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30. Oktober 2010

Oman - Im Reich der Düfte

Rundreise von der Hauptstadt Muscat durch die Berge und in die Wüste - Im Land des Weihrauchs wird das teuerste Parfüm der Welt hergestellt

 
| Vergrößern | Edle Essenzen: Eine Arbeiterin in der „Amouage“-Fabrik in Muskat füllt das Parfüm in die Fläschchen. Foto: Norbert Bartnik

Die Düfte sind überall - im Souk, in den Läden, in den Hotels und sogar schon in der Flugzeugtoilette von Oman Air. Dort geben Duftspender von »Amouage« einen ersten Eindruck des Parfüms, das als teuerstes der Welt gilt.

Schon für Reisende des Altertums, wie zum Beispiel die Heiligen Drei Könige waren Weihrauch und Myrrhe neben Gold die edelsten Mitbringsel. Das getrocknete Harz des Weihrauchbaums, das im Süden des Omans gewonnen wird, ist noch immer einer der wichtigsten Ausfuhrartikel des Landes, auch wenn die wirtschaftliche Bedeutung verglichen mit Erdöl und Erdgas heute gering ist. Als der Pariser Parfümdesigner Guy Robert 1983 damit beauftragt wurde, einen neuen Duftstoff zu entwickeln, in dem sämtliche Wohlgerüche des Oman vereint sein sollten, spielten auch Weihrauch und Myrrhe eine wichtige Rolle. »Amouage«, so der Name der edlen Essenz, gibt es heute in über 20 Duftnoten. »Parfüm muss der Mode folgen, und die Mode ändert sich«, sagt Verkaufsmanager Francis Olivio d'Souza, der die Besucher durch die Produktionsstätte am Rande der omanischen Hauptstadt Muscat führt. Dort kann man alle Duftvarianten probieren, jeweils unterbrochen von einem kurzen Schnuppern an einem Töpfchen mit Kaffeebohnen, das - so d'Souza - »einen Reset der Nase« bewirkt, damit sie für neue Sinneserfahrungen offen ist.

Während die von Weihrauch, Amber, Patchouli und Sandelholz dominierten Klassiker eher auf dem arabischen Markt verbreitet sind, werden für die westliche Welt leichtere Düfte angeboten.

Der Reiferaum der Parfümfabrik erinnert mit seinen Metallbottichen an einen Winzerbetrieb. »Parfümherstellung hat große Ähnlichkeit mit der Weinherstellung«, sagt d'Souza. »Auch bei uns kommt es auf die Auswahl der richtigen Sorten an, dann muss das Parfüm eine bestimmte Zeit reifen, bis es schließlich gefiltert und abgefüllt wird.« Allerdings geschieht das hier in winzigen Mengen und stets in Handarbeit.

Auch im profanen Alltag des arabischen Landes spielen Wohlgerüche eine wichtige Rolle. »Omanis haben einen Ekel vor Schweiß und anderen unangenehmen Gerüchen. Ein Käse, der entsetzlich stinkt, das wäre für sie unvorstellbar«, erzählt Reiseleiterin Anett Kaser. Die Berlinerin ist vor zwölf Jahren in den Oman gekommen und wollte dort ursprünglich nur für eine Saison arbeiten. Aber das Land hat sie derart fasziniert, dass sie auf Dauer geblieben ist und schon viele deutschsprachige Gruppen bei ihren Rundreisen begleitet hat.

Die beginnen in der Regel in der Hauptstadt Muscat, die sich über 60 Kilometer an der Küste entlangzieht und neben modernen Geschäftsvierteln auch eine historische Altstadt mit einem weitläufigen Souk besitzt. In den überdachten Gassen, in dem die Stoff-, Gewürz- und Schmuckhändler ihre Waren anbieten, bilden die Touristen noch eine Minderheit. Verglichen mit den Basaren anderer arabischer Großstädte herrscht hier eine ursprüngliche Atmosphäre. Man kann in aller Ruhe schauen und staunen, ohne von nervigen Verkäufern in die Läden gezerrt zu werden.
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Foto: Norbert Bartnik

Aber natürlich kaufen auch die Touristen gerne ein, insbesondere die gängigen Duftstoffe wie Weihrauch, Sandelholz und Myrrhe. Beim Weihrauch gibt es unterschiedliche Qualitäten, die hellen Stücke sind hochwertiger als die dunklen. Auch die dazu passenden Weihrauchbrenner gibt es in vielen Varianten und Preislagen.

