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30. Juli 2011  | Von Norbert Bartnik

Malaysia

Malaysia : Vom Dschungel direkt in die Moderne – Zwischen Regenwald und Hochhäusern

 
| Vergrößern | Smaragdfarbenes Meer: Der Name „Emerald Bay“ für diese Badebucht auf Pangkor Laut ist nicht übertrieben. Foto: Norbert Bartnik


Richtig glücklich sehen die Besucher nicht aus, die sich stöhnend den Inselberg hinaufquälen. Der Weg ist schlüpfrig, Moskitos suchen nach Opfern. Da hat man wenig Muße, den Erklärungen zu lauschen, die Yip Yoon Wah, der einfach „Uncle Yip“ genannt wird, über diverse Gewächse am Wegesrand abgibt. Uncle Yip hat trotz seiner 75 Jahre keine Probleme mit der Steigung, und die Moskitos lassen ihn sowieso in Ruhe, wenn frisches Touristenblut als Alternative zur Verfügung steht. „Das hier ist nur ein winziger Rest von Regenwald“, sagt er. „Wer den richtigen Urwald erleben will, muss nach Sarawak kommen.“ Der malayische Teil von Borneo ist für ihn ein Traumland, in dem immer wieder bisher unbekannte Pflanzen und Insekten entdeckt werden.
Uncle Yip, früher Leiter der Malaysian Nature Society, organisiert die Naturexkursionen auf der Insel Pangkor Laut, wo er jede Pflanzen- und Tierart kennt. Nebenbei hat er noch Zeit genug, um sein Facebook-Profil zu pflegen, und ein Buch zu schreiben – natürlich über die Fauna und Flora seines Heimatlandes.

Informationen

Allgemeine Informationen gibt es beim Malaysia Tourism Promotion Board, Weissfrauenstraße 12-16, 60311 Frankfurt, Telefon 069 460923420, E-Mail info@tourismmalaysia.de, www.tourismmalaysia.de. Über das Pangkor Laut Resort erfährt man Näheres unter www.pangkorlautresort.com, über das Casa del Rio Melaka Hotel unter www.casadelrio-melaka.com.


