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Jerusalem. Ein Schritt durch das Damaskustor genügt, um eine andere Welt zu betreten. Hinter den hohen Mauern der Jerusalemer Altstadt gibt es keinen Straßenlärm und keine Leuchtreklame mehr, das 21. Jahrhundert ist draußen geblieben. In engen, verwinkelten Gässchen des quirligen arabischen Viertels bieten Händler lautstark Gewürze und Stoffe an, Holzwagen rattern über das Kopfsteinpflaster. Nur ein paar Meter weiter beginnt abermals eine andere Welt, als hätte man eine unsichtbare Grenze überquert: Im jüdischen Viertel ist es am Shabbat ruhig, Geschäfte und Türen bleiben geschlossen und orthodoxe Familien machen sich auf den Weg zur Klagemauer.Die Altstadt, umringt von einer etwa vier Kilometer langen Mauer, ist wie ein abgeschlossener Mikrokosmos innerhalb der israelischen Hauptstadt, an dem bereits offenbar wird, was Israel insgesamt auszeichnet: Die Vielfalt an Religionen, Sprachen und Kulturen ist in diesem Land, flächenmäßig gerade einmal so groß wie Hessen, einzigartig auf der Welt. Als Zuhause heiliger Stätten für Christen, Juden und Moslems hat es für Gläubige in aller Welt eine besondere Bedeutung. Aber auch, wer Israel nicht vor einem religiösen Hintergrund bereist, spürt die beinahe magische Anziehungskraft der Kontraste, die hier alltäglich aufeinander prallen. Menschen verschiedenster Kulturen und mit ihren jeweils eigenen Traditionen leben nebeneinander, manchmal miteinander und sehr oft aneinander vorbei.Grenzen gibt es in Israel viele: Unsichtbare wie in der Jerusalemer Altstadt zwischen arabischen, jüdischen, christlichen und armenischen Vierteln. Oder sichtbare wie die mehr als 700 Kilometer lange militärische Sperranlage, die - mal als Mauer, mal als simpler Maschendrahtzaun - das israelische Kerngebiet vom Westjordanland abgrenzt. Ein Symbol der Trennung ist die Stadt Hebron in den palästinensischen Autonomiegebieten, rund dreißig Kilometer südlich von Jerusalem. 1998 wurde Hebron nach einer Reihe gewaltsamer Auseinandersetzungen in zwei Verwaltungsgebiete unterteilt - H1 kam unter palästinensische, H2 unter israelische Kontrolle. Heute prägen Überwachungstürme, Stacheldraht und hunderte Straßensperren das Bild der Stadt. Einst florierende Einkaufsstraßen sind heute leer und ausgestorben wie in einer Geisterstadt, seitdem den palästinensischen Ladenbesitzern dort der Zutritt nicht mehr erlaubt ist.


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