammen mit Ihrer Frau Nina 2008/2009 bereits ein ähnliches Experiment auf einer abgelegenen Fidschi-Insel gewagt und darüber in einem Blog berichtet. Was haben Sie seinerzeit an Erfahrung gewonnen für unseren Alltag in Deutschland und an Erfahrung für neue Fernreisen?
Hoffmann: Wir hatten unmittelbar nach unserer Zeit auf Fidschi gehofft, an Gelassenheit gewonnen zu haben. Vielleicht war das ja wirklich so. Sonst hätten wir wahrscheinlich nicht schon nach einem Jahr entscheiden können: Ach, wir gehen mal wieder. Für weitere Fernreisen haben wir gelernt, dass Dinge schief gehen. Es lässt sich nicht alles bis ins Detail planen. Aber es ergeben sich immer neue Möglichkeiten.
ECHO: Sie sind für Ihre Fidschi-Berichterstattung sogar von dem Outdoor-Unternehmen Globetrotter zum »Globetrotter des Jahres« gekürt worden. Ihr Zeitvertreib auf den Fidschis sei ein Musterbeispiel für modernes Sehnsuchts-Management. Was ist das für eine Sehnsucht, die Sie antreibt?
Hoffmann: Die Sehnsucht nach der Insel. Es ist schwer zu erklären, aber das Leben in einer unbewohnten Lagune kommt unserer Vorstellung vom Paradies am nächsten.
ECHO: Jetzt aber mal Hand aufs Herz? Was werden Sie im Paradies am meisten aus Deutschland vermissen? Die Fußball-Bundesliga oder das Bier?
Hoffmann: Beides. Man kann eben nicht alles haben. Mein neuer Sport ist Angeln. Mein Bierersatz Pina Colada mit selbstgemachter Kokosnusscreme.
ECHO: Wir sind gespannt, was Sie uns berichten werden. Ein herzliches Malo e Lelei nach Tonga.


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