Pangkor Laut ist eine 120 Hektar große Privatinsel an der Westküste von Malaysia, deren dschungelartige Vegetation von der Hotelanlage kaum beeinträchtigt wird. Die 142 Häuser, zum Teil am Hang, zum Teil auf Pfählen im Meer errichtet, fügen sich harmonisch in die Landschaft ein. Ein asphaltierter Weg führt zur traumhaften Emerald Bay auf der anderen Inselseite. Regelmäßige Shuttles bringen die Gäste zum Strand. Hier gibt es nur ein Gartenrestaurant, eine weitere Bebauung ist nicht vorgesehen.
„Die Natur ist das Hauptkapital der Insel, das soll erhalten werden,“ sagt Sebastian Sträter. Der Darmstädter arbeitet im Management des Resorts. 2003 hat er an der Georg-Büchner-Schule sein Abitur gemacht, danach studierte er in San Diego Hotelmanagement, seit 2009 ist er auf der Hotelinsel. Er schätzt die natürliche Atmosphäre, warnt aber auch vor einigen Bewohnern, die zwar putzig aussehen, aber viel Unheil anrichten können: „Wenn Gäste die Fenster offen gelassen haben, ist es schon mal passiert, dass eine ganze Affenbande ins Zimmer gekommen ist und das totale Chaos veranstaltet hat. Da sind ein paar ins Bett gegangen, die anderen in die Dusche.“
In der Regel kommen aber nur die Hornbills ((Nashornvögel) zu Besuch, die sich damit begnügen, auf dem Geländer der Terrassen Platz zu nehmen und die Gäste neugierig zu beobachten. Die Insel ist auch bei Prominenten beliebt, die allerdings nicht in der Hotelsiedlung umgeben von Normalbürgern logieren, sondern in den separaten „Estates“ – edlen Residenzen an einer abgelegenen Bucht. Fernsehkoch Johann Lafer hat auf der Insel nicht nur Urlaub gemacht, sondern auch die Köche der sieben Inselrestaurants ausgebildet, alle tragen weiße Jacken mit seinem Namen am Revers. „Wir haben schon oft zusammen Tennis gespielt“, erzählt Sebastian Sträter schmunzelnd. „Ich lasse ihn dann immer gewinnen.“
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Kleine Inselexkursion mit dem Naturkundler Foto: Norbert Bartnik
Es ist verwunderlich, dass bislang noch keiner der Filmstars, die auf der Insel Urlaub machten, auf die Idee kam, die Story von Colonel Spencer Chapman in einen Hollywoodstreifen zu verwandeln. Der britische Offizier hatte im Zweiten Weltkrieg dreieinhalb Jahre im malaysischen Dschungel gegen die japanischen Besatzungstruppen gekämpft. In chinesischer Verkleidung gelangte er im April 1945 zusammen mit anderen Untergrundkämpfern nach Pangkor Laut. Von der Emerald Bay schwammen sie bei Nacht aufs Meer hinaus, wo ein britisches U-Boot auf sie wartete und in Sicherheit brachte. An der Badebucht erinnert heute eine Schrifttafel an den heldenhaften Colonel.
Heute hätten Untergrundkämpfer einige Mühe, auf dem malaysischen Festland ein passendes Versteck zu finden. Ursprüngliche Landschaften sind hier selten geworden. Beim Anflug auf Kuala Lumpur blickt man über die Palmenplantagen, die sich über weite Teile des Landes erstrecken. In Kuala Lumpur sind nur noch wenige Relikte aus alter Zeit erhalten sind. Wer von der Brücke zwischen den Petronas Towers über die Stadt blickt, sieht eine moderne Metropole mit wuchernden Hochhäusern und einigen Parks dazwischen. Um das alte Kuala Lumpur zu entdecken, muss man auf der Erde bleiben und stößt dann tatsächlich noch auf einige Gebäude aus der Kolonialzeit, auf Moscheen sowie buddhistische und hinduistische Tempel.
Wenn Malaysia sich selbst feiert, geschieht das im alten Stadtzentrum vor dem Sultan Abdul Samad Building. Auf der Prachtstraße Jalan Raja Laut ziehen einmal im Jahr über 5000 Akteure aus allen Teilen des Landes vorbei, singen und tanzen und versinnbildlichen mit ihren bunten Kostümen die „Colours of Malaysia“. Schulkinder verkörpern mit an langen Stangen getragenen Masken die Urbevölkerung, grün gewandete Tänzerinnen versinnbildlichen den Urwald, Akteure in Mülltonnenkostümen illustrieren mit geschwungenen Besen den Slogan „Keep Malaysia clean“. Auf einer Tribüne gegenüber schauen zahlreiche Ehrengäste dem Spektakel zu, darunter auch König und Königin und führende Politiker. Darunter natürlich die Tourismusministerin Ng Yen Yen. „In Malaysia lebt die Seele von Asien“, sagt sie zu Beginn der Parade und beschwört „diversity und unity“: Das Land habe viele Kulturen, aber bilde doch eine Einheit.