Den schönsten Blick auf die Stadt genießt man von der Seeseite: Bei einer Fahrt mit einer nachgebauten Dhau geht es an portugiesischen Festungsbauten, alten Handelshäusern und dem Al-Alam-Palast, der Stadtresidenz von Sultan Qaboos, vorbei bis zu den Prunkhotels am südlichen Stadtrand.

Bei einer dreitägigen Rundfahrt mit dem Geländewagen lernt man die schönsten Landschaften im Nordteil des Landes kennen. Von Maskat geht es nach Nakhl, wo eine der größten Festungen des Oman vor der Kulisse des Jebel-Akhdar-Gebirges auf einem Felssporn thront. Der mit persischen Motiven versehene Bodenbelag der Gemächer stammt aber nicht aus dem Iran, sondern aus Plauen. Wer die Teppiche an den Ecken umdreht, findet dort einen Aufnäher mit der Aufschrift »DDR Textil, mottenecht, 100 % Schurwolle«. Reiseführerin Anett hat eine Erklärung für diese Kuriosität: »Als die Wende kam, hatte man in der DDR-Fabrik ein Überangebot an Teppichen, da haben die Omanis zugegriffen.«

Auch einen Harem gab es in der Festung von Nakhl. Die damit verbundenen Fantasien der Europäer gingen aber völlig an der Realität vorbei, meint Anett. »Die Vorstellung, dass sich der Mann immer die Allerschönste rausgesucht hat, ist einfach Nonsens. Es heißt, wer vier Frauen hat, hat auch vier Leben. Er muss alle gleich lieben und alle gleich versorgen.« Das kann sehr mühsam und sehr kostspielig sein. Daher geht auch im Oman heute der Trend zur Einehe - und gegebenenfalls zur Freundin nebenbei.

Nach einer Rast an den warmen Quellen von Nakhl führt die Fahrt hinauf in die Berge. Auf hoppeligen Offroad-Pisten, an Abgründen vorbei und immer mal wieder mit Blick auf kleine Dörfer in den Tälern und üppig grüne Palmenhaine geht es nach Nizwa. Dorthin könnte man zwar auch über die Autobahn gelangen, aber das wäre zu gewöhnlich. Oman-Touristen erwarten einen Hauch von Abenteuer.

Im Zentrum der Stadt erhebt sich die von einem massiven Rundturm gekrönte Festung aus dem 17. Jahrhundert, die mit ihrem ausgeklügelten Verteidigungssystem viele Widersacher abschreckte. Durch schmale Schächte ließen die Verteidiger der Festung kochendes Dattelöl auf die Angreifer rieseln, die sich an den Toren zu schaffen machten.
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Foto: Norbert Bartnik

Nach einer Übernachtung in Nizwa folgt am nächsten Tag das Wüstenabenteuer, der Höhepunkt dieser Reise. Die Wahiba-Wüste ist zwar mit einer Ausdehnung von 80 mal 160 Kilometer relativ klein, aber mit ihren rötlichen Sanddünen voller Reize. Die Fahrer machen sich einen Spaß daraus, die Geländewagen in wilden Schwüngen die Dünen hinauf- und hinunterzujagen. Ab und zu sieht man Hütten der Beduinen, ein paar Kamele und vereinzelte Bäume, ansonsten dominieren die traumhaften Formationen des Sandes.

Übernachtet wird in einem Zeltlager im Tal, zuvor steht noch ein Blick auf den Sonnenuntergang auf dem Programm. Nach dem Büfett unter dem Sternenhimmel kann man - ein seltsamer Luxus in der Wüste - noch ein mitternächtliches Bad im Swimmingpool genießen. Alkoholische Getränke gibt es im Camp nicht, aber die sind auch nicht nötig. Die Atmosphäre allein ist berauschend genug.


 
 


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