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05. Dezember 2008  | Klaus Thiele

Kambodscha

Der schönste Weg nach Angkor: Mit dem Flussdampfer zur größten Tempelanlage der Welt

 
Kambodscha
| Vergrößern | Traumstadt: Die Tempelanlage von Angkor in der Dämmerung. Fotos: Klaus Thiele

Er ist der wohl ungewöhnlichste Fluss der Welt. Wenn der kambodschanische König Sihamoni beim Wasserfest in Phnom Penh dem Tonle Sap befiehlt, die Richtung zu ändern, dann macht er tatsächlich gehorsam kehrt und schwimmt sozusagen gegen den eigenen Strom.

Si-hamoni verfügt allerdings durchaus nicht über magische Kräfte. Der Tonle Sap fließt auch ohne Befehl ab Juni stromaufwärts und ab November dann wieder normal. Dafür sorgt der Mekong, in den er bei der kambodschanischen Hauptstadt mündet. Monsunregen und Schneeschmelze im Himalaya lassen den Mekong derart anschwellen, dass er seine Wassermassen in den Tonle Sap drückt und ihn so zur Umkehr zwingt.

Der Tonle Sap lässt dadurch den 100 Kilometer nördlich gelegenen gleichnamigen See von etwa 3000 auf 11 000 Quadratkilometer anschwellen. Wenn der See sich im November zum Wasserfest langsam wieder in Richtung Mekong entleert, bauen die Fischer im Fluss riesige Fallen auf. Ein gewaltiger Fischzug beginnt.

Wie lange noch derart leicht abgeerntet werden kann, bleibt abzuwarten. Überfischung, Abwässer aus China, vor allem aber Staudammprojekte in China und Laos bedrohen das Ökosystem. Der wendige Fluss ist aber noch aus einem ganz anderen Grund für Reisende interessant. Er führt zu einem der faszinierendsten Architektur-Wunder der Welt.

Kambodscha
| Vergrößern |
Viele Wege führen zu den Tempeln von Angkor. Der auf den Flüssen Mekong und Tonle Sap ist der schönste.
Denn nicht weit vom See Tonle Sap liegt Kambodschas gigantische Sehenswürdigkeit Angkor, die Megastadt der Khmer-Gottkönige mit der größten Tempelanlage aller Zeiten. Man kann dort auch mal eben für einen Tag von Bangkok aus einfliegen. Aber der schönste Weg nach Angkor ist eindeutig der langsamste. Er führt mit dem Flussdampfer den Mekong hinauf bis Phnom Penh und weiter auf dem Tonle Sap.

Hinter der Grenze zwischen Vietnam und Kambodscha herrscht zunächst kaum Schiffsverkehr, seltener taucht ein Dorf am Ufer auf. Nur ein paar Fischerboote sieht man für längere Zeit und Kinder, die Wasserbüffel zum Baden an den Fluss bringen. Erst bei Phnom Penh wird es wieder lebhafter. Im Kolonialstil neu erbaute, komfortable Schiffe wie die „Tonle Pandaw“ oder „Mekong Queen“ legen direkt an der Uferpromenade an, nicht weit vom Königspalast.

Ein Teil der Schiffsgäste hat besonderes Glück mit dem kambodschanischen Reiseleiter. Sie werden jetzt von Herrn Hak betreut, der nach der Wende in Wismar studiert hat. Er erklärt im Nationalmuseum die Khmer-Kultur so wunderbar, dass man es kaum noch erwarten kann, endlich Angkor zu erreichen.

Aber er berichtet auch eindringlich, was das Volk der Kambodschaner unter dem Steinzeitkommunismus der Roten Khmer, deren Terrorregime von 1975 bis 1979 ein Viertel der Bevölkerung zum Opfer fiel, erlitten hat. Eines der einstigen Foltergefängnisse ist heute Völkermordmuseum mit Fotogalerien von kurz vor ihrer Ermordung noch fotografierten Menschen, darunter auch viele Kinder.

< Herr Hak kam im Alter von sechseinhalb Jahren in ein Kinderlager, musste dort hart arbeiten, bekam wenig zu essen. „Meinen besten Freund haben sie nachts abgeholt und umgebracht. Er hatte, weil er den Hunger nicht mehr aushielt, eine Mango-Frucht vom Baum gepflückt“, erzählt der Kambodschaner. Und er beschreibt, wie die Hauptstadt mit damals drei Millionen Einwohnern innerhalb von drei Tagen von allen verlassen werden musste. „Wer nicht gehen konnte, wurde getötet.