Hinter der bunten Fassade gibt es jedoch einige Brüche. Die Chinesen sind die treibende ökonomische Kraft in Malaysia, während die islamischen Malayen in den Behörden oft bremsend wirken. Trotzdem ist der Wirtschaftsboom unverkennbar. Symbol dafür sind die Petronas Towers, die nach dem Verlust des Prädikats „höchstes Gebäude der Welt“ immer noch der höchste Doppelturm der Welt sind. Ein Besuch auf der Brücke, die die beiden Türme verbindet, gehört zum Standardprogramm jedes Besuchs.
In den modernen Shoppingcentern sind die gleichen Markengeschäfte zu finden wie in Singapur, Shanghai, Hongkong, Dubai und den Metropolen in den USA und Europa. Im Einkaufsviertel zwischen Jalan Sultan Ismael und Jalan Raja Shulan gibt es neben Boutiquen und Restaurants zahlreiche Salons, die Fußmassagen anbieten, die angeblich bei Verspannungen Wunder wirken. Da männliche Touristen das oft falsch verstehen, mischen sich abends auch einige Prostituierte unter die Menschenmengen und suchen nach Kundschaft, allerdings spielen derlei Geschäfte in dem islamisch geprägten Land nur eine geringe Rolle. Von Sextouristen bleibt Malaysia deshalb weitgehend verschont.
Kuala Lumpur gilt zwar nach wie vor als Hauptstadt Malaysias, Regierung und Verwaltung haben aber ihren Sitz in der seit 1995 planmäßig errichteten Stadt Putrajaya, die 50 Kilometer weiter südlich liegt und mit ihren prunkvollen Regierungsgebäuden, den Bürohochäusern und den Wohnsiedlungen der Angestellten eine kalte Perfektion ausstrahlt.
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Bunte Vielfalt auch bei den Kopfbedeckungen für muslimische Frauen zeigt diese Auslage in einem Geschäft in Kuala Lumpur. Foto: Norbert Bartnik
Wer einen Hauch des traditionellen Malaysia spüren will, sollte Malakka besuchen. Die kulturelle Hochburg des Landes, die seit 2008 zum Weltkulturerbe der Unesco gehört, besitzt nicht nur viele Museen, sondern wirkt insgesamt wie ein riesiges Museum, allerdings eines, in dem das Leben weitergeht. In einer Kirchenruine sieht man die Grabsteine holländischer Handelsleute, viele Häuser erinnern an die portugiesische Kolonialzeit, und im „Baba and Nyonya Heritage Museum“ wird mit Originalmobiliar das Alltagsleben einer reichen chinesischen Familie des 19. Jahrhunderts dokumentiert. Regelmäßig tuckern Ausflugsboote den Malakka River hinunter, wobei man allerdings nur die schönen Fassaden sieht. Zäune mit Lichtergirlanden verdecken eine eher ärmliche Siedlung. Aber es gibt in Malakka auch viele renovierte Altbauten, Souvenir- und Kleiderläden und zahlreiche Gästehäuser für Backpacker, in denen eine Unterkunft schon für neun Ringit, umgerechnet zwei Euro, zu bekommen ist. Luxuriöser ist das kürzlich eröffnete Casa del Rio Melaka Hotel direkt am Fluss, das passend zur Geschichte der Stadt einen bunten Architektur-Mix mit iberischen, arabischen und chinesischen Einflüssen aufweist.
Am beeindruckendsten aber ist auch in Malakka die Freundlichkeit der Menschen. Da kann es einem passieren, dass man in der Jonker Street neugierig in einen Versammlungssaal hineinschaut, in dem gerade ein chinesischer Laienchor für ein Festival probt, und umgehend vom Chorleiter des Clans eingeladen wird, sich dazuzusetzen, und den einstudierten Liedern zu lauschen.

 


Spannender Mix der Kulturen
„Selamat Datang – herzlich willkommen in Malaysia“ – so begrüßen die Malaysier ihre Gäste. „Ihre traditionelle Gastfreundschaft ist Ausdruck der gegenseitigen Toleranz“, betont das Malaysia Tourism Board. Das Land sei das „Musterbeispiel einer funktionierenden multiethnischen Gesellschaft“. 28 Millionen Einwohner leben in Malaysia. Die Zusammensetzung der Bevölkerung spiegelt die wechselvolle Geschichte des Landes . Portugiesen, Holländer, Engländer, Araber, Inder, Chinesen und die Stämme der Iban, Bidayuh und Kadazan haben ihre Spuren hinterlassen und prägen noch heute das Bewusstsein des Landes.
Die offizielle Staatssprache ist Malaiisch. Englisch ist weit verbreitet, so dass man sich als Tourist jederzeit gut verständigen kann, daher ergeben sich auch viele anregende Gespräche mit den Einheimischen.
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