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19. Dezember 2009  | Von Norbert Bartnik

Philippinen

Besonders für Schnorchler und Taucher ist die Inselwelt ein Paradies

 
| Vergrößern | Magischer Ort: Die Kayangan Bay vor Coron Island. Foto: norbert bartnik


Irgendjemand muss sie wohl gezählt haben. Aus 7107 Inseln bestehen die Philippinen nach offiziellen Angaben, eine davon ist Dimakya Island, ein in der Nähe der größeren Insel Busuanga gelegenes tropisches Paradies mit Sandstrand, Palmen, Korallenriffen und vielen weiteren Attributen, die einen Traumurlaub garantieren.

Ein perfekter Tag in der philippinischen Inselwelt könnte so aussehen: Zunächst ein ausgiebiges Frühstück auf der Terrasse des Re sorts, dann geht es mit dem Auslegerboot zu der unbewohnten Insel Diatoy, vor deren Küste man stundenlang im dreißig Grad warmen Wasser schnorcheln und die bunt schillernde Unterwasserwelt bewundern kann: Blau, gelb, rot und orange leuchtende Korallen, darüber die seltsamsten Fische, mal stromlinienförmig, mal dick und pummelig, mal spitz und dünn, unzählige Launen der Natur.

Später liegt man unter Sonnenschirmen am Strand, die Mannschaft serviert ein kleines Mittagsmenü, und schließlich geht es weiter zum nächsten Riff. Und wieder versinkt man im Zauber der Korallenlandschaft, deren farbenprächtige Bewohner zum Greifen nah sind. Mit viel Glück kann man mitunter sogar einen Dugong sehen, der zur Familien der Seekühe gehört. Als das Boot in der Dämmerung wieder nach Dimakya zurückkehrt, starten dort gerade die Fliegenden Hunde, die den Tag über an den Bäumen gehangen haben, mit viel Geschrei zum abendlichen Rundflug. Vielleicht unternimmt man dann noch einen kleinen Spaziergang zur Aussichtsplattform in der Mitte der Insel oder bestaunt die Warane, die gemütlich über den Weg zu einem kleinen Tümpel spazieren. Das Abendessen wird bei Fackelschein am Strand serviert, dazu zeigen Mitarbeiter des Resorts einen traditionellen Feuertanz.

Mitunter gesellt sich Resortchef Jürgen Warnke zu den Gästen und erzählt, wie es ihn in die philippinische Inselwelt verschlagen hat. Warnke stammt aus dem Emsland, in den sechziger Jahren baute er in Hongkong eine Handelsfirma auf und war als Repräsentant des Textilunternehmens Steilmann viel in Südostasien unterwegs. ,,Irgendwann bin ich mal auf dieser Insel gelandet. Da dachte ich sofort: Das ist es." Es dauerte allerdings noch einige Zeit, bis er den Plan realisieren konnte. 1988 wurde der Pachtvertrag für die Insel abgeschlossen, 1990 war die Eröffnung des Resorts.
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Anker auswerfen vor einer von vielen unbewohnten Inseln rund um Busuanga.

Honeymooner aus Korea, aber auch viele DeutscheWarnke besaß zwar keine Erfahrungen in der Hotelbranche, aber der ,,Club Paradise" hatte Erfolg. Allerdings war eine lange Durststrecke zu überwinden. Nach Anschlägen islamistischer Rebellen in den Jahren 2001 und 2002 gab das Auswärtige Amt eine Reisewarnung für die Philippinen aus. ,,Das war eine schlimme Zeit. Da waren wir hier manchmal ganz alleine", erinnert sich Warnke. Seit 2006 geht es wieder aufwärts. Die meisten Gäste kommen aus Südostasien, aber auch viele Deutsche schätzen die Idylle auf der nur knapp 20 Hektar großen Insel. ,,Die Honeymooner aus Korea bleiben im Durchschnitt zwei Nächte, die Deutschen dagegen zwölf Nächte", sagt Warnke.

Die Korallenriffe rund um die Philippinen zählen zu den reizvollsten Tauchgründen der Welt. Das Dugong Dive Center, das seinen Sitz auf Dimakya Island und im ,,El Rio y Mar"-Resort auf Busuanga hat, bietet Tauchkurse und Exkursionen zu vorgelagerten Riffen an. Eines der schönsten ist das drei Bootsstunden entfernte Apo Reef. Taucher schwärmen von der sechzig Meter abfallenden Felswand, an der man Schildkröten, Rochen und die harmlosen Riffhaie beobachten kann, oft aber auch Hammerhaie und Barrakudas, bei denen Vorsicht angebracht ist.