Kambodscha
| Vergrößern |
Große Flussdampfer bringen die Touristen nach Siem Reap.
Das Schiff fährt noch einen Tag den Mekong flussaufwärts in Richtung Laos bis Kampong Cham, kehrt dann aber nach Phnom Penh zurück und läuft in den Tonle Sap ein. Immer schön vorsichtig geht es an den großen Fischfallen vorbei, die oft die Hälfte des Flusses blockieren. Hinter den Uferböschungen leuchtet das satte Grün endloser Reisfelder.

Ein idyllischer Abschied vom Fluss Tonle Sap. Hinter Kampong Chhnang mit buntem Markttreiben ist bald die die riesige Seenlandschaft erreicht. In Siem Reap, der Stadt ganz nah an den Tempelbauten von Angkor, wartet dann die pralle Wirklichkeit. Der Angkor-Tourismus boomt. In der Stadt schießen die Hotels der internationalen Ketten aus dem Boden.

„Bei ihrem Hotel kostet der Quadratmeter Bauland schon 1250 Dollar“, erzählt der neue Reiseleiter Kosal. In der Hochsaison kommen 3500 Gäste pro Tag, 2000 Leute wollen abends vom gleichen Hügel aus den Sonnenuntergang bestaunen. Auch wer sich schon früh um sieben Uhr auf den Weg macht nach Angkor Wat oder Angkor Thom, der etwa um 1200 erbauten Stadt des letzten großen Gottkönigs der Khmer, ist bald von wild fotografierenden Japanern und Koreanern umwimmelt.

Und doch ist man jeden Abend froh, sich per Moped-Rikscha, Bus oder gar Elefant durchgekämpft zu haben in diesem riesigen Weltwunder-Areal. Erstes Ziel ist natürlich Angkor Wat mit dem 800-Meter-Relief, dem größten der Welt, und den so himmlisch lächelnden Tempeltänzerinnen, den Apsaras.

Kambodscha
| Vergrößern |
Rätselhafte Gesichtertürme in Angkor Thom.
Deutsche Wissenschaftler versuchen zur Zeit, dieses Lächeln zu konservieren. Die Figuren aus Sandstein drohen zu zerbröseln.

Ansonsten muss man sich entscheiden, was zu schaffen ist. Der Bayon mit den rätselhaften Gesichtertürmen muss auf jeden Fall durchlaufen werden, auch Ta Prohm, weil man dort an den bewusst erhaltenen, dicke Mauern umklammernden Riesenwurzeln am besten sieht, wie der Dschungel einst Angkor förmlich verschlungen hat.

Wunderbar erhalten ist das etwa 20 Kilometer entfernte Shiva-Heiligtum Banteay Srei. Das Tempel-Kleinod mit den filigranen Dekors blieb vor größeren Zerstörungen bewahrt, weil es den Roten Khmer als Quartier diente. Reiseleiter Kosal zeigt auf einen blanken Stein: „Hier haben sie ihre Messer gewetzt“.


Praktische Tipps

Reisezeit:
Am günstigsten für den Besuch Kambodschas ist die Zeit zwischen Oktober und April.

Anreise:
Mit Thai Airways oder Lufthansa bis Bangkok, weiter mit Bangkok Airways. Zurück von Siem Reap über Bangkok.

Einreise:
Ein Visum ist erforderlich und wird vom Reiseveranstalter besorgt.

Gesundheit:
Impfungen sind nicht vorgeschrieben. Empfohlen wird Schutz vor Hepatitis und Malaria.

Währung:
Ein Umtausch in die Landeswährung Riel ist nicht nötig. Auch Straßenhändler rechnen in Dollars.

Literatur:
DuMont Richtig Reisen „Laos, Kambodscha“.

Angebote:
Die beschriebene Route ist Teil einer Reise durch Vietnam und Kambodscha. 16 Tage mit Hotelaufenthalt in Saigon und Siem Reap und acht Tagen auf dem Schiff (2009 ist es die Mekong Queen) kosten bei Lernidee Erlebnisreisen mit Kabine auf dem Hauptdeck ab 3680 Euro (Internet www.lernidee.de).

Auskunft:
Cambodia Tourist Office & Vietnam,
Enzianstraße 4 a,
82319 Starnberg,
Telefon 08151 770222,
Internet www.indochina-services.com.

 

 
 
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