Aber auch auf den Philippinen sind nicht mehr alle Riffe ökologisch intakt. Nicht nur die Dynamitfischerei, sondern auch der lautlose Einsatz der Chemikalie Cyanid haben einige Unterwasserregionen geschädigt. Schon lange gibt es Erziehungsprogramme der Regierung, aber besser ist der persönliche Kontakt. Menchie R. Almirol, Tauchlehrerin im Dugong Dive Center, hat die Fischer in den Küstenorten auf Busuanga besucht, um ihnen klarzumachen, dass sie mit Dynamit und Cyanid zwar kurzfristig mehr Fische fangen, aber auf Dauer ihre Lebensgrundlage zerstören. Die Mahnungen hatten offenbar Erfolg. Außerdem haben viele Dorfbewohner Arbeit in den Touristenresorts gefunden.

Die Tagbanuas auf Coron Island bleiben dagegen auf Distanz zum Tourismus. Die Ureinwohner der südlich von Busuanga gelegenen Insel genießen einen Sonderstatus und wollen ihre heiligen Orte bewahren. Für Besuchergruppen zugänglich ist nur der Kayangan Lake. Von der Bootsanlegestelle an der Kayangan Bay muss man über einen Treppenweg zu einem Felsgrat aufsteigen, von wo sich ein prachtvoller Blick über die im Meer verteilten Felsbrocken bietet. Nach dem Abstieg auf der anderen Seite des Grats erreicht man den Binnensee, der sich durch besonders klares und sauberes Wasser auszeichnet. Es lohnt sich, einen Schnorchel mitzunehmen. Zwar gibt es hier keine sonderlich markanten Fische, die spitzen Kalksteinformationen unter Wasser erwecken aber den Eindruck einer gefluteten Tropfsteinhöhle. Der von steil aufragenden Felswänden umgebene See hat eine traumhafte Akustik. Vogelstimmen und das Geplätscher im Wasser hallen von den Wänden zurück. Aber man scheut sich davor, durch laute Rufe ein Echo herauszufordern. Einem heiligen Ort soll man so etwas nicht antun.

Zurück an der Bucht erklärt Rodolfo C. Aquilar, Stammesführer der Tagbanuas, warum man die anderen Süßwasserseen auf Coron Island nicht besuchen darf: ,,Da leben Ungeheuer in der Tiefe, die darf man nicht stören, sonst entsteht ein großes Unheil". Auch mit dem Riesenoktopus, der eine kleine Felseninsel bewache, sei nicht zu spaßen.

Auch wenn die Tagbanuas noch immer ihre traditionelle Lebensweise pflegen, profitieren sie doch vom Tourismus. Besucher der Insel müssen eine kleine Gebühr entrichten. Viele Einheimische fertigen Körbe und Bastmatten, die in der gegenüberliegenden Stadt Coron auf Busuanga verkauft werden. Den größten Ertrag bringen die Schwalbennester, die die Stammesangehörigen von den Felsklippen holen. ,,Die Chinesen zahlen viel Geld dafür", sagt Aquilar.
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Ankunft im Paradies auf Dimakya Island. Fotos: norbert bartnik

In der Meeresenge zwischen Busuanga und Coron Island gibt es viele Tauch- und Schnorchelgründe und Badestellen. Da kann man zum Beispiel - je nach Stand der Gezeiten - unter einem Felsvorsprung hindurchschwimmen oder -tauchen und findet sich dann in einer romantischen Lagune wieder.

Auffällig auf den Philippinen sind die ungekünstelt freundlichen Menschen. Wer durch die Straßen und über lokale Märkte bummelt, kommt leicht mit Leuten ins Gespräch, was auch deshalb gut gelingt, weil die meisten Filipinos englisch sprechen. Sogar die Polizisten und Zöllner am kleinen Flughafen von Busuanga machen gerne mal einen Spaß und albern mit den Besuchern herum. Vielleicht hat diese Unbeschwertheit damit zu tun, dass hier der Massentourismus mit all seinen negativen Begleiterscheinungen noch keinen Einzug gehalten hat. Im Land der 7107 Inseln ist noch unendlich viel Platz für Träume und Initiativen aller Art.

Dass diese Umwelt erhalten wird, ist nicht nur eine wohlklingende Parole der Behörden. Einen kleinen Beitrag leistet auch die Tauchschule auf Dimakya Island. In einer kleinen Station werden die jungen Schildkröten, die zu schwach waren, um nach dem Ausschlüpfen am Strand den gefährlichen Weg ins Meer zu schaffen, so lange aufgezogen, bis sie stark genug sind. Am frühen Morgen werden sie dann in die Freiheit entlassen. Die Besucher können die kleinen Wesen aus einer Schüssel nehmen, sie in den Sand setzen und zusehen, wie sie ins Wasser laufen, erst von den Wellen zurückgespült werden, immer mal wieder auftauchen und dann im Meer verschwinden. ,,Vielleicht werden einige von ihnen wieder auf unsere Insel zurückkommen, um hier zu brüten", hofft Menchie.


 
 